Review

Unter normalen Umständen hätte ich mir den Film „der VIII. Grad“ von Robert Block wohl nie angesehen, schließlich bin ich schon allgemein nicht unbedingt ein Fan des deutschen Films (geschweige denn einheimischer Amateurproduktionen), doch da ich mit einer der Hauptdarstellerinnen (Katharina Apelt) gemeinsam zur Schule gegangen bin, habe ich diesem in Hamburg angesiedelten Thriller doch mal eine Chance gegeben…

Der Film eröffnet mit dem Forensiker Marc Pazura (Robert Kowalewski), der sich abends mit seiner Freundin in einer Disco trifft, wo er jedoch von seiner Ex ins Hinterzimmer gelockt und unter Drogen gesetzt wird, so dass beide übereinander herfallen und wilden Sex auf der Couch haben – natürlich erwischt ihn seine Freundin dabei, es kommt zum Streit, die Beziehung zerbricht…
Am nächsten Tag muss Marc für seinen Arbeitgeber, dem „EKA“ (Europäisches Kriminalamt), einen Mordfall untersuchen. Da er für eine „hochmoderne Spezialeinheit“ arbeitet, stattet ihn sein Kollege Patrick (Martin Scholz) mit zwei neuen High-Tech-Geräten aus und begleitet die Untersuchung per PC vom Hauptquartier aus. Marc muss sich nun mit dem örtlichen Hauptkommissar Backenbrecht (Matthias Bullach) herumärgern, der natürlich über den Eingriff in seine Zuständigkeit verärgert ist – außerdem ist dessen Tochter vor einigen Jahren bei einem Polizeieinsatz ums Leben gekommen, an dem auch Marc beteiligt war…
Das junge Model Christin (Katharina Apelt) wurde auf grausame Weise ermordet – aufgefunden hat man sie, von zahlreichen Verbrennungen und Wunden entstellt, kopfüber hängend in ihrem Studio. Um den Fall möglichst intensiv bearbeiten zu können, schließt sich Marc nun einige Tage lang mit der Leiche ein – er stellt seine Untersuchungen an und lässt sich häuslich nieder (schläft auf der Couch, die Kaffeemaschine ist auch praktisch…), ohne die Leiche je abzunehmen oder zuzudecken (wie gut, dass es an dieser Leiche (auch nach einiger Zeit) scheinbar keine Insekten oder Geruchsentwicklung gibt).
Als auch noch ein ominöser Pfarrer ins Spiel kommt und ihm ein spielendes Kind „Sie ist tot, aber sie ist noch da“ zuflüstert, werden die Ereignisse zunehmend bizarrer: In Visionen scheint Christin immer wieder aufzutauchen, es werden Zettel mit vom Killer geschriebenen Versen entdeckt, welche auf einen Ritualmord hindeuten, und als Marc am Ende „Es ist noch Leben in ihr!“ feststellen muss, wird noch einmal eine (fast) unvorhersehbare und total abstruse Wendung eingeleitet…

Das Hauptproblem vom „achten Grad“ ist, dass Regisseur Block absolut kein Gespür für Atmosphäre, Timing, Tempo oder Spannungsaufbau besitzt. Zudem verzettelt sich der Film ständig in (scheinbaren) Belanglosigkeiten, denen das Ende zwar noch eine gewisse Bedeutung zugesteht, doch das macht das durchlebte Ärgernis der Zeit zuvor auch nicht ungeschehen. Ein Fehler auch, dass sich das Werk viel zu ernst nimmt – so besteht nicht einmal ansatzweise die Chance, einen gewissen Charme zu erzeugen, selbst wenn dieser nur von trashiger Art wäre.
Ein interessanter Killer kann ja bekanntlich oftmals noch etwas retten, doch als jener hier auftaucht und sich „der Inquisitor“ nennt, spricht die Figur des Patrick im Film genau meinen Gedankengang aus: „Wie billig ist das denn?!“ Interessante Mörder mit schwarzen Kapuzen und Umhängen gibt es ja einige (siehe „Saw“ oder „die purpurnen Flüsse 2“), dieser Vertreter wirkt jedoch einfach nur albern.
Am Ende bekommt der tapfere Zuschauer schließlich noch eine Wendung mitsamt „Aha-Effekt“ präsentiert, die gar nicht mal so übel ist und die insgesamt beste Szene darstellt, doch die beiden anschließenden Cliffhanger (jip, einer davon mal wieder in der Psychiatrie) drängen alles wiederum in Richtung Peinlichkeit…

Okay, ich verstehe ja, dass man in einer derartigen Low-Budget-Produktion kein Geld hat, um alles aufzuzeigen (obwohl die wenigen F/X gar nicht mal so schlecht waren), aber die ständigen Selbstgespräche von Marc nerven auf Dauer nicht unerheblich – schließlich sagt er so ziemlich alles auf, was er denn tut, auch wenn es nur „Enter“ am PC eingeben ist.
Das geringe Budget ließ es wohl auch nicht zu, wirklich gute Attrappen von High-Tech-Geräten herzustellen, doch jene als „ultramodern“ angepriesenen Exemplare wirken neben den realen Mitteln des „C.S.I.“ wie aus der Steinzeit. Ach ja, und die Jacken und Mützen mit dem „EKA“-Aufdruck (nach amerikanischem „FBI“-Vorbild) hätte man weglassen sollen – superbillig, aber für einige unbeabsichtigte Lacher gut…
Die Dialoge sind ohnehin (unfreiwillig) zum Schmunzeln komisch und bieten Klischees zuhauf: Beim Anblick der Leiche heißt es natürlich Bedeutungsvoll mit gewichteter Betonung „Oh, mein Gott!“, man bekommt Geistesblitze wie „Wir haben es hier mit einem wirklich (!) Irren zutun!“ geboten, innere Monologe wie „Was geht hier vor? Du bist tot – aber es ist so real!“ oder „Es ist so, als wäre noch Leben in Dir, und Du würdest um Hilfe schreien – das ist Wahnsinn, völlig irrational!“ werden ohne mit der Wimper zu zucken auf den Zuschauer losgelassen, und außerdem nervt Patrick mit seinem ständigen „Ich check das mal aus…“!

Die beteiligten Schauspieler übertreffen sich gegenseitig mit lächerlichen Auftritten und präsentieren sich größtenteils als hölzerne sowie talentfreie Vertreter ihrer Zunft. Auch auf die Gefahr hin, aus o.g. Gründen voreingenommen zu wirken: Meiner Meinung nach kommt Katharina Apelt von allen Beteiligten noch am besten weg – schließlich muss sie einfach nur schön und/oder tot aussehen, ohne einer einzigen Zeile Text.

Story und Darsteller sind also schwach, es gibt miese Dialoge, die Inszenierung ist steril und langweilig, Klischees und Logikfehler überbieten sich gegenseitig, es gibt „großartige“ Aussagen wie „Bei einem Polizeieinsatz wurde eine junge Geisel erschossen … die Verantwortlichen geben eine Computerpanne (?!?) als Ursache an“, doch auch wenn sich das nun alles witzig anhört, ist der Film trotzdem weit davon entfernt, so schlecht zu sein, dass er schon wieder Spaß macht – nein, er ist einfach nur misslungen, und das in so ziemlich allen Belangen = glatte 1 von 10 !!!

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