Der unbekannte Regisseur Danny Steinmann schuf das dreckige 80er Jahre Kleinod "Savage Streets". Nur Kenner des Horrors dürfte er aus "Freitag der 13. - Ein neuer Anfang" bekannt sein, auch sein Regiedebüt "The Unseen" ist nicht von schlechten Eltern. Steinmann brachte es nur auf drei Regiearbeiten, welcher auch selbst produzierte und auch das Screenplay dazu lieferte. "Savage Streets" ist trotz der Kinoauswertung gänzlich unbekannt und musste für die damalige Videoauswertung sehr starkt gekürzt werden.
Die Schülerin Brenda (Linda Blair) und ihre taubstumme Schwester Heather (Linnea Quigley) sind unzertrennlich. Als sie der brutalen Gang "Scars" das Auto klauen, weil Diese fast heather überfahren hatten, will sich das fiese Oberhaupt Jake (Robert Dryer) an den Girls rächen. Sie vergewaltigen kurz darauf die wehrlose Heather. Überhaupt hat es Jake nun auf Brendas Bande abgesehen, denn nach einer Prügelei ermordert er auch noch Brendas beste Freundin. Für Brenda ist nun der Ofen aus, die Polizei rührt keinen Finger. Mit Messer und Pfeil und Bogen macht sich Brenda im Alleingang auf die Jagd nach den Scars.
Auch wenn der Film wie eine billige Soap beginnt, ist er nicht zu unterschätzen. Der Plot allgemein ist zwar nur auf Rache ausgelegt, das Lieblingsthema der 80er Jahre, aber gerade die Nebenstory um den armen Vinnie (Im O-Ton heißt er Billy) macht die Sache sehr interessant. Denn es wird gezeigt, wie leicht man in den Pfuhl aus Gewalt und Drogen hineingezogen wird. Vinnie wird nur gezwungen bei Jake und seinen beiden Lakaien mitzumachen. "Savage Streets" geht sehr intensiv auf die Charaktere und auch deren Gefühle ein, wir haben hier kein pures Gewaltkino, erst in der letzten halben Stunde darf Brenda ihren Rachefeldzug beginnen, doch vorher hat der Zuschauer Gelegenheit die Scars richtig hassen zu lernen. Diese fahren den ganzen Tag durch die Strassen, nehmen Drogen, trinken massenweise Alkohol, pöbeln und machen hilflose Frauen an. Da muss man Robert Dryer wirklich ein Lob aussprechen, er verkörpert den schmierigen Jake. Wirklich eine ultrafiese Performance, die er hier hinlegt. Der Zuschauer wünscht ihm einfach den Tod, spätestens als er Brendas Freundin von der Brücke schmeisst.
Linda Blair mimt das harte Girl sehr überzeugend, nur ihre Heulanfälle nach Heathers Vergewaltigung wirken für mich zu gekünstelt. Linnea Quigley als Heather macht einen tollen Job und John Vernon als Rektor der Schule, kommt eher wie ein Sidekick daher. Man nehme nur mal dieses Dialogschmankerl als Jake zum Rektor sagt:" Aber unsere Schwänze brennen" und Dieser tough darauf antwortet:" Dann fick einen Eisberg", eigentlich doof, aber man kann nichts anderes tun als lachen.
Aber ansonsten hat man hier nichts zu lachen, ab und an ist das Gerede untereinander zu pubertär. Es fallen doch Dutzende von Schimpfwörtern. Steinmann inszeniert, ausser dem zu behäbigen Anfang, ohne Durststrecken und im Finale wird es richtig spannend. Das hat es auch in sich, wenn Brenda in einem alten Lagerhaus Heathers Peinigern einige Fallen gestellt hat. Hier gibt es dann auch Härten zu begutachten, wie Pfeil durch den Hals in Nahaufnahme, Kopf in der Bärenfalle und der Oberfiesling verbrennt bei lebendigem Leib, erweist sich jedoch vorher als äusserst hartnäckig. Was Steinmann noch gut gelungen ist, ist die Atmosphäre. Die dreckige Großstadt bietet keinerlei schöne Bilder und kommt gewollt monoton daher. Der Score bietet rockige 80er Jahre Songs.
Erwartet habe ich an sich nicht viel, aber Steinmann hat mich "Savage Streets" doch positiv überrascht. Es ist kein tumber Gewaltfilm, obwohl einige Szenen schon ganz schön heftig sind. Auf gute Darsteller kann man sich freuen und auf lückenlose Unterhaltung über 90 Minuten.