Review

Einige italienische Regisseure sind während ihrer Karriere sprichwörtlich über Leichen gegangen und bis irgendwann ein verschärftes Tierschutzgesetz in Kraft trat, konnten Leute wie Deodato oder Lenzi massenweise Tiere vor laufenden Kameras abschlachten lassen.
Franco Prosperis Streifen schlägt in eine ähnliche Kerbe, denn einerseits ist es völlig ungewöhnlich, in einer nächtlichen Großstadt wilde Tiere umherstreifen zu sehen, auf der anderen Seite muss man sich aber auch fragen, ob er das ohne Einsatz von Gewalt hinbekam, wenn er an anderer Stelle Ratten mit Flammenwerfern töten lässt.

Insofern breitet sich über die komplette Laufzeit ein leicht bitterer Beigeschmack aus, auch wenn definitiv ein paar ungewöhnliche Szenen haften bleiben.
Das Geschehen spielt in einer nordeuropäischen Hauptstadt, offenbar Frankfurt, wie sich später herauskristallisiert. Im hiesigen Zoo gelangte eine größere Menge PCP (Phencyclidin, oder auch „Angel Dust“) ins Trinkwasser, was aus den Tieren aggressive Bestien macht.
Sie entfliehen den Gehegen und machen die Stadt unsicher, während ein Team um Wissenschaftler Berner und Reporterin Laura nach einer Lösung sucht.

Ein gewisser Zwiespalt durchzieht den Streifen in vielerlei Hinsicht. Warum beispielsweise muss die zwölfjährige Tochter der Heldin erst einige Minuten in Unterwäsche herumlaufen, bevor sie zum Tanzkurs abgeholt wird, - völlig unnötig.
Oder später, als die Tiere bereits einige Passanten in der Stadt gerissen haben, fallen Kojote und Löwe über eine Schlachtherde, bestehend aus Rindern, Schweinen und Pferden her, woraufhin die Herden in die Stadt strömen. Das ergibt zwar einige Panik-Szenen mehr, aber auch mehr unnötiges Blutvergießen.

Der eigentliche Tierhorror wurde hingegen phasenweise recht gekonnt in Szene gesetzt. So verfolgt ein Gepard innerhalb einer irrwitzigen Szene einen VW-Käfer, Elefanten führen auf der Landebahn des Flughafens zu einer Bruchlandung und ein Tiger terrorisiert die Fahrgäste einer Straßenbahn. Zwischenzeitlich werden einige Leute attackiert und zerfleischt und auch ein Eisbär treibt final noch sein Unwesen.
Viele dieser Szenen weisen eine Menge Drive und gleichermaßen Atmosphäre auf, etwa, als ein Tiger in Zeitlupe zum Sprung ansetzt oder gleich mehrere Raubkatzen ihre Wärter anfallen, nur leider sorgt die unzureichende Beleuchtung der Sets, vielleicht, um die Tiere nicht zu sehr abzulenken, für stets gebremsten Spaß.

Die Story an sich bietet hingegen nur dünne Ansätze, vor allem Erklärungsansätze.
Mit den Figuren wird man nur leidlich warm, weil allesamt furchtbar mies agieren und Figurenzeichnungen ohnehin unter den Tisch fallen. Günstig ist hingegen die Vielzahl der verschiedenen Schauplätze, was für passable Abwechslung sorgt. Ob Tanzschule für Kinder, Flughafen, Geschäfte der Innenstadt, diverse Tunnel oder Kaffee, es ist ständig Bewegung im Spiel, zumal einige Autos kollidieren, sich überschlagen oder gar explodieren.
Nur weiß man am Ende weder, wie genau die Chemikalie ins Wasser gelangte, noch ob schließlich alle Tiere wieder eingefangen werden können. Immerhin bleibt noch ein kleiner Plot Twist, dem ein weitaus weniger bitterer Beigeschmack anhaftet.

Denn auch wenn es sich um waschechten Tierhorror in einem ausgewogenem Mix handelt, ist es fraglich, wie man drei Elefanten Seite an Seite durch eine Stadt treiben konnte, dass sich eine Katze in eine Brut von Ratten traut und Löwen im Käfig völlig verrückt spielen.
Schauwerte sind dadurch klar vorhanden und können durch keine CGI der Welt ersetzt werden, doch an einigen Stellen wird die Freude doch sichtlich getrübt, wenn man sich Gedanken über Hintergründe einiger Szenen macht.
Ein denkwürdiger, kontroverser, aber irgendwie auch kurzweiliger Beitrag des Genres.
Knapp
6 von 10

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