Max (Jamie Foxx) ist Taxifahrer. Nicht aus Überzeugung, sondern als Überbrückung zur Realisierung seines Traumes. Doch diese Nacht soll sein Leben entscheidend verändern: Nachdem er die scharfe Staatsanwältin Annie (Jada Pinkett Smith) zu ihrem Arbeitsplatz fuhr und feststellte, dass offensichtlich die Chemie zwischen ihm und ihr stimmt, steigt Vincent (Tom Cruise) in sein Taxi. Durchaus einer der effizientesten Profikiller der Filmgeschichte. Selbst überaus gepflegt bewundert er sofort die Taxifahrer-untypische Art seines Chauffeurs, da das Taxi wie geleckt aussieht. Vincent bucht Max gleich für die ganze Nacht, damit dieser ihn zu jedem seiner fünf Opfer kutschiert.
Der Kontrast zu Michael Manns Vorzeigewerk "Heat " ist an vielen Stellen vorhanden: Während es einst noch ungefähr ein Dutzend Charaktere waren, die von allen Winkeln aus beleuchtet wurden, stehen Vincent und Max hier ziemlich alleine da. Staatsanwältin Annie tritt zwar als letztes Opfer wieder auf den Plan, lässt die beiden Hauptfiguren in ihrem Treiben den Film über aber ungestört. Auch jegliche Polizisten, die ihr Glück versuchen, werden schon fast plump aus der Story gekickt. Also könnte man vermuten, dass die beiden Hauptcharaktere davon profitieren und tiefsinnig wie in keinem anderen Film zuvor daher kommen.
Doch obwohl die Figuren durchaus interessant aufgezogen sind, kratzen sie doch eher am legendären Duo Pacino/De Niro. "Collatoral" setzt da eher auf das Zusammenspiel von Vincent und Max: Sie entwickeln sich durch ihre gegenseitige Beeinflussung, während Vincent anfangs natürlich klar den dominanten Part übernimmt. Die Dialoge, die durch die offensichtlichen Spannungen zwischen den Beiden besonders intensiv sind, scheinen gar die Hauptstütze des Films zu sein. Max wird geradezu in die rationale, desillusionierte und auch gesellschaftsentfremdete Gedankenwelt Vincents hineingepresst und obwohl jener gefühllos und böse vor sich hin tötet, profitiert Max von dessen Herangehensweise an das Leben. Aus dem motivierten, von seinem Träumen angetriebenen Taxifahrer wird ein ungleich impulsiverer Typ, der neuen Tatendrang verspürt und förmlich über sich hinaus wächst.
Die Handlung, die hinter dieser Sozialstudie läuft, ist auf dem Papier nicht wirklich toll, im Film auch nicht großartig aufgezogen, unterhält aber glänzend. Auch wenn die meisten Aktionen im Endeffekt zur Definierung und Deklarierung der Charakteristika der Hauptfiguren dienen. Fast den ganzen Film über ist das Taxi Dreh- und Angelpunkt und als mobiler Schauplatz eignet es sich erstaunlich gut. Die Alternanz im Film wird durch die zahlreichen Außenaufnahmen gewährleistet, die Mann-typisch enorm stylish sind. Hier ist am ehesten eine Schnittstelle zu "Heat " oder "Miami Vice " vorhanden. Dementsprechend gesellt sich auch ein toller Score dazu, wenn auch nicht mehr ganz so visionär wie anno 1995. Einzig der Schluss kommt dezent uninspiriert daher, die Spannung will ich ihm aber keinesfalls absprechen. Es fehlt bloß irgendwie die typische Mann-Note. Es wird auch etwas an Potential verschenkt, als Vincent wie seinerzeit der Terminator überspitzt steif und emotionslos durch den Zug watschelt. Von der emotionalen Seite her geht die dann folgende Sterbesequenz aber voll auf.
Von den Darstellern tragend sind ja eigentlich hauptsächlich Jamie Foxx und Tom Cruise. Beide spielen wirklich toll und harmonisieren optimal miteinander. Trotzdem gefällt Cruise etwas mehr, da er aber auch die bessere Rolle abgekriegt hat. Von einem kühlen Profikilller geht einfach eine größere Atmosphäre aus als von einem unscheinbaren Taxifahrer.
"Collatoral" ist ein wirklich toller Thriller. Sehr tiefsinnig, bewegend, aber auch stellenweise recht cool. Die Entwicklung der beiden Hauptcharaktere und der stete Dialog zwischen den Beiden dominiert, was den Film schön eigenständig macht. Nur einige überflüssige Elemente im Plot verwundern und der etwas in den Mainstream abdriftende Schluss enttäuscht. Trotzdem ist der Streifen von vorne bis hinten spannend und ansonsten Mann-typisch superb inszeniert.