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Der Reiz von Kurzfilmen liegt häufig in der Würze der Kürze und dem Plot Twist, auf den die Handlung fast immer unweigerlich zusteuert.
So etwas kann man auch gut und gerne in rund dreizehn Minuten verpacken und mit zweieinhalb Figuren besetzen, wenn das Konzept stimmig ist und die Darsteller auf glaubhafte Weise mitspielen.
Regisseur Ivar Leon Menger ist all dies gelungen, doch tatsächlich hätte das Kammerspiel gerne ein wenig länger andauern dürfen.

Wir befinden uns auf einer abgelegenen nächtlichen Straße. Student Tobias (Fabian Busch) steuert den Jaguar seines Vaters, als im Radio eine Warnmeldung ertönt, keinen Tramper mitzunehmen, da ein gewalttätiger Psychopath aus einer Anstalt entlaufen sei.
Doch auf dem Beifahrersitz hockt bereits ein Fremder (Justus von Dohnanyi), der aufgrund seiner blutverschmierten Hände behauptet, ein Reh angefahren zu haben…

In den folgenden Minuten konzentriert man sich voll auf den Dialog zwischen den beiden Protagonisten. Der Fahrer zeigt sich dabei zurückhaltend und dient als Stichwortgeber des Beifahrers, der seinerseits recht forsch auftritt, leicht provoziert und den jungen Fahrer zeitweilig aus der Reserve zu locken versucht.
Es verdichten sich die Hinweise, dass mit dem etwa vierzigjährigen Mann etwas nicht stimmen kann, denn er scheint sich in Widersprüche zu verstricken.

Dabei kommt die nächtliche Atmosphäre gut zur Geltung, die aus dem Radio ertönende Klassik begleitet stimmungsvoll aber zurückhaltend im Hintergrund, während man regelmäßig Außenperspektiven einblendet.
Besonders während der Dialogpassagen punkten Schnitt und Kamera, die Belichtung ist effektiv abgestimmt und die blasse Farbgebung fügt sich gut ins Gesamtbild.

Lediglich zu Beginn wirken die Dialoge ein wenig steif, werden aber lebendiger, je näher man dem Twist rückt. Fabian Busch überzeugt dabei mit seiner Zurückhaltung, der er dennoch leichte Nuancen verleihen kann, während von Dohnanyi zuweilen etwas übers Ziel hinaus schießt, insgesamt jedoch eine glaubhafte Steuerung des Geschehens einnimmt.
Die beiden erfahrenen Mimen tragen deutlich zum Gelingen des Streifens bei.

Ob die finale Wendung unter Bezugnahme des zu Beginn eingeblendeten Zitats von Brecht („Das Schicksal des Menschen ist der Mensch“) nun sonderlich spektakulär ausfällt, sei dahin gestellt, - wenn lediglich drei Personen mitwirken, bleiben letztlich nicht viele Möglichkeiten offen.
Gelungen ist demgegenüber die kaltschnäuzige Art, jenen Twist zu servieren und mit einem toll komponierten Schlussbild zu punkten, womit dieser Streifen eindeutig sein Ziel erreicht hat: Mindestens noch einmal sehen und auf kleine Hinweise am Rande achten.

Fazit:
Gelungener deutscher Kurzfilm, der klar Lust auf den ersten Langfilm des Regisseurs Menger macht. Nicht blutig oder gar reißerisch, sondern atmosphärisch, spannend und dicht inszeniert,
durchaus empfehlenswert.
7,5 von 10

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