Review

Phenomena (1985)

Spoiler dabei

Phenomena konnte man bisher durchaus als meinen Lieblings-Argento bezeichnen. Jahre zogen ins Land und nun war es mal wieder soweit, erneute Sichtung stand an.
100% packend ist das Ganze nicht mehr, auch bei weitem nicht immer schlüssig oder logisch und die Spannung wird immer mal wieder durch einige schwache und langatmig wirkende Szenen unterbrochen. Knappe 2 Stunden Spielzeit waren dann doch zu viel des Guten. "Fliegenflüsterin" Jennifer Corvino (Jennifer Connelly) kommt im schweizer Internat für Mädchen an, ihrem neuen "Zuhause", gerade jetzt wo doch ein Mädchenmörder die Gegend unsicher macht. Der berollstuhlte Entymologe Professor McGregor (Donald Pleasance), der anhand von Fliegenlarven den Todeszeitpunkt von Mordopfern herausfinden kann, nebst seiner "affigen" Assistentin Inge spielen beide routiniert und zufriedenstellend, ersterer sicher durchaus sogar unterfordert, da gibt es deutlich bessere Filme.
Daria Nicolodi ist ebenso, wie so oft bei Argento-Filmen, wieder an Board, diesmal als psychopathische Dame mit entstelltem Sohnemann und der ermittelnde Inspektor Rudolf Geiger wird von Patrick Bauchau gespielt, der z.B. in der Columbo-Folge "Selbstbildnis eines Mörders" mitwirkte. In schauspielerischer Hinsicht gibt es also nichts zu bemängeln. Dazu kommen "Musik-Stücke" von z.B. Iron Maiden und Motorhead, welche ich zwar generell gut finde, die aber leider komplett deplatziert wirken und sich hier und da weigern wirklich gut zum Geschehen zu passen. Für mich wurden diese Szenen zudem, im ansonsten eher (alp)traumsequenzigen und märchenhaften Gesamtfilm, zu sehr auf Action geprügelt und wirken teils sehr abrupt stilbrüchig. Einige grafisch und blutig inszenierte Morde gibt der Film natürlich auch her und die Idee mit den Fliegen und dem "Rasiermesseraffen" ist auch insgesamt eine feine Sache. Die Story allein ist dennoch maximal nur guter Durchschnitt, aber wir sind ja in einem Argento-Film!

Und wenn dieser Mann eines kann dann ist das "inszenieren"!

Dazu tolle Landschaften, düstere Wälder, mehr als gelungene Kamerafahrten, gruselige Häuser, spürbare Bedrohung, Suspense, Farbenspielereien und das Sahnehäubchen natürlich wieder einmal:

Claudio Simonetti und die "Goblin-Götter" ("Argento's Hausband")!

Was einem da an Akustischem um die Ohren gehauen wird ist einfach kaum zu toppen! Allein die Anfangssequenz, die ersten Synthieklänge und fetten Gitarrenriffs wabern eindrucksvoll durch die im Wind wogenden Baumwipfel, mehr Suspense geht kaum!

Was für eine unfassbare Stimmung! Die Schnitte zwischen dem in der schweizer Pampa "vergessenen" und sich hilfesuchend dem "Horror-Haus" nähernden Mädchen und dem "Etwas" das im Haus versucht Metallketten aus der Wand zu reissen an die "Es" offensichtlich gefesselt ist ....

Die Bedrohung kriecht einem langsam aber unaufhaltsam den Nacken hoch, packt einen am Genick und läßt nicht mehr los. Man spürt quasi wie das Unbehagen in jede Faser des Körpers eindringt, sowas kann nicht jeder, aber wer das fast in Perfektion beherrscht:

Dario Argento!

Auch wenn mich der Film, storytechnisch nicht mehr in voller Gänze auf seine Seite ziehen kann und zwischen Märchen, Slasher, Thriller und Fantasy wild hin und herpendelt, bleiben für mich unter'm Strich Szenen die ich nie vergessen werde, ein Filmopening das seinesgleichen sucht und eine Stimmung die, wenn auch leider nicht über die volle Filmdistanz, top ist. Bizarre, visuell und akustisch zumindest in weiten Teilen beeindruckende:

8 von 10

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