Review

Wie steht es so schön im Begleitheft der Yesasia-Ausgabe dieses TV-Dramas ; das Jahr 2002 brachte für Südkoreas Jugend zwei bedeutende Ereignisse, die Fussballweltmeisterschaft und "Ruler of your own World". Da ist wohl was dran, erlangte dieses Drama doch in der Zielgruppe Kultstatus und wurden ihre beiden Hauptdarsteller zu gefragten Stars in Südkorea. Daneben war "Ruler of your own World" einfach ganz anders als alles was es vorher gab. Die Story war realistisch und "down to earth" und die Probleme nachvollziehbar und durchaus allgemeingültig. Es gab weder den Prinzen mit Geld noch die makellos hübsche Prinzessin, es gab einfach nur einen Jungen und ein Mädchen wie tausende andere auch und eine starke Liebe zwischen beiden ; manchmal reicht das um eine bewegende Geschichte zu erzählen.

Der Kleinganove Ko Bok-su ( gespielt von Yang Dong Geun ) wird aus dem Gefängnis entlassen und von seinem Vater Ko Joong-sup ( gespielt von Shin Goo ) schon erwartet. Er lebt allein mit seinem Vater, die Mutter Jung Yoo-soon ( gespielt von Yoon Yeo Jung ) hat die beiden wegen der Trunksucht ihres Mannes verlassen und betreibt jetzt eine Hühnerbraterei. Der Vater schlägt sich als Busfahrer durchs Leben und wohnt mit Bok-su in einem Armenviertel auf den Hügeln vor Seoul. Beide Elternteile wissen noch nicht einmal mehr den Wohnort des anderen und nur Bok-su besucht regelmässig seine Mutter. Obwohl sie ihn abweisend behandelt, hat er ihr das Geschäft finanziert und versorgt sie auch sonst stets mit Geld aus seiner dubiosen Einnahmequelle. Ko Bok-su ist Taschendieb und sein bevorzugtes Revier ist die U-Bahn Seoul´s ; dort macht er mit seinem Freund "Rookie" reiche Beute. Als Zuschauer merkt man allerdings schnell, dass Bok-su kein schlechter Mensch ist, sondern nur ein vernachlässigtes Kind darstellt. Besonders deutlich wird dies immer dann wenn der skrupellose Polizist Park Jung-dal ( gespielt von Kim Myung Kook ) ihn jagt und primär nur einsperren will, statt ihn auf den rechten Weg zu leiten.
Ko Bok-su hat natürlich auch eine Freundin ; die recht hübsche und nicht auf den Mund gefallene Song Mi-rae ( gespielt von Kong Hyo Jin ) hat ihn sich geschnappt und eigentlich ins Gefängnis gebracht. Sie mag ihn wirklich und ist sein ruhender Pol, eine stets loyale und besorgte junge Frau, die mit ihrer kleineren Schwester in einer Rooftop-Wohnung in Seoul lebt. Mi-rae ist Cheerleaderin und verdient so den Lebensunterhalt für sich und ihre schulpflichtige Schwester, sie weiss um die kriminellen Machenschaften von Bok-su, steht aber trotz ihrer Ablehnung im Gegensatz zu ihrer Schwester immer zu ihm. Mi-rae ist impulsiv und scheint oftmals sehr hart und rauh zu sein ; dies täuscht aber nicht über ihren absolut verletzlichen und weichen Kern hinweg.

Auf der anderen Seite lernen wir dann Jun Kyung ( gespielt von Lee Na Young ) kennen. Sie lebt inmitten einer scheinbar intakten Familie. Ihr Vater Jun Nak-kwan ( gespielt von Jo Kyung Hwan ) besitzt ein Hotel in der Stadt und kommt als tyrannisches Familienoberhaupt rüber. Ermöglichte er doch Jun Kyung eine klassische Musikausbildung, so kommt er nun überhaupt nicht mit der Rebellion seiner Tochter zurecht. Diese spielt als Keyboarderin in einer Independant-Rockband und verschwendet für ihn sowohl Zeit als auch Talent. Finanzielle Unterstützung erfährt sie durch ihn überhaupt nicht und auch die familiäre Wärme hält sich oft in Grenzen.
Der Vater zieht ihr ihren Bruder Jun Kang ( gespielt von Lee Se Chang ) offen vor ; dieser betreibt mit nicht immer legalen Mitteln einen Gebrauchtwagenhandel und seine Frau wird im Haus ihrer Schwiegereltern praktisch als Dienstmagd missbraucht.
Schnell wird klar dass die Mutter Kang In-ok ( gespielt von Lee Hye Sook ) zwischen allen Stühlen sitzt und die Familie in Wahrheit nicht so harmonisch ist wie sie gern sein möchte.

In dieser Situation erkrankt die Sängerin der Band plötzlich und unerwartet und man braucht dringend Geld für eine Operation. Da niemand anderes hilfreich ist, beschliesst die Band das eigene Geld ( für die Plattenveröffentlichung eingeplant ) zu verwenden und Jun Kyung hebt die gesamte Summe vom Konto ab. Auf ihrem Weg zurück trifft sie zuerst in einem Plattenladen zufällig auf den Musikjournalisten Han Dong-jin ( gespielt von Lee Dong Gun ) und wird durch einen dummen Zufall zur unfreiwillig neuen Besitzerin seines Hundewelpen. Daneben trifft sie an der Bushaltestelle neben der U-Bahnstation auf Ko Bok-su ; dieser hatte sie beobachtet und stiehlt nun zielsicher das Geld ; dabei entläuft auch der Hundewelpe.
Somit sind nun alle Kontakte geknüpft und die eigentlich Story kann beginnen. Der Journalist sucht seinen Hund und versucht ständig an Jun Kyung heranzukommen ; die Sängerin verstirbt und Jun Kyung hat keine Ahnung wo das Geld geblieben ist ; Ko Bok-su verliebt sich langsam aber sicher trotz seiner Freundin Mi-rae in Jun Kyung doch wie kann diese Liebe bei seiner Schuld funktionieren?

Um es ganz kurz zu machen, "Ruler of your own World" ist ein typisches Jugenddrama mit enger Zielgruppe. Dieses Drama ist vollkommen auf die junge Generation zugeschnitten die alles will, blos nicht so werden wie die eigenen Eltern. Daneben gibt es eine vollkommen neue Storyline, es gibt keine makellos hübschen Schauspieler in einer Cinderellastory sondern eine realistische und vollkommen natürliche Geschichte und Problembeschreibung von zeitgenössischen jungen Leuten. Das führte zu einer langsam aber stetig wachsenden Fangemeinde unter der jungen Generation und zu einem hohen Identifikationspotential mit den Charakteren. Für alle nicht Koreaner bietet "Ruler of your own World" eine wunderbare Möglichkeit sich dem Land und der Kultur auf angenehme Weise aus dem Fernsehsessel zu nähern ; man erfährt eine Menge über die Lebensweise und Denkweise der Menschen. Man lernt das "echte" Leben der Mehrheit in Seoul kennen, daneben sei auf die Sequenzen in einer Stuntschule hingewiesen, die interessante Einblicke in die Machart von Martial Arts-Stunts gibt.
Natürlich fehlen die Zutaten für ein TV-Drama nicht vollständig, sie sind nur wohldosiert. Die Krankheit des Monats findet sich ebenso wie der Fight zweier Frauen um den gleichen Mann, die zerbrechende Familie wird ebenso beleuchtet wie die Flucht zweier Liebenden. Wenn überhaupt jemand dem üblichen Klischee des TV-Dramas entspricht, so ist das Han Dong-jin und nicht umsonst kommt er uns bis zum Schluss stets wie ein Fremdkörper vor.
Die schauspielerischen Leistungen sind bei den beiden Hauptpersonen erstaunlich authentisch, beide kommen ehrlich und schnörkellos rüber und haben nicht nur einmal den Mut zur Normalität bzw. zur Hässlichkeit ; dies ist gerade für eine südkoreanische Schauspielerin recht ungewöhnlich, weil gerade die Frauen dort stets auf ihre Schönheit bedacht sind. Auch die Musik kommt von jungen Leuten, die drei Bandmitglieder neben Jun Kyung spielen sich praktisch selber und auch hier findet sich somit hohes Identifikationspotential.
Abschliessend kann man also sagen, "Ruler of your own World" ist ein realistisches Drama für eine jugendliche Zielgruppe mit toller Story und guten Akteuren. Leider gehöre ich persönlich dieser Zielgruppe nicht mehr an, somit hatte ich oftmals arge Probleme mit der Identifikation. Am Ende muss ich gar behaupten dass mich die zwei nur manchmal richtig berührten und oftmals leider recht kalt liessen. Allerdings konnte ich am Ende diesen einen Satz im Abspann dann doch mit einem Lächeln lesen ; es heisst dort "Thank you for sharing your hearts with us" und plötzlich war ich traurig dass die 20 Folgen schon vorbei waren... am Schluss also doch noch sentimental geworden.
Überdurchschnittliche 6 Punkte.

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