Review

Besprechung enthält Spoiler. Zur Besprechung lag das NL-VHS von RCV vor.

Die kleine Ellie kommt ins Waisenhaus, nachdem ihre Mama, von einem Mörder mit einem Hammer vom Leben in den Tod befördert wurde. Das Waisenhaus entpuppt sich aber als Ort des Grauens. Ein sadistisches Ehepaar herrscht hier mit strenger Hand und Mitteln zur Bestrafung, welche jedes Jugendamt in den Wahnsinn treiben würde. Nach und nach terminiert das Ehepaar die Insassen und bewahrt diese in Leichentüchern im Kühlraum auf. Ellie steigt hinter diese schrecklichen Machenschaften und versucht aus dem Waisenhaus abzuhauen. Doch sie hat die Rechnung ohne Mister und Miss Sado gemacht.
In Fankreisen wird um diesen Film manchmal etwas viel Trubel veranstaltet. Sicher ein Grund dafür ist die Überaus positive Bewertung durch Frank Trebbin in seinem Lexikon „Die Angst sitzt neben dir II“. Verdient hat der Film das gar nicht. Die öfters angebrachten Vergleiche zum drei Jahre später entstandenen TCM hinken auf jeden Fall. Denn weder kann „Blood and Lace“ durch eine besonders kranke Schlachthausatmosphäre auffallen, noch gibt es „extrem blutrünstige Morde“ (Trebbin) zu sehen. Im Gegenteil, der Film ist eher ein seichter Thriller mit leicht angedeuteten Sadistischen Tendenzen, die aber nie völlig ausgespielt werden. Hier gibt es auch keine beklemmende Atmosphäre oder großartige Spannungsbögen. Dazu ist der Film besonders in den ersten 60 Minuten zu geschwätzig. Zwar bringen die Dialoge den Film voran und erklären so einiges, dabei bleibt aber die Spannung völlig auf der Strecke.
Nach heutigen Maßstäben würde einer Veröffentlichung in Deutschland des Filmes nichts im Wege stehen. Mit etwas Glück könnte er sogar mit einer FSK 16 Bewertungen davon kommen und im TV gezeigt werden. Denn nichts, rein gar nichts, was den bisherigen Ruf des Filmes ausmacht, findet man im Film selber.
Und damit kommen wir zum Film, wie ich ihn wirklich gesehen habe. Darstellerisch ist de Sache sehr solide umgesetzt. Die Schauspieler, von den Kindern, über die Twens bis hin zu den Erwachsenen machen ihre Sache wirklich sehr gut und wissen zu überzeugen. Dabei wird weder überagiert noch hölzern durch die Gegend gestakst. Die Palette der gezeigten Gefühle im Film, von deprimiert bis tief erschrocken, von erwartungsvoll bis von Angst zerfressen werden dem Zuschauer glaubhaft herüber gebracht. Und das ist auch das, was den Film vor dem Absturz ins untere Mittelmaß rettet. Er kann überzeugen, auch wenn dabei kleine Längen zu überstehen sind. Die Umsetzung ist Atmosphärisch gelungen, was sich jetzt sicher mit dem oben geschriebenen widerspricht, aber da sollte auch widerlegt werden, dass dieser Film nicht der Sicko ist, für welchen er gehalten wird. Denn im Rahmen dessen, was der Film wirklich ist, ist er schon sehr gelungen. Man spürt sehr wohl die Abkapselung des Waisenhauses durch das Ehepaar gegenüber der Umwelt. Die Protagonisten wirken eingeschüchtert und verängstigt. Und man merkt ihnen auch die verpasste Gehirnwäsche an.
Auch das sadistische Ehepaar weiß zu überzeugen. Sie ist herrisch und dominant, er steht unter ihrer Fuchtel und kriecht und führt die Kommandos seiner Frau gehorsam aus. Ohne zu hinterfragen oder an seinen Taten zu zweifeln. Er ist ihr Werkzeug und sie das Gehirn dazu. Und dass sie skrupellos ist, zeigt sich am Ende des Films, als sie selbst ihrem sterbenden Ehemann noch den letzten Todesstoß verpasst, in dem sie ihn in den Kühlraum zu den anderen Getöteten zieht.
Am Ende weiß „Blood and Lace“ sogar noch mit einer gelungenen Wendung zu begeistern, die aber nicht verraten werden soll.
Was bleibt, ist ein zwar durchschnittlicher, aber überzeugender Genrebeitrag für Freunde leicht sadistischer Thriller mit Horrortouch.

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