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Lange musste ich mit mir selbst ringen, ob ich es wagen sollte, mir diesen neuesten Streich von Meisterregisseur Mann (Heat, Insider, Ali u.a.) anzusehen. Zu groß war die Angst, enttäuscht zu werden. Zwar erwartete ich einen guten Thriller, jedoch einen total auf Hauptdarsteller Cruise zugeschnittenen guten Thriller.

Gott sei Dank wurde ich dann doch nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil!

Dann wollen wir mal direkt bei Tom Cruise beginnen. Das dieser kein schlechter Schauspieler ist, ist für mich keine Frage. Denn schon sehr oft hat er bewiesen, was für schauspielerische Talente in ihm stecken. Jedoch neigen Filme mit ihm in der Hauptrolle dazu, zu sehr auf ihn zugeschnitten zu sein, was ich somit auch bei "Collateral" befürchtete. Nach nur fünf Minuten, die er im Film zu sehen war, wurde mir diese Angst jedoch schon genommen. Denn sehr schnell wird deutlich, dass nicht der Film bzw. die Rolle auf ihn zugeschnitten ist, sondern er ganz einfach perfekt in diese Rolle passt. Ehrlich gesagt kann ich mir keinen Schauspieler vorstellen, der diese Rolle des soziopathischen, silbergrauen Killers Vincent besser hätte meistern können als er. Er strotzt nur so vor Coolness, bleibt aber dennoch interessant, da man merkt, dass ihn irgendetwas von innen auffrisst und ihm keine Ruhe lässt. Genau diese Äquivalenz zwischen extremer Gelassenheit nach außen und dieser inneren Unruhe bringt Cruise einfach perfekt rüber, ohne jemals seine ausgestrahlte Bedrohlichkeit darunter leiden zu lassen.

Nun zum zweiten großen Mann vor der Kamera: Jamie Foxx. Wieso Jamie Foxx für seine Rolle des Taxifahrers Max für einen Oscar als bester Nebendarsteller nominiert wurde, ist mir ein absolutes Rätsel. Nicht, weil er seinen Job so schlecht gemacht hat, nein! Im Gegenteil: Er ist so gut und so verdammt überzeugend, das er selbst dem superb agierenden Tom Cruise ohne Probleme die Show stiehlt. Und wie man ihn in diesem Film als Nebendartseller sehen kann, ist mir einfach unbegreiflich. Nichtsdestotrotz hätte er hier neben seinem Hauptdarsteller-Oscar für "Ray" ebenfalls den begehrten Goldjungen verdient. Ich hab selten eine so überzeugende Leistung gesehen: Von der ersten Minute an, in der seine Rolle Max vom Job seines Mitfahrers erfährt und somit ständig mit der Angst leben muss, von diesem getötet zu werden, fühlt man mit ihm. Man fühlt seine Hilflosigkeit und seine Ausweglosigkeit, die sich im Laufe des Films jedoch langsam in Mut, Courage und eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber dem Tod und seinem Kontrahenten Vincent verwandelt, bis er diesem im Finale endlich Auge in Auge gegenübersteht. Eine wie ich finde geniale Leistung!

Jetzt aber zum Film an sich: Wie zu Beginn gesagt, erwartete ich zwar trotz all meiner Bedenken einen guten Thriller, dass ich jedoch eine solche Spannung geboten bekomme, hat mich sehr erschreckt und umso mehr gefreut. Durch die eben beschriebene mitgefühlte Ausweglosigkeit des Taxifahrers Max und Vincents undurchsichtigen Charakter, bei dem man niemals weiß, was er als nächstes tun wird, ensteht eine unheimlich beklemmende und bedrohliche Atmosphäre. Diese entlädt sich dann, fast schon im Stile eines Takeshi Kitanos, in plötzlich hereinbrechenden (teils recht realistischen und blutigen) Schießereien und Morden Vincents. Man sitzt da, zusammengekauert auf seinem Sessel, und wartet darauf, das etwas geschieht, was diese Spannung etwas löst und sie wieder entlädt. Und eben dieser immer wiederkehrende Spannungsbogen wird zum Finale hin extrem weit gespannt, um dann wiederum umso gewaltiger und energiegeladener zu loszulassen.

Fazit:
Extrem spannender Edel-Thriller mit superben Darstellern, allen voran Jamie Foxx, einer tollen Atmosphären und einigen starken Actionszenen. Was Michael Mann uns hier präsentiert ist wieder mal Nerven-Kino in Perfektion, wie wir es von ihm gewohnt sind! Weiter so!

Hier gibts die klare Höchstwertung von 10 Punkten...

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