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Der Taxifahrer Max ist seit etwa 12 Jahren in seinem Beruf tätig. Eines Abends fährt er eine Staatsanwältin und bekommt nach einer netten Plauderei auch deren Nummer. Ein paar Augenblicke nachdem sie das Taxi verlassen hat, steigt ein Mann bei ihm ein der den Namen Vincent trägt. Nach einer 7-minütigen Fahrt bietet Vincent dem Taxifahrer Max für eine Summer von 600 Dollar an, ihn in dieser Nacht zu 5 Straßen zu fahren. Max reagiert anfangs zwar skeptisch, willigt schließlich aber ein. Als sich dann aber herausstellt, dass Vincent ein Profikiller ist der 5 Jobs zu erledigen hat, eskaliert die Situation.
"Collateral" ist ein Film mit vielen Seiten. Zum einen verfolgt der Film die ganze Zeit über den Konflikt zwischen Max und Vincent. Während Max ein normaler Durchschnittsbürger mit Träumen, Wünschen, Zielsetzungen und Moral ist, ist Vincent eher ein gefühlskalter, und fast schon zu realistischer Typ Mensch in dessen Auge ein Leben von Milliarden nichts besonderes ist. Immer wieder geraten die beiden Anschauungsweisen der beiden aneinander, mal mehr auf komödiantische Art und Weise, mal tiefgehend und wahr. Sowohl die Gestalt von Max und von Vincent wird kritisiert und indirekt auf den Zuschauer selbst gestrahlt - denn wieviele von uns hängen einem Wunsch oder Traum na, für den es "eines Tages zu spät ist"? Was ebenso deutlich wird, und in gewissem Maße den Charakter der beiden noch klarer macht, sind die verschiedenen Herkünfte der beiden Figuren. Max hat eine Mutter die stolz auf ihn ist, und wuchs offenbar in einem Umfeld auf in dem er sich wohl fühlte, man sich um ihn kümmerte und ihn ein gewisses Maß Liebe schenkte, was man gut daran erkennt das seine Mutter sich noch heute mit knapp 30 Jahren um ihn sorgt. Vincent hingegen gesteht in einem Gespräch selbst das sein Vater sich einst "totgesoffen" hat, zwar kennt man dadurch nicht die ganze Wahrheit seines Lebens, aber es würde durchaus erklären das er einst keine Bindung zu Menschen aufbauen konnte, und so als emotionsloser Mann durch's Leben schreitet der sich für niemanden interessiert und niemanden zu brauchen scheint. Doch erst als er auf Max trifft, begegnet ihm - zwar unter Überlebensdrang seitens von Max - ein Mensch der mit ihm direkt über seine Welt spricht, anzweifelt was er tut. Dieses neuartige Gefühl sorgt für eine Bindung zwischen Max und Vincent, zwar eine sehr schwache, aber immerhin überhaupt eine. Wenn man dies ganz weit spinnen will, kann man die Entwicklung von Vincent als Beispiel für den Verfall der Bindung heutzutage werten, denn Vincent zeigt was aus einer ganz intensiven Art der Bindungsstörung entstehen kann. Nicht unbedingt ein Killer, aber ein kalter, emotionsloser Mensch, ohne eine Art von Mitgefühl. Max auf der anderen Seite kann als das Gegenteil von Vincent angesehen werden, er steckt in der breiten Masse, hält sich an Norm und Moral und wird durch Vincents Ansichten anfangs verwirrt und zurückgedrängt, da er bislang nie über die Moral nachgedacht zu haben scheint. Sie wurde ihm "beigebracht", aber ihren wahren Sinn erkannte er nie. Eine wirklich freie persönliche Entfaltung, ein Nutzen von dem was er kann und ist passiert erst, als er sich völlig alleine gegen den Auftraggeber von Vincent behaupten muss - und dies erfolgreich. Die nachlaufenden Bilder zeigen nicht nur sein dazugewonnenes Selbstbewusstsein, sondern auch eine Entwicklung in ihm, der Schritt auf eine neue Erfahrungs- und Ansichtenstufe.
Ein Hauch von Kritik an der Gesellschaft liegt auch stark in der Luft, beispielsweise sichtbar an der Geschichte über den Toten der erst nachdem er sechs Stunden in der U-Bahn lag gefunden wurde, obwohl ständig neue Leute dazustiegen. Die Gesellschaft verkommt, außer einem selbst interessiert einen nichts mehr, das Leid anderer ist einem egal geworden, man kümmert sich nur noch um sich selbst. Dies sind die drei großen Kontraste die uns im Film begegnen, Vincent, Max, und L.A.. Vielleicht klingt dieses Gerede über Gesellschaftskritik für den ein oder anderen jetzt seltsam und man sagt sich "Es ist doch nur ein Thriller wie jeder andere, so ist das alles halt!", doch letztendlich sind doch die alltäglichen Dinge in Filmen die gesellschaftskritischsten von allen, zumindest heutzutage.
Tom Cruise gibt in dem Film einen fabelhaften "Vincent" ab, die Leichtigkeit des Tötens und die gegenüber der Moral schon spöttische Art wird von ihm auf fantastische Art und Weise dargestellt. Jede Bewegung, jedes Wort, und jede Mimik unterstützen sein Auftreten ohne abzuweichen, in meinen Augen eine perfekte Darbietung. Ebenso Jamie Foxx, der die Rolle besonders emotional rüberbringt. Nicht zu übertrieben, aber auch nicht zu untertrieben, genau richtig eben. Die Effekte wie die einzelnen Kamerafahrten (teils aus der Vogelperspektive), die vielen Lichter auf den vorbeisausenden Straßen, und die super gemachten Schießereien in den Clubs sind mitreißend gemacht und verleihen dem Film in Verbindung mit seinem ebenso stimmigen Score eine ganz besondere Atmosphäre die von Entspannung hin zur Anspannung fließend herüberwechselt.
Man kann letztendlich sagen, dass "Collateral" bisher der wohl spannendste und zeitgleich auch interessanteste Film des Jahres ist. Unbedingt einen Blick wert.

10/10

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