Peckinpahs Frühwerk aus dem Westerngenre ist einer der wenigen Werke, die den Übergang vom klassischen zum Spätwestern deutlich markieren.
Schon in John Sturges „The Magnificent Seven“ deutete sich ein philosophischer Umbruch an: die Revolverhelden sind müde, ständig auf der Flucht, kämpfen mit ihren Dämonen, ihre Zeit ist zuende.
Ähnliches fördert auch „Sacramento“ zutage, wenn auch weniger spektakulär.
Der Plot scheint nicht viel herzugeben, auf den ersten Blick. Ein alternder Ex-Sheriff (Joel McCrea) engagiert einen alten Partner (Randolph Scott) und einen jungen Draufgänger als Eskorte für einen Goldtransport zu einer Bank. Die Begleiter wollen das Gold lieber für sich, der Anführer Judd will lieber seine Ehre und sein Selbstwertgefühl endgültig zurückgewinnen. Aber natürlich kommt alles ganz anders, denn die Tochter eines bibeltreuen Farmers schließt sich ihnen an, weil sie im Goldsuchercamp heiraten will. Doch ihr Ehemann erweist sich als wenig besser als ein Tier, die Hochzeit ist eine Farce und als die alternden Freunde einschreiten, wissen sie, daß sie sich Ärger einhandeln. Von nun an haben sie Bräutigam samt Brüdern auf den Fersen und das Gold, viel weniger als gedacht, ist auch noch nicht wieder in der Bank.
„Sacramento“ handelt von der Desillusionierung des Westen, es ist keine Demontage, schaut aber genauer aufs Detail, als man meint. McCreas Judd war heruntergekommen und will jetzt alles, was er tut, für sein Selbstwertgefühl tun, sein Freund Gil greift er auf einem Jahrmarkt auf, wo er sich als Buffalo-Bill-Imitation großer nicht begangener Taten rühmt.
Der predigende Farmer, ein sonstiger Ort des Friedens, ist ein religiöser Fanatiker, die Goldsucher menschliche Schweine, die die Hochzeit im Hotel, d. h. im Bordell abhalten, mit einem komplett versoffenen Friedensrichter.
In der Hochzeitsnacht droht eine Vergewaltigung und schlußendlich gibt es noch den Griff nach dem Gold, der alte Partner zu entzweien droht.
Es ist nicht mehr derselbe Westen wie früher, er ist rauher und wenig ehrenhaft. Peckinpah läßt seine alternden Haudegen (tatsächlich war es Scotts letzter Film und auch McCrea drehte danach kaum noch etwas) viel über die Natur des Menschen philosophieren und darüber, daß sich die Zeiten geändert haben.
Erst am Schluß, als Scott das Pferd unter dem Sattel weggeschossen wird und McCrea schon einen Schuß in die Seite kassiert hat, versuchen sie es gottergeben mit den alten Methoden, plädieren auf Ehre und gehen zum Shootout, ohne Deckung. Auch das ist kein spannendes Ziehen, sondern ein verzweifeltes Aufeinanderzugehen und dauerhaftes Schießen, in der Hoffnung es zu überleben. Was auch nur einer schafft.
Peckinpah erfindet den Westen hier sicher nicht neu, aber er wirft einen Blick hinter die Kulissen, die bald schon nur noch Staffage sein würden. Neben dem stargespickten Edelwestern wurde bald die Situation der Indianer näher ins Bild gerückt und der Italo-Western stahl dem US-Western das Publikum. Auch John Waynes werden älter und sie sehen dann so aus – und Gary Cooper starb im selben Produktionsjahr.
Es erklingt zwar keine Totenglocke, aber es ist ein faltiges Gesicht, daß hier sein Haupt reckt und das macht diesen manchmal etwas zu sehr kalkuliert ruhigen Film so wertvoll. (7,5/10)