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Vor allem durch sein unumstrittenes Meisterwerk "Suspiria", war Dario Argento (Tenebrae, Profondo Rosso) in der Filmwelt mittlerweile eine echte Größe, die dank der Lehrzeit unter Mario Bava einen besonderen Stil entwickelt hatte. "Phenomena" gehört dabei auch zu seinen besten Werken, das Drehbuch schrieb Argento zusammen mit Franco Ferrini (Sleepless, Aura - Trauma). Jedoch ist seine neunte Regiearbeit nicht dem italienischen Untergenre Giallo zu zuordnen, manchmal geht "Phenomena" schon fast in Richtung Slasher.

Jennifer Corvino (Jennifer Connelly) steht im Schatten ihres Vaters, der ein berühmter Schauspieler ist. Nun wird sie in ein Züricher Internat verlegt, welches sehr abgeschieden in den Bergen liegt. Doch dort geht gerade ein brutaler Mörder um, den Inspector Rudolf Geiger (Patrick Bauchau) mit Hilfe des Entomologen John McGregor (Donald Pleasence) zu schnappen versucht. Nachdem ihre Zimmergenossin ermordet wurde, findet Jennifer einen Handschuh des Killers, an dem sich eine spezielle Madensorte befindet und durch ihre übersinnliche Fähigkeit mit Insekten zu kommunizieren, ist sie dem Killer schnell auf der Fährte. Doch dadurch bringt sie sich in Lebensgefahr, Jennifer versucht schnellstens Zürich zu verlassen, denn plötzlich findet man McGregor ermordet auf.

Die Abgeschiedenheit, ein geheimnisvoller Killer und eine besondere Tierart, welche zur Lösung des Rätsels beiträgt, das sind typische Elemente eines Argento-Films die auch hier zum Tragen kommen. Zu Beginn der obligatorische Mord, hier erwischt es eine dänische Schülerin, die ihren Bus verpasst hat. Natürlich verläuft dieser wieder äusserst brutal und zaubert beim Zuschauer eine Gänsehaut, denn Argento lässt auch hier eine atmosphärische Vorbereitung nicht vermissen zu den abermals brillanten Klängen von Goblin. Dennoch nimmt sich "Phenomena" für einige Szenen zuviel Zeit, die Laufzeit von knapp zwei Stunden ist schon ein Wort. So sehen wir wie die Tochter eines Promis bei ihren Mitschülerinnen aneckt und besonders wir ihre Schlafwandelei zum Problem wird. Doch so kommt sie mit Prof. McGregor in Verbindung, der sie über ihr spezielles Verhältnis zu Insekten aufklärt. Durch ihre Gefühle kann Jennifer ganze Insektenschwärme herbeirufen, was ihr noch ziemlich nützlich wird. Doch Argento reizt diese übersinnliche Fähigkeit nicht aus, das hätte "Phenomena" auch eher geschadet. Der Killer mordet derweil fleissig weiter, mit einem großen Speer, den er blutigst durch seine Opfer treibt. Zwischendurch fühlt man sich in einen Slasher versetzt, denn der schwarz bekleidete Mörder darf öfter zuschlagen. Das unheimlich wirkende Internat liegt abgelegen, mit dem Föhn und starken Gewittern verstärkt Argento die bedrohliche Wirkung noch.

Gerade bei den Nachtszenen lehrt "Phenomena" sogar dem Genrefan das Fürchten, wobei richtige Ermittlungen gar nicht geführt werden. Durch ein Glühwürmchen findet Jennifer den schwarzen Handschuh des Killers, welcher die Larven der großen "Sarcophagus" enthält. In Kombination mit ihren besonderen Fähigkeiten kommt Jennifer dem Mörder so auf die Spur, wobei Überraschungen leider ausbleiben. Auch fehlt dem Zuschauer ein richtiger Täterkreis, um mitzurätseln. Daher vermag die finale Auflösung nicht ganz zu überzeugen, desweiteren mangelt es an einem plausiblen Motiv. Doch Argento kontert mit Atmosphäre und einigen Spannungsspitzen, denn das Finale hat es wirklich in sich. Dabei gefällt der Score nicht durchgängig, gerade die Heavy Metal Einlagen von Iron Maiden oder Motorhead passen nicht immer zum Geschehen.
Doch seine Darsteller hat Argento wirklich im Griff, besonders die erst 15 jährige Jennifer Connelly (Blood Diamond, Hulk) in ihrer ersten Hauptrolle legt ein beeindruckendes Schauspiel an den Tag, auch Donald Pleasence (Halloween, Die Fürsten der Finsternis) vermag zu überzeugen.

Zwar ist "Phenomena" etwas zu lang geraten und storytechnisch nicht gerade ein Kracher, aber trotzdem eine spannende Angelegenheit die mit guten Darstellern punktet. Argento kreiert hier abermals eine spezielle Gänsehaut-Atmosphäre, garniert mit einigen blutigen Morden. Kein Meisterwerk, aber ein suspensehaltiger Horrorthriller, sauber in Szene gesetzt.

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