Die Koreaner haben einen Filmemacher in ihren Reihen, der sich ganz auf die Horrorsparte zu konzentrieren scheint. Nach seinem Debut "Nightmare" und dem guten Nachfolger "Phone" hat er nun sein drittes Werk "Bunshinsaba" in die Kinos gebracht. Waren die ersten zwei Filme noch mit Ha Ji-won besetzt, so greift besagter Filmemacher Ahn Byeong-ki bei "Bunshinsaba" auf nicht minder geeignete Actresses zurück.
Noch besser allerdings als die Besetzung, fällt hier die komplexe Story ins Gewicht. Asiatische Horrorstreifen sind ja dafür bekannt, durchaus erstzunehmende Plots zu haben und auch exotischere Themen zu verarbeiten. So spannt auch "Bunshinsaba" den Bogen vom reinen Slasher über den beschwörenden Geisterfilm bis hin zum sozialkritischen Rachethriller. Dabei bleibt der Film bei aller Komplexizität verständlich und nachvollziehbar.
Die Schülerin Lee Yu-jin ( gespielt von Lee Se-eun ) beschwört zu Beginn des Films mit zwei Freundinnen ein Ouija-Brett. Die drei werden massiv von den anderen Mädchen ihrer Klasse unterdrückt und wollen diese jetzt mit einem Fluch belegen. Auf diese Weise beschwören sie also den Geist der vor 30 Jahren schon an der Schule gewesenen Kim In-suk ( gespielt von Lee Yu-ri ) ; diese war damals zusammen mit ihrer Mutter als Fremde in das Dorf gekommen und auf ungeklärte aber tragische Weise ums Leben gekommen. Da Yu-jin während der Zeremonie die Augen nicht geschlossen hält, kann der Geist von In-suk in ihren Körper eindringen.
Wie anfangs von den Mädchen gewollt, beginnt nun eine unschöne und grausame Reihe von Morden bzw. Selbstmorden die Schule zu erschüttern. Schnell wird klar, dass in der Vergangenheit etwas Grausames im Dorf mit In-suk und ihrer Mutter passiert sein muss und ebenso schnell wird klar, dass diese Geschichte sich nun eine Generation später zu wiederholen droht. Wie allerdings passt die neu an die Schule gewechselte Lehrerin Lee Eun-ju ( gespielt von Kim Gyu-ri ) in dieses Puzzle und warum blos leben alle Kinder der Dorfbewohner immer noch hier und haben Angst es zu verlassen?
Welcher Fluch liegt wirklich über dem Dorf und wie konnte man sich so versündigen?
Ich deute den Plot und die Verschachtelung bewusst nur an, es gibt eine Reihe von Reviews die für meinen Geschmack zuviel vorwegnehmen. Der Film entwickelt sich langsam aber sicher zu einem intelligenten und sozialkritischen Horrorthriller mit Slasheranteil und diese Entwicklung kommt halt nur richtig rüber, wenn man nicht so viel weiss.
Was zu Beginn nach einer Allerweltsgeschichte ausschaut ist nach gut 30 Minuten abgearbeitet, dann nämlich sind die vier verfluchten Mädchen tot und die Aufarbeitung und Aufdeckung der Geschichte beginnt erst richtig. Hier wird geschickt das Medium Ho-kyeong ( gespielt von Choi Jeong-yun ) eingesetzt und diese zwei Szenen geraten mit zu den suggestivsten des gesamten Films.
Wie auch der gesamte Film sehr edel gefilmt ist ; es werden im Verlauf der Handlung Farbfilter eingesetzt und auch die Slasherszene zu Schluss ist fast schon kunstvoll in Szene gesetzt, allerdings wurde hier deutlich bei "Carrie" geklaut.
Die beiden Hauptdarstellerinnen spielen eindrücklich und gut, haben sie doch beide zwei sehr eindrückliche Werkzeuge in Form ihrer Augen zur Verfügung. Im Film selber wird mal gesagt dass einer der zwei fast die Augen aus dem Kopf quellen und das stimmt nachdrücklich. Diese Blicke sind furchteinflössend, unnötig zu sagen dass beide lange glatte schwarze Haare haben ; hier hätten aber die Augen alleine ausgereicht einen überzeugenden Geist abzugeben.
Die anderen Rollen sind solide aber unauffällig besetzt. Somit erfindet "Bunshinsaba" den Horrorfilm mit Sicherheit nicht neu, aber der Film ist ein gelungener Beitrag und er vermischt verschiedene Untergenres gekonnt miteinander. Mal Slasher, dann suggestiver Psychohorror und bei der Aufarbeitung der Vergangenheit bekommt man gar den Eindruck, einen mittelalterlichen Hexenfilm zu sehen. Also ich für meinen Teil fühlte mich gut unterhalten und hoffe Ahn Byeong-ki bleibt seiner Passion treu und bringt noch mehr dieser Filme in die Kinos.
Überdurchschnittliche 7 Punkte.