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Dario Argento, Meister des italienischen Horrors, ist bekannt für seine bildgewaltigen Visionen rund um Grauen und Greuel. Mit "Phenomena" drehte er einen (für seine Verhältnisse) recht zahmen, aber visuell absolut beeindruckenden Fantasythriller mit abgefahrener Story und schön-trashiger Goblin-Mucke.

Argento besetzte die junge Jennifer Connelly für die Rolle der jungen Amerikanerin Jennifer Corvino, Insektenliebhaberin und Schauspieler-Tochter, die er zuvor in Sergio Leones "Es war einmal in Amerika" gesehen hatte. Jennifer Corvino kommt in ein Schweizer Internat, in einer Gegend, in der kurz zuvor eine dänische Touristin tot aufgefunden worden ist - beziehungsweise: Der von Insekten befallene, abgetrennte Schädel einer dänischen Touristin wurde gefunden. Allerdings schreckt dies Jennifer weniger ab, als die Tatsache, das sie auf dem Internat als Außenseiterin behandelt wird. Der Insektologe McGregor (der Dr. Loomis aus den "Halloween"-Filmen: Donald Pleasence) bittet Jennifer um Hilfe, als immer mehr Morde im Umfeld des Internats geschehen, und jedes Mal wieder Insekten eine Rolle spielen...

Mit soghaften, fantastischen Kamerafahrten und dem unheilvollen Score erschuf der Horrorguru einen durch subtile Stilmittel und total irreale Szenen angereicherten Klassiker des Giallo-Horrors. Es gibt so viele Szenen, an die man sich erinnern kann: Die hell angeleuchtete Jennifer mit wehendem Haar, während im Hintergrund die Insektenschar das Internat befällt. Oder die berüchtigte Pool-Szene, die wohl ekeligste Sequenz im ganzen Film. Oder man denke an den virtuosen ersten Mord mit der in Zeitlupe gefilmten Enthauptung - hier wird Splatter zur Kunst!

Gleichzeitig sollte Argento aber auch sein großes, persönliches Werk werden. Jeder wußte damals schon, dass sich Argento unter "persönlich" etwas anderes vorstellt, als der Zuschauer. Er verarbeitete Alpträume aus der Kindheit (Argento war auch auf einem elitären Internat) und auch die Alpträume aus seiner am Ende stehenden Ehe mit Daria Niccolodi, der er eine bitterböse Rolle gab.

Für die Leute, die sich bereits mit dem ungewöhnlichen Regiestil von Argento angefordert haben, wird "Phenomena" ein wahrer Augenschmauß. Für Neueinsteiger sollte ich eher Filme wie "Profondo Rosso" oder "Tenebrae" empfehlen, da auch in "Phenomena" Verweise auf die beiden großen Argento-Meisterwerke gemacht werden.

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