Nachdem "Insider" und "Ali" zwar von Kritikern gelobt wurden, aber keine finanziellen Erfolge waren, kehrt Regisseur Michael Mann (Blutmond) mit "Collateral" wieder zu jenen Elementen zurück, die sein bisher größter Erfolg "Heat" beinhaltete: Los Angeles, zwei verschiedene Männer, hervorragende Optik und bestechender Sound! Noch dazu mit einem Tom Cruise (Last Samurai) in einer seiner besten Rollen!
Als das Licht in den Bürohäusern von Los Angeles erlischt und schon die Coyoten über den Sunset Boulevard huschen, sehnt Taxifahrer Max (Jamie Foxx) seinen Feierabend herbei. Nur eine Tour noch, na gut. Doch der neue Fahrgast bucht ihn für die restliche Nacht. 600 Dollar zahlt der Mann (Tom Cruise), der sich Vincent nennt, dafür. Er habe an verschiedenen Orten Geschäfte zu erledigen. Schon beim ersten Stopp wird klar, um welche Geschäfte es sich handelt: Vincent ist ein Auftragsmörder, der alle Tricks anwendet, um seinen unfreiwilligen Fahrer auf Kurs zu halten...
Erstmals spielt Tom Cruise einen richtigen Schurken und er spielt diese Rolle wahrhaft gut. Cruise spielt den mordenden Zyniker Vincent skrupellos und kann dennoch die Sympathien des Zuschauers auf sich ziehen. Auch in riskanten Situationen bewahrt der Killer mit den eisgrauen Haaren hier meistens Ruhe und wickelt seinen Job professionell ab. Der Adam Sandler ausstechende Jamie Foxx (Bait) spielt genauso gut wie Cruise, auch wenn er einen komplett anderen Charakter spielt. Denn Max ist eher verträumt und erledigt seine Arbeit als Taxifahrer gewissenhaft und mit Freude. Doch während seines Psycho-Duells mit Vincent muss Max über seine psychischen sowie physischen Grenzen springen, um die Anwältin Anne zu retten. Diese wird von Jada Pinkett-Smith (Scream 2) dargestellt und ist aber mehr eine Randfigur, auch wenn sie im nachhinein für die Story wichtig ist. Damit ist klar, dass sie mit Cruise und Foxx nicht konkurrieren kann. In einer kurzen Szene ist dann noch Jason Statham (The Transporter) als Koffer-Übergeber zu sehen.
In "Collateral" erweist sich Michael Mann erneut als Meister der Optik und des Großstadt-Thrillers. In kühlen Bildern erzählt er die Geschichte von Vincent und Max. Während andere Regisseure sich bei Los Angeles nur auf die Klischees der Sonnenseite konzentrieren, zeigt Mann nachts in filmischer Sichtweise neue Seiten an der Metropole. Mithilfe einer Digitalkamera fängt er nächtliche Panoramen ein, so, wie man sie zuvor noch nie gesehen hat. Schon in "Heat" filmte er vorzugsweise unbekannte Gegenden von Los Angeles statt die klassischen Filmbilder wie Malibu Beach, Hollywood oder der Sunset Boulevard, die lediglich die schöne Scheinwelt der Engelstadt symbolisieren. Der Regisseur rückt somit die touristisch und filmisch unerschlossenen Ecken der Stadt ins Zentrum. Doch dass Los Angeles genau wie New York und andere Städte auch eine nicht so heile Welt hat, wissen wir spätestens seit Gangster- und Gangfilmen wie "Training Day" oder "Dangerous Minds". Die brilliant fotographierten Bilder werden ergänzt durch eine auf den ersten Blick simple Story. Aber bei Michael Mann weiß man, dass er auch die simpelsten Geschichten (z.B. Cop vs. Gangster, Mann vs. Tabakkonzern) effektiv und nahezu kunstvoll verpacken kann. Dabei erweist er sich als Detailliebhaber und spannender Erzähler. Auch bei der Musikuntermalung macht Mann keine Fehler und bringt somit u.a. die "Club Fever"-Szene auch akustisch ausdrucksstark in Szene.
Die Action wird im Gegensatz zu "Heat" eher rar im Film verstreut. Dadurch wird nicht die Action, sondern das Psycho-Duell der Hauptcharaktere, tragend für den Film. Action-Höhepunkt ist die "Club Fever"-Szene, wo Cruise mit Messer und Pistole gleich mehrere Menschen ins Jenseits schickt. Auch der finale Schusswechsel zwischen Vincent und Max in der U-Bahn kann beeindrucken, da nicht blutige Einschüsse gezeigt werden und so erst nach dem Shoot-Out klar wird, wer den Kampf verloren hat. Ansonsten werden Vincents Morde nicht direkt gezeigt sondern eher angedeutet, auch wenn das nur bei den ersten beiden Morden so ist. Danach serviert Vincent schnell und effektiv zwei Straßendiebe ab. Dabei verpasst er einem der Diebe einen frontalen Kopfschuß, was Vincents Kaltblütigkeit noch unterstreicht. Beim dritten Auftrags-Mord wirds schon deutlicher und Vincent erschießt eiskalt einen Jazzclub-Besitzer vor den Augen von Max, nachdem er sich von dem Mann seine Lebensgeschichte hat erzählen lassen. Es muss ja nicht alles so übertrieben blutig sein wie "Reservoir Dogs". Hier wird auch der Unterschied zwischen Michael Mann und Quentin Tarantino gezeigt, die wohl die bekanntesten Hitmen des amerikanischen Kinos vorzuweisen haben. Tarantino ist Popstar, Mann nur Kritikerliebling.
Schon jetzt kann man "Collateral" als einen ungewöhnlichen Film-Klassiker a'la "Fight Club" oder "Leon - Der Profi" bezeichnen, auch wenn Manns Cruise-Streifen im Gegensatz zu "Heat" eher eine freiwillige Selbstbeschränkung und Stilübung ist, um den finanziellen Druck der Studios los zu werden. Dennoch ein hervorragendes Werk und neben "Last Samurai" einer von Tom Cruise' besten Filmen.