"Das ist das Wieso, es gibt keinen Grund, es gibt keinen guten Grund, keinen schlechten Grund wieso jemand stirbt oder nicht."
Jamie Foxx spielt einen Taxifahrer in Los Angeles. Alles läuft wie immer, bis ein Mann namens Vincent, gespielt von Tom Cruise, in sein Taxi steigt und seine Dienste für die ganze Nacht in Anspruch nehmen will, da er 5 Personen besuchen muss. Doch als bei der ersten Adresse eine Leiche auf Foxx` Taxi fällt, stellt sich heraus, dass es sich bei dem unscheinbaren Cruise um einen Serienkiller handelt, der 5 Aufträge erfüllen muss. Foxx wird nun dazu gezwungen, den Mörder weiter von Adresse zu Adresse zu fahren. Doch ein Polizist, gespielt von Mark Ruffalo verfolgt die blutige Spur durch L.A.
Die Story ist schlicht und einfach gehalten. Mann konzentriert sich die ganze Zeit über beinahe Ausnahmslos auf den Konflikt von Cruise und Foxx. Aber eben diese intensive Behandlung dieser beiden hervorragenden Charaktere macht die Story so brilliant. Cruise ist sehr gut konstruiert und ist mehr als nur ein 0815-Auftragskiller und auch bei Foxx hat man sich Mühe gegeben und Klischees vermieden. Die Dialoge der beiden sind hervorragend, spannend und philosophisch. Die Wendungen sind ebenfalls hervorragend. Michael Mann hat sich einiges einfallen lassen, um die Spannung zu steigern und, um auf das hervorragende Herzschlagfinale hinzuarbeiten. Alles in allem eine gute Story für einen hervorragenden Thriller, die in der heutigen Zeit Seltenheitswert besitzt.
"Hey Max, ein Kerl steigt in die U-Bahn, hier in LA, und stirbt. Glaubst du, dass das irgendjemand mitkriegt ?"
Der Film läuft langsam an und die beiden Hauptcharaktere werden erst einmal vorgestellt. Doch in dem Moment, in dem die Leiche auf Foxx` Wagen landet, baut der Film schnell atemlose Hochspannung auf. Das Duell der beiden hervorragenden Darsteller wird im Mittelteil nie langweilig und könnte kaum spannender sein. Durch eine hervorragende Symbolik und durch berauschende Bilder kann man sich als Zuschauer kaum vom Geschehen abwenden. Im Finale wird dann, ähnlich wie bei Michael Manns "Heat" durch wohl dosierte Action noch einmal Spannung aufgebaut. Alles in allem ist "Collateral" überaus unterhaltsam und spannend.
Die Filmmusik ist brilliant gewählt. Durch ruhigere Töne können die hervorragenden Stadt-Aufnahmen sehr gut zur Geltung kommen. Bei den Action-Szenen gibt dann geladene und gewaltige Spannungsmusik. Michael Mann beweist hier ein hervorragendes Händchen.
Die Kulisse ist herausragend. Nur wenige Filme erreichten jemals eine solche optische Brillianz, wie "Collateral" sie vermitteln kann. Michael Mann fängt mit verschiedenen Persepektiven die Bilder der Großstadt hervorragend ein, sodass der ganze Film monumental und gewaltig wirkt. Hinzu kommt noch sein hervorragendes Spiel mit den Farben und mit dem Licht. Man kann als Zuschauer nur zusehen und staunen. Wirklich jedes Bild wirkt perfekt, Michael Mann setzt erneut einen Meilenstein.
Die Action-Sequenzen sind ebenfalls toll eingefangen und kommen durch die optische Brillianz toll zur Geltung. Mann dosiert sie hervorragend, sodass sie jederzeit die Spannung steigern und den Film zu keinem Zeitpunkt ausbremsen.
Die Atmosphäre ist die ganze Zeit über gespannt. Man kann die Spannung förmlich greifen, die zwischen Foxx und Cruise entsteht. Zudem schafft Mann es, durch seine Bilder den Eindruck zu erwecken, dass Foxx und Cruise allein sind.
"Sie haben gesagt, dass sie ein paar Freunde besuchen wollen!" "Aber nicht meine Freunde."
Oscar-Preisträger Jamie Foxx zeigt sich von seiner starken Seite. Die Figur des freundlichen Taxi-Fahrers liegt ihm hervorragend. Nach "Ali" ist dies seine zweite Zusammenarbeit mit Michael Mann, mit "Miami Vice" und "Operation Kingdom" folgten weitere. Er spielt das Duell mit Cruise hervorragend und mit Hingabe, außerdem stellt er den Wandel seiner Figur, die mit der Zeit zunehmend mutiger wird, sehr gut dar, seine Oscar-Nominierung für "Collateral" ist also auf jeden Fall gerechtfertigt. Hinzu kommt noch die perfekte Synchronisation. Tom Cruise ist in einer sehr ungewöhnlichen Rolle zu sehen. Nach "Top Gun" oder "Mission: Impossible" kennt man ihn doch eher in der Rolle des Helden, oder zumindest in der Rolle des Guten. Doch die Rolle des brutalen Auftragskillers löst er exzellent. Selten hat man ihn mit einer solchen Hingabe in einer Rolle beobachten dürfen. Er ist gemein und brutal, aber auch clever und cool. Er ist einerseits kalt wie Eis, wirkt aber andererseits beinahe sympathisch, wenn er nicht gerade irgendwelche Leute tötet. Auch das Zusammenspiel der beiden Darsteller ist wirklich sehenswert. Auch die übrigen Nebendarsteller, vor allem Mark Ruffalo, können glänzen.
Nach "Insider" und "Heat" gelingt Micheal Mann sein 3. Meilenstein. Er zeigt bei der Umsetzung des Thrillers wieder all sein Talent. Bleibt zu hoffen, dass er so weitermacht. Er setzt Musik und Kulisse toll in Szene und kann auch das letzte aus seinen Hauptdarstellern herausholen. Im Film gibt es übrigens ein paar Anspielungen auf seine anderen Werke, so beginnt der Film dort, wo "Heat" endet und endet dort, wo dieser anfängt.
"Und nichts ist passiert, und es wird auch nichts mehr passieren, weil
du es sowieso nie machen wolltest. Du schiebst deinen Wunsch in
irgendeine Ecke deines Hirns, lehnst dich in deinen Sessel zurück und
lässt dich den Rest deines Lebens vom Fernseher hypnotisieren."
Fazit:
Frei nach dem Moto "Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte" setzt Michael Mann diesen Thriller mit einer hervorragenden Bildsprache und Aufnahmen der Großstadt L.A. exzellent um. Die Musik passt sich dem Geschehen ebenfalls perfekt an und kann die Spannung jederzeit steigern. Auch wenn die Handlung auf den ersten Blick banal erscheinen mag, steckt unglaublich viel in diesem Streifen. Die Charaktere haben Tiefe und sind toll konstruiert. Die Dialoge sind exzellent, beinahe philosophisch. Der Konflikt der beiden Hauptpersonen, der durch hervorragende Darsteller verkörpert wird, kann die Spannung bis zum Herzschlagfinale hervorragend steigern. Kein Wunder, dass der Film auch kommerziell ein Erfolg wurde. "Collateral" ist wirklich empfehlenswert.