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Das Leben schreibt immer noch die besten Geschichten. [ Sprichwort ]
"Manchmal, nachts, wenn ich zurückdenke, sehe ich mich selber in einem alten Schwarzweißfilm. Warum er schwarzweiß ist, weiß ich nicht. Es ist kein guter Film, voller Sprünge, lückenhaft, eine Reihe schlecht ausgeleuchteter Sequenzen". [ Jake La Motta im Beginn seiner Autobiographie ]
„Es gibt viele Arten, die Wahrheit zu unterdrücken, und diese gehört zu den gemeinsten: Die Bilder sind bunt, die Rhetorik aber bleibt schwarzweiss, und die Inszenierung ist so subtil wie ein dialektischer Schulaufsatz" [ Claudius Seidl in seiner Rezensierung von Edward Zwicks Glory ]

Jede dieser Aussagen kann man zu mehreren Zeiten und in verschiedenen Zusammenhängen auch auf Yang Yun-hos Fighter in the Wind beziehen; würde ihm zwar damit in gesamter Betrachtung Unrecht tun, aber trotzdem wahre Punkte treffen. Der Film bemüht sich nämlich nicht, die dünne Linie zwischen Unterhaltung und Anspruch zu treffen und schwankt deswegen öfters unruhig hin und her.
Die Folge ist ein nur halbwegs gelungenes Actiondrama, dass ratifiziert die frühe Lebensgeschichte von Choi Baedal [ Yang Dong-kun ] erzählt; einem koreanischen Kämpfer, der sich einen Namen als Bezwinger von 270 Gegnern und als Gründer von Kyokushin Karate gemacht hat.
Die Kämpfe waren dabei sehr kurz, niemals länger als 3 Minuten; zumeist wurden sie mit einem Punch seinerseits entschieden.
Bereits 1975 wurde durch Baedal's Schüler Sonny Chiba in Karate Bullfighter ein Lebensabschnitt dargestellt; dort allerdings problemlos als straighter Actionflick mit Trash - Appeal.

Auch Fighter in the Wind arbeitet dabei mehr mit Klischees, die ganze Handlungsabfolge wird mythifiziert und überhöht; eine reale Darstellung weicht dem animierenden Entertainment. Nun ist das nicht unbedingt die schlechteste Erzählweise, um seine Botschaft an den Mann zu bringen; allerdings sollte man sich als Zuschauer nicht wundern, wenn einige Episoden leicht trivial - blasiert und andere recht überzogen herüberkommen. Kein Wunder, wenn man als Vorlage einen Manga nimmt.
Zudem startet der Film etwas schwerfällig, die ersten Jahre werden zu flink übersprungen, Baedal's anfänglicher Traum eines Piloten lässt ihn in einem japanischen Militärlager als Gefangenen enden. Ganze sechs Jahre sind binnen weniger Minuten zusammengefasst; Baedal hat zwar einen treuen Weggefährten gefunden, aber den Zuschauer bereits fast verloren.
Ändern will man dies mit dem Einbringen der persönlichen Nemesis; der Antagonist Kato [ Masaya Kato } schreitet als feindlicher Kommandant durch einen Bombenangriff auf Baedal zu, besiegt ihn mühelos und lässt ihn um sein Leben betteln.
Die erste Niederlage schwächt sein komplettes Selbstvertrauen und nimmt mitsamt dem gescheiterten Traum vom Fliegen jeglichen Mut.

Beides gewinnt er erst langsam und zögerlich zurück; wie seine Hauptfigur pendelt der Film anfangs ziel- und planlos durch die Gegend.
Baedal hat Angst. Angst zu kämpfen. Angst geschlagen zu werden und zu verlieren. Angst, als Krüppel zu enden.
Und er weiss nicht, wohin und wozu.
Die Nachkriegswirren und das aufgespaltene und immer noch besetzte Land bieten keinen Platz für Beständigkeit und Stabilität. Die neue Heimat ist ein täglicher Kampf ums Überleben, nicht nur finanziell als Metapher, sondern im wortwörtlichen gegen die verfeindeten Parteien. Links die Yakuza, die sich als Schutzgeldeintreiber und Räuber verdingen. Rechts die amerikanische Militärpolizei, die sich als einzige Gewinner des Krieges aufführen wie die Axt im Walde und sich vor allem an den fremdländischen Frauen schadlos halten.
Nun schwelgt man geradezu in plakativen, teilweise richtig xenophoben Darstellungen; eine wirklich interessante Relation von Koreanern und Japanern nach dem Kriegsende wird nicht aufgezeigt, sondern die vorherrschenden Ressentiments noch überzeichnet. Eine Annäherung ist von vornherein ausgeschlossen; das Duell Korea gegen Japan sowohl im Einzelfall als auch der Gesamtheit immer in der Vordergrund gestellt und zudem mit propagandistischen Mitteln angestachelt. Als Herausforderung auf Lebenszeit, um die Emotionen anzuschnüren.
Zudem ärgert die einseitige Darstellung von amerikanischen Soldaten als ständig betrunkene Fast - Vergewaltiger; selbst Jet Li's Born to Defend [ 1986 ] - wo das Skript ebenfalls mit Stein und Meissel geschrieben wurde - war weniger pauschalisierend grob.
Wirklichkeit und damit Glaubwürdigkeit also ausgeschlossen.

Als sein Lehrmeister Bumsoo [ Jeong Du-hong ] getötet wird, wird Baedal zum Eremiten und geht in die Wälder. Sein eisenhart asketisches Training besteht aus Steine spalten, mit Baumstämmen prügeln, barfuss Eisklettern und nackt im Schnee herumtanzen. Er muss stark werden, um sich selbst und andere zu beschützen. Der Kampf gegen die Natur ist eine Schlacht gegen sich selber; er lässt den Schmerz heraus, indem er seinen Körper peinigt. Dieser wird zum Panzer, der die Einflüsse von aussen abhalten kann und Baedal auch einen Ort zum Rückzug bietet.
„Ishi no ue ni san nen" - drei Jahre auf einem Felsen. Die Notwendigkeit, zu allen Zeiten den Geist der Ausdauer zu wahren.
Zurück in der Gesellschaft werden vor pittoresken Kulissen die japanischen Dojo's levelartig abgeklappert und nacheinander die Meister bezwungen, bis nur noch Kato übrig bleibt. Dieser stellt auch die Herausforderung, doch Baedal hat nach dem Tod eines Konkurrenten Schuldgefühle.
Vieles erstarrt dabei in Ruhe, fehlender Worte, Distanziertheit. Steife, marionettenhafte Bewegungen. Baedal erscheint als desorientierter und ausser in Kämpfen langsamst agierender Mann, der zudem ein kleines Problem mit seiner Sozialphobie haben dürfte und durch seine Unnahbarkeit und Reaktionslosigkeit auch gar nicht richtig als Identifikation fungieren kann.
Sein gefühltes Unvermögen zu Mitmenschen überträgt sich auf den Zuschauer.
Man beobachtet die Biographie nicht als greifbare Wahrheit, sondern als externe Legende. Als Symbol. Als oft pathetisch - hochtrabende Geschichte eines Volks-, ja Nationalhelden, der seine ständige Angst mit unbändigem Willen in Zaum hält und überwindet.

Getreu diesem Anliegen ist die technische Seite wie meist üblich für koreanische Produktionen fulminant. Der Rettungsanker des lauen Inhalts liegt in der Umsetzung; wobei dort nicht speziell der Regisseur angesprochen wird, sondern vor allem die Mitarbeiter von der Ausstattung, der Kameramann und Yang Dong-kun in der Titelrolle. Optisch wird die perfekte Umgebung für dieses prestigeträchtige Martial Arts Märchen geschaffen: Grosse, vielleicht etwas künstlich wirkende Sets. Beeindruckend weite Naturaufnahmen. Glasklare, detailreiche Einstellungen.
Die Actionszenen werden zahlreich und ebenso abwechslungsreich eingebunden; sind der Prämisse nach angenehm kurz, eher Momentaufnahmen statt richtig folgbarer Kämpfe. Teilweise werden zwischendurch Frames entfernt, um die Brachialität und Direktheit spürbarer zu machen; dann wird Zeitraffer eingelegt, um die Schnelligkeit herüberzubringen und in schwarzweissen Standbildern festgefroren, um die Wirkung der Schläge zu verdeutlichen. Tritte, Stöße und Kata transzendiert. Statt einem flüssigen Stil abgetrennte Szenenbilder; nicht jedermanns Sache, aber durchaus folgerichtig. Unpassend dabei ist nur der zeitweilige Einwurf von moderner Musik. Der bombastisch einleitende Fliegerangriff gehört in eine ganz andere Sorte Film.

Es wird einem also eine ebenso gute Show geboten, wie sie Baedal den anwesenden Reportern vorführt. Wenn man wie diese auch nur die Frage stellt, wer denn der nächste Gegner sei, kann man sich auch zur Genüge mitreissen lassen - wenn auch lange nicht so sehr wie bei Ronny Yus überwältigendem Fearless [ 2006 ], der ebenso frei mit den Fakten umgeht. Alles hinter der Oberfläche erfordert dann sowieso mehr Kritik.

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