Bonnie (Kim Richards), die Tochter von Mike (Richard Crenna) und Betty Barry (Yvette Mimieux), ist am Boden zerstört. Eben wurde Skipper, ihr geliebter Hund, auf der Straße überfahren. Verständlich, daß ihr da nicht nach Feiern zumute ist und daß sogar ihr zehnter Geburtstag kurzfristig abgesagt wird. Abgang Skipper, Auftritt Lucky. Wie es der "Zufall" so will, hält vor dem Haus der Barrys ein breit grinsender Lebensmittelverkäufer, der "zufällig" auch ein paar süße Welpen im Kofferraum hat und diese fröhlich verschenkt. Bonnie ist überglücklich und mit dem niedlichen Ding sofort ein Herz und eine Seele. Nur die mexikanische Haushälterin Maria (Tina Menard) spürt, daß mit dem neuen Hund etwas Böses ins Haus gekommen ist, aber da sie bei einem tragischen "Unfall" verbrennt, sind ihre Warnungen bald vergessen. Ein Jahr später. Bonnie und ihr Bruder Charlie (Ike Eisenmann) sind seltsam verändert, und bald bekommt der Köter auch Betty in seine Gewalt (sie wandelt sich von der braven Hausfrau zur lasziven Schlampe). Lediglich Mike ist gegen den Hund, der versucht, auch ihm seinen Willen aufzudrängen, immun. Doch nicht nur das bösartige, kalte Verhalten seiner Familie macht Mike schwer zu schaffen, auch mysteriöse "Unfälle" sorgen für zunehmende Beunruhigung. Als sein Freund Miles (Ken Kercheval) in blinder Panik auf die Straße rennt und vor Mikes Augen von einem Auto überfahren wird, während Lucky in der Nähe hockt und alles beobachtet, entschließt er sich endlich, der Sache auf den Grund zu gehen.
Die Filmgeschichte ist reich an bösen Hunden. Mit Devil Dog: The Hound of Hell liefert Regisseur Curtis Harrington seinen Beitrag zu dieser Untergattung des Tierhorrorfilms ab. Der Film ist nicht schlecht, krankt aber am einfallslosen und überraschungsarmen Drehbuch von Steven und Elinor Karpf, welches sich recht dreist an das Handlungsgerüst von Richard Donners Klassiker The Omen anlehnt. Anstelle des Antichristen nistet sich hier halt ein Höllenhund im Schoß einer netten Familie ein. Und wer sich ihm entgegenstellt, hat nichts zu lachen. Wenn man mit dieser Geschichte auch nur ein klein wenig vertraut ist, dann weiß man, wie der Hase - oder in diesem Fall eben der Höllenhund - läuft. (*) Zwischendurch offenbart sich der Köter ein paar Mal in seiner wahren Gestalt, und in diesen Momenten kippt der Streifen ins Trashige, da das Biest, aus heutiger Sicht, nicht sonderlich furchteinflößend erscheint. Eher ist da schon verhaltenes Schmunzeln angesagt. Am Ende kommt es zur großen (und etwas enttäuschenden) Konfrontation zwischen Mike und dem Höllenhund, bevor der Film schließlich, mit einer nachdenklichen Note versehen, endet. Devil Dog: The Hound of Hell ist bestimmt kein großer Wurf, aber dank Harringtons souveräner Regie bietet er immerhin solide Unterhaltung auf TV-Seifenopern-Niveau und ist für alle Tierhorrorfreunde zumindest einen Blick wert. Obwohl ich nicht verschweigen möchte, daß dem episodenhaften Streifen im letzten Drittel leider ziemlich die Puste ausgeht.
Womit Devil Dog: The Hound of Hell punktet, ist die starke Besetzung. Als Familienoberhaupt Mike, welcher sich der Bedrohung (viel zu spät!) entgegen stellt, agiert der stets verläßliche Richard Crenna (Colonel Samuel Trautman in der Rambo-Saga), während seine Frau Betty von der groß aufspielenden und umwerfend aussehenden Yvette Mimieux (The Time Machine) verkörpert wird. Ike Eisenmann (Star Trek: The Wrath of Khan) gibt den Sohnemann Charlie, und die Tochter des Hauses spielt Kim Richards, welche zwei Jahre zuvor in John Carpenters Assault on Precinct 13 zur falschen Zeit und am falschen Ort ein Eis gekauft hat. In prägnanten Nebenrollen sind unter anderem Ken Kercheval (unvergessen als Cliff Barnes in Dallas), R.G. Armstrong (Children of the Corn) sowie Martine Beswick (Dr. Jekyll & Sister Hyde) als Chefsatanistin zu sehen. Weniger gelungen ist das Casting von Lucky, dem Höllenhund, der meist mit heraushängender Zunge in der Gegend hockt und aussieht, als könne er kein Wässerchen trüben. Da hilft es auch kaum etwas, daß die Macher seine Augen hin und wieder bedrohlich funkeln lassen. Der Schäferhund ist einfach viel zu süß, um als Bösewicht zu taugen. Außerdem wird die ganze Chose, so abstrus sie bisweilen auch ist, mit heiligem Ernst zelebriert, wodurch sich hin und wieder die unfreiwillige Komik in den Vordergrund drängt. Und Mike sieht dem bösen Treiben einfach viel zu lange tatenlos zu; da kann man nur verständnislos den Kopf schütteln. All das macht Devil Dog: The Hound of Hell nicht zum aufregenden Schocker, sondern zum leidlich amüsanten Durchschnitts-Schlocker.
(*) Apropos laufen: Es gibt da eine schöne, atmosphärische Szene, in der der Hund in Zeitlupe des Nachts eine menschenleere Straße entlangjagt. Das hat eine surreale Gruselqualität ähnlich den in Slow-Motion galoppierenden "Reitenden Leichen".