Review
von Leimbacher-Mario
Bestie Mensch
Kampfhunde - selbst wenn die schreckliche, traurige und unvorstellbare Meldung besagt, dass er einem kleinen Kind das Gesicht zerfetzt hat, schwangen bei mir nie Hass und Angst vor dem eigentlichen Tier mit, sondern immer fast ausschließlich auf die Halter und „Macher“ solcher „Bestien“. Denn, und davon bin ich mittlerweile wirklich felsenfest von überzeugt, es wird kein Lebewesen böse und aggressiv geboren, Hunde noch viel weniger als Menschen. Und Samuel Fullers thematisch und philosophisch ambitionierter, emotional niederschmetternder, viel zu wenig gewürdigter Zweite-Reihe-Klassiker „White Dog“ nimmt genau zu diesem Thema Stellung, bezieht es auf den Rassismus in Amerika, ein unübersehbar und leider noch immer hochaktuelles Thema. Handlung: eine Schauspielerin findet eines Abends auf einer abgelegenen Straße in Beverly Hills einen verletzen, weißen Schäferhund, den sie aufpäppelt und der sich zu ihr freundlich und dankbar zeigt. Doch dann muss sie schnell seine gefährliche und höchst aggressive Seite kennenlernen - da ihn sein ekelhafter Vorbesitzer scheinbar von klein auf darauf abgerichtet hat, schwarze Menschen anzugreifen und zu zerfleischen...
„White Dog“ ist eine starke Metapher und bissiges Statement zum amerikanischen Rassismus und zur menschlichen Grausamkeit und Ruchlosigkeit, die kaum austreibbar erscheinen. Sam Fuller hat noch nie ein Blatt vor den Mund bzw. seine Filme gelegt - und „White Dog“, aus dem Herbst seiner Karriere, ist da keine Ausnahme. Viel eher gesellschaftliche Parabel und Porträt als zweiter „Cujo“. Ein unglaublich potentere und klarer Film, der Angst macht, aber noch viel mehr Wut und Traurigkeit und Unverständnis in sich trägt und ausstrahlt. Besonders für Tierliebhaber und Leute mit ausgeprägtem Sinn für Gerechtigkeit, Frieden und Gleichheit ist dieser tierische Thriller ein echter Schlag in die Magengrube. Ennio Morricones sensibler Score setzt eine eindringliche Krone auf, der Hund „spielt“ fantastisch und fletscht die Zähne einmalig in der Filmhistorie. Allein der Ausdruck des Hundeerziehers, wenn er am Ende doch noch den Abzug drücken muss, ist unvergesslich. Der ganze Film ist das in der Tat. Ein bitteres Armutszeugnis für uns Menschen, die solch ein schönes Geschöpf für unsere niedersten, dümmsten Ziele missbrauchen und seelisch verstümmeln. Selten hat ein Film klarer herausgestellt, wie sehr uns Tiere voraus sind, wie falsch unsere Annahme ist, dass, nur weil wir einen hohen IQ haben können, wir überlegen sind oder gar alles dürfen!
Fazit: ein cleverer Rassismus-Klassiker - sehr emotional, direkt und nachwirkend! Alles andere als nur ein weiterer „Tierhorrorfilm“.