Review
von Leimbacher-Mario
The Pole, the Mexican and the Gay
Von „Companeros“ über „Butch Cassidy & Sundance Kid“ bis zu Sergio Leones größten Hits ist das Westerngenre von der vierten bis zur ersten Reihe, von Europa bis nach Hollywood dicht besiedelt von ungleichen Pistoleros und Duos, die den wilden Westen und nicht selten auch die Grenzregion zu Mexiko unsicher machen. Sergio „Django“ Corbuccis „Il Mercenario“ hat ein genau solches Duo, einen stoischen polnischen Söldner und einen hitzköpfigen mexikanischen Anführer, die zusammen (mit einigen dicken MGs im Gepäck + später einer äußerst attraktiven Rebellin an der Seite) die mexikanische Revolution antreiben und sich gegen die brutale Obrigkeit (u.a. ein leicht schwuler, grandioser Jack Palance) zur Wehr setzen, dick Kohle machen und trotz ihrer Unterschiede zusammenwachsen oder sich zumindest respektieren...
„Il Mercenario“ ist noch immer ein Geheimtipp unter den Spaghetti-Western und stand oft etwas im Schatten der Djangos, Keomas und wie sie alle heißen - doch spätestens seitdem kein Geringerer als Quentin Tarantino ihn als Anspieltipp bevor „Once Upon a Time In Hollywood“ genannt hat und das Poster sogar im Film Verwendung fand, dürfte diesem feurigen polnisch-mexikanischen Gespann mehr Beachtung geschenkt werden. Richtig so! „Il Mercenario“ hat eigentlich alles, was man an den europäischen Western seiner Zeit so mochte/mag. Die Kerle sind kernig, die Sonne strahlt heiß, die Frauen sind noch heißer, Tequila fließt in Strömen und etwas Blut gleich hinterher. Es gibt stylisch-persönliche Shootouts (Stierkampfmanege!), die Leone kaum besser hinbekommen hätte, es gibt brutale Massenschlachten, einen unübersehbaren „Peoples Champion“-Unterton mit revolutionären Vibes und einen klasse Bösewicht, der vielschichtig und ambivalent wirkt, ohne viel zu sagen - ganz einfach weil er Palance ist und der mehr mit ein paar Blicken macht, als andere mit zehn Monologen. Außerdem ist Franco Nero in Topform nach wie vor einer der größten Arschtreter auf dem Planeten, es gibt immer mal wieder einige malerisch schöne, epische Bilder zwischengeschoben und der locker-leichte Flair mit vielen treffenden Jokes und keiner allzu großen Grimmigkeit springt schnell auf den Zuschauer über. Hier stimmen Balance, Tempo und Figuren einfach auffällig gut. Und der Gänsehaut-Morricone-Score ist das i-Tüpfelchen und wurde in „Kill Bill“ sogar nochmal gebraucht.
Fazit: große Klappe, viel dahinter. Ein faszinierendes Duo in einem spaßigen Revoluzzer-Spaghetti-Western von Sergio Corbucci. Einer seiner Kronjuwelen!