Review

ALIEN VS. NEGOTIATOR ???

-Alien vs. Predator, PG-13-Fassung in englischer Sprache-

Was macht Hollywood, wenn die Ideen ausgehen? Remakes, Sequels, Prequels, Rip- und Spin-Offs, Comic- und Spieleverfilmungen. Bei AvP treffen leider 4 (!) der soeben genannten Möglichkeiten gleichzeitig zu. PWSA parlierte bereits in diversen Interviews wirres Zeug, besonders, wenn es um Schnittfassungen ging. Im Interview des Making Ofs hat er aber eindeutig gelogen, denn wenn er wirklich so ein Riesenfan der Alienfilme wäre, hätte er nicht diesen stinkenden Müll abgeliefert.
A propos, es ist schon eine Leistung, AvP, ein Multi-Millionen-Dollar-Projekt, genauso wie Resident Evil 2: Apocalypse (bei dem PWSA als Produzent und Schreiberling agierte), dem man allerdings einen gewissen Unterhaltungs- und Fun-Trash-Faktor attestieren muss, zum (Edel- bzw. Blockbuster-) Trash-Movie zu transferieren. Schade, dass sich Lance Henriksen, den ich sehr schätze, dafür hergegeben hat. Und es gehört nicht nur (Hoch-)Mut, sondern auch Chuzpe dazu, die jahrelang lechzenden Fans der Spiele und Filme so vor den Kopf zu stoßen.
Kein Wunder, dass in Internet-Foren Tausende von Petitionen und Hass-Threads gegen PWSA und Fox erst wegen der angeblichen kurzfristigen Kürzung des Films vom R-Rating auf PG-13 (was von PWSA jedoch noch vehement dementiert wird), später wegen der Qualität des Films kursierten. Traumtänzer und Schaumschläger machten Hoffnung mit der Aussicht auf einen R- oder gar UNRATED-Cut auf DVD, den PWSA bisher, aber wohl nur bis nach dem erfolgreichen Verkauf+Verleih der PG-13 DVD, als nicht existent bezeichnet.
Aber in Bezug auf das Rating kann man Entwarnung geben, es ist nicht das schlimmste am Film! Allerdings kann ich kaum glauben, dass New Line Cinema wegen diesem Schrott Blade Trinity um 4 Monate verschoben hat (hieß es zumindest eine zeitlang).
„Story“: Der Satellit eines Multimilliardärs (Lance Henriksen) findet in der Antarktis eine Art Pyramide 2000 Fuß unter der Erde. Ein Team aus Forschern und Abenteurern begibt sich dorthin, wo sie ins Kreuzfeuer von Aliens und Predators treffen, die dort gegeneinander kämpfen.

SPOILER MÖGLICH
Die viel zu lange Einleitung steht im krassen Gegensatz zur Gesamtlänge des Films, der viel zu kurz geraten ist (nach 87 Minuten laufen bereits die Credits). Leider sind die Dialoge in Fünftklässlerenglisch gehalten (PG-13 ist in den USA eine Empfehlung, keine Freigabe, was bedeutet, dass Kinder aller Altersstufen mit elterlicher Erlaubnis diesen Film anschauen dürfen) und weder interessant noch unterhaltsam. Charaktere werden erst gar nicht eingeführt, da sie sowieso so schnell verschwinden, dass man keine Beziehung zu ihnen aufbaut. Selbst Sanaa Lathan, die als humane Protagonistin fungiert (was sich aber auch erst recht spät herauskristallisiert), mag optisch vielleicht punkten, aber ihr fehlen Charisma und Schneid früherer Predator- und Alien- Antagonisten. Der einzige gute Schauspieler in diesem Dilettantenensemble wird leider völlig unnötig und viel zu früh verheizt.

Die Projektilwaffen des Erkundungstrupps (Sturmgewehre, z.B. G36 und Pistolen, z.B. Desert Eagle) richten wenig gegen die gut gepanzerten Predators und die große Anzahl an Aliens aus, so dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sie ins Gras beißen, Spannung geht gegen Null. Neben den o.g. Schusswaffen kommen auch Hieb- und Stichwaffen (Klinge des Predators wurde stark verlängert), Speere und Explosivmittel (u.a. eine Art Atomexplosion) zum Einsatz. Allerdings beinhaltet der Film weit weniger Action, als man glauben mag. Spektakuläre Szenen sind rar gesät, die besten Szenen, wie das mittlerweile üblich ist, konnte man bereits in den zahlreichen Trailern und Teasern bestaunen. Vielleicht liegt es auch am recht bescheidenen Budget von ca. 45 Mio. US $ liegt (+20 Mio. US $ für Marketing), gefilmt wurde wie üblich im Ostblock.
Ein weiteres Manko ist die fehlende Story, der Film kommt einem teilweise noch viel stärker wie ein Computerspiel vor als z.B. van Helsing, wobei man wohl zugeben muss, dass der Stoff nicht ganz leicht zu verfilmen ist, aber wer eine Entscheidung trifft, muss mit den Konsequenzen leben.
Schnitt und Atmosphäre sind eine Katastrophe. Größtenteils spielt der Film im Dunkeln, was kombiniert mit schnellen Schnitten zu absoluter Verwirrung seitens des Zuschauers führt. Und dass in die (leider PG13-) Freigabe auch die Atmosphäre miteinfließt, merkt man hier stark, die Alien-Filme (alle Rated R, wie auch Predator 1+2) waren bei weitem düsterer, manchmal sogar grauenvoll, was bei AvP mitnichten der Fall ist. Dunkelheit + spannende Tonkulisse bedeuten noch lange keine düstere Atmosphäre.
Die Verunstaltung von Kultsprüchen wird bei Filmfans auch nicht unbedingt gerne gesehen und rührt ebenso vom Rating her.

AvP ist zwar nicht unbedingt ein Kinderfilm und auch nicht familienfreundlich, aber nahe dran. Trotz ein wenig Alien- / Predator-Gore und gelegentlicher Gewaltszenen bleibt AvP aber näher am STREICHELZOO als an der SCHLACHTBANK, womit wir beim nächsten Kritikpunkt wären. Die Predators wurden extrem gezähmt, von der brutalen unbarmherzigen Wildkatze zum heißesten Anwärter auf noch freie Zivildienststellen (nix gegen Zivis, aber wahre Männer waren beim Bund ;D Und die Königin der Xenomorphen wird als plumpes Monster dargestellt statt wie zuvor als raffiniertes Raubtier wie die anderen Aliens.

Aber es gibt tatsächlich auch Lichtblicke in AvP, so sind die Effekte, von denen es weniger gibt, als man glaubt (angeblich wurden 70% aller AvP-Szenen mit Masken und Figuren statt CGI gedreht), erste Sahne, leider gehen viele Fans nur ins Kino, um die beiden Kreaturen wieder zu sehen (was natürlich von Fox schamlos ausgenutzt wird, erinnert mich an Matrix 2+3). Der eins-gegen-eins Fight zwischen dem Alien und dem Predator ist auch klasse choreographiert, fetzig und recht spektakulär (hoher kick ass-Faktor), davon hätte man sich mehr gewünscht, ebenso können die Zeitlupensequenzen, hin und wieder eingestreut, überzeugen, ähnlich RE1.
Leider hängt möglicherweise von AvPs Erfolg ab, ob ein 5. Alien-Teil gedreht wird, wahrscheinlich bekamen wir deshalb einen so weichgespülten Mainstreamer vorgesetzt – es za(e)hlt eben nur die Masse!

Unterm Strich bleibt, PG-13, R-Rated oder Unrated hin oder her, ein unentschuldbares Debakel, böse Zungen behaupten sogar, die Zerstörung eines Mythos miterlebt zu haben und glauben, dass der Starttermin auf den 04.11. gelegt wurde, um die vernichtenden Reviews in der Nachrichtenlawine über die US-Wahl untergehen zu lassen.
AvP ist ein dummer Film für dumme Amis, die einen gefährlichen Fundamentalisten zum 2. Mal gewählt haben. Arme Welt, ob mit Bush, Aliens oder Predators...


Legende: AvP = Alien vs. Predator
PWSA = Paul W.S. Anderson

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