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In einem Frankfurter Zoo brechen die Tiere aus ihren Käfigen aus, um, wild geworden und wie tollwütig, die Stadt unsicher zu machen. Doch nicht nur die zahmen Zoobewohner, es wirkt fast als würden alle Tiere plötzlich Amok laufen und sich gegen ihre Herren wenden. Zwei Zoologen gehen der Sache auf den Grund…

Franco Prosperi, Regisseur von MONDO CANE, MONDO CANDIDO und AFRICA ADDIO, inszeniert in WILD BEASTS die Rache der Natur, indem er gezähmte Bestien mit der Droge PCP verseuchtem Grundwasser füttert. Das sollte man freilich nicht machen, gell. Das Besondere an diesem italienischen Tierhorror ist nicht nur das Sammelsurium an Viechern: Hier erkämpfen sich Tiger, Löwen, Elefanten, Rinder, Ratten, Hyänen, ein Eisbär und sogar ein Hund namens Barko die Krone der Evolution zurück. Nein, das wirklich Besondere ist, dass die Viecher tatsächlich alle echt sind, also nix Computer animiert oder kleiner Japaner im Affenkostüm. Es wirkt also, als hätte sich Regisseur Prosperi tatsächlich ein paar Wildtiere aus dem Zoo ausgeliehen und diese durch die Frankfurter Innenstadt, U-Bahn-Stationen und Einkaufsmeilen gehetzt – das übrigens die deutsche Stadt, die hier als Schauplatz dient. Die Attacken der Bestien sind geschickt geschnitten und fallen sogar ansehnlich blutig aus. Was recht bedrohlich mit einem Rattenangriff auf ein in einem PKW schmusendes Liebespärchen beginnt, ufert leider in ziemlich lachhaften Sleaze aus, in dem ein Gepard einen VW-Käfer jagt. Jaja, ein Gepard kann bis zu 112 km/h schnell laufen, ist ja schön und gut. Aber würde er wirklich einer kreischenden Frau in einem Kleinwagen nachhetzen, wenn er auf PCP ist – ich weiß ja nicht so recht.

„Hey, sieh dir das an! Die ist nicht verrückt, die wird von Cheeta gejagt!“

Zu den durchaus beeindruckenden Aufnahmen von Raubtieren in der unmittelbaren Nähe zu Menschen gesellt sich leider ein im italienischen Horrorfilm der 80er-Jahren recht häufig verwendetes Stilmittel: Tier-Snuff. So müssen wir mit ansehen, wie echte Ratten mit dem Flammenwerfer malträtiert, Löwen mit halbierten Pferdeköpfen gefüttert werden und wie eine Katze von einer Übermacht an Nagetieren zerfleischt wird. Letztere Szene lässt tatsächlich Erinnerungen an den Folterfilm MEN BEHIND THE SUN wach werden. Das vermittelt zwar eine gewisse Authentizität, hätte aber echt nicht sein müssen.
Unterm Strich bietet einem WILD BEASTS angenehm authentisches Tierhorror-Feeling, leider aber ohne die bedrückende Bedrohlichkeit eines WEIßEN HAI, was man bei Italo-Horror aus den 80ern aber irgendwie hätte ahnen können. Was bleibt ist minder überzeugende Zivilisationskritik – „Werft keine Drogen ins Trinkwasser! – Okay, machen wir nicht. Versprochen!“ – und echte Zootiere im Blutrausch.

„Da haben wir’s mal wieder! Wir verbrauchen viel zu viel Energie! 60 Millionen Staubsauger, Kühlschränke und Fernsehgeräte und jeder glaubt, es werde immer so sein. Jeder steckt nur den Stecker in die Steckdose und kümmert sich einen Scheißdreck um alles andere!“
– Ausruf einer Dame als in der U-Bahn der Strom ausfällt

Fazit:
Mutter Natur schlägt zurück! Leider mehr Sleaze als packender Horror. Trotzdem ganz ansehnlich.
Die deutsche DVD von „Camera Obscura“ liefert eine schmucke Veröffentlichung des Films plus einem Booklet, das die Geschichte des Tierhorrors überaus treffen zusammenfasst.

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