Review

Ey Mann, wo ist mein Haarspray?

Ja Freunde, manchmal dauert es etwas länger, bis einem die Wellen einen Schatz an den Strand spülen, aber schlussendlich hab ich dann doch noch eine ungekürzte Kopie des Gang’n’Revenge-Thrillers „Savage Streets“ ausgebuddelt. Es gibt ja Trailer, die sind so gestylt, so 80er und so feinporig großspurig, dass man ganz unruhig in seiner Rezensentenbox wird und mit den Hufen scharrt.

Natürlich gibt es für diesen Film nur zwei Wörtchen zum Anfüttern: Linda Blair.
Unser ergötzliches Teenagerpummelchen aus dem „Exorzist“ war nach allerlei Auf und Ab in Drama, Rollschuhlaufen und Horror in den 70ern in den 80ern dann beim stabilen B-Film angekommen und dort setzte sich das bewährte Auf und Ab – das ihrer aus dem Ausschnitt hervorstechenden Oberweite – dann fort.
Das soll die tapfere Darstellerin nicht herabsetzen, Blair war immer fleißig, wenn es ums Arbeiten, die Fürsorge und die Rettung der Tierwelt ging, aber da sie sich zu jeden flotten Zeit der Stirnbänder und schrillen Outfits durchaus auch mal durch die Nase gezogen haben soll, als sie mit Rick James bestimmt nicht nur Golfen war, war die Hemmschwelle gering, die natürlichen Vorzüge ggf auch vor der Kamera in denkwürdiger Form zu produzieren, sei es nun mehrfach im Frauengefängnis oder auch hier beim Jazzdance oder einfach mal in der Badewanne.

„Savage Streets“ ist jetzt nichts für das akademische Klientel, der Film hat in etwa die Fallhöhe einer zuklappenden Mausefalle und ist/war deswegen höchst effektiv. Da ja in den Frühachtzigern die Männer- und Frauengangs reihenweise durch das heruntergekommene oder vom Atomschlag getroffene New York zogen, während gleichzeitig Filme wie „Grease“ dem Auftoupieren mal zeigten, wo Bartel den Most holt, war es ein Leichtes, beides hier rückblickend geschmacklos zu kombinieren.

Der Plot in seliger Einfachheit: Brenda (Blair) ist ein wildes Mädchen und wilde Mädchen haben eine Gang, vor allem wenn man selbst nicht zu den privilegierten Blondbitches gehört, die Cheerleading machen dürfen. Also haben sie eine große Fresse und ziehen durch die Stadt.
Leider hat Jake auch ne Gang und die besteht aus vier angepunkten Tunichtguten, die nicht so recht wahrnehmen, wie psychopathisch sie eigentlich wirklich sind. Als Brenda und Co die Jungs verarschen und ihr Auto klauen, wird es heikel. Erst machen die Herren sich über Brendas taubstumme Schwester Heather her und vergewaltigen sie, anschließend dreht Jake noch durch und schmeißt das hochzeitsbereite Gangmitglied Francine von einer Brücke. Als das an Brendas Ohren dringt, kauft sie sich ne Armbrust und ein paar lustige Bärenfallen, um aufzuräumen…

Ja, das war es dann auch schon an Plot und wem das alles etwas dürftig für 92 Minuten vorkommt, der hat recht. Das freundliche Regie-Paar lässt sich Zeit, schwelgt in kreischigen Mädelsposen und Hunk-Geseier, schwenkt gemütlich über reichlich nackte Mädels unter der Dusche und zettelt Bitchfights an. Zwischendurch wird dann aber immer ausgiebig gesabbelt, was es um so unangenehmer macht, als die Herren Delinquenten der noch sehr jungen Linnea Quigley ausgiebig an die Wäsche und dann noch sehr viel tiefer gehen – nichts, was man wirklich gern sieht. Eine wirklich abstoßend wirkende Vernichtung einer jungen Unschuld, ohne auf spekulative Details zu setzen (bis auf den nackten Oberkörper). Danach gibt es dann Trauer und allerlei Hochzeitsvorbereitungen, bis Jake einen neuen Höhepunkt Marke Wrestling setzt und einen auf Kurgan macht, während Francine über die Brüstung geht. Daraufhin darf Linda ausgiebigst traurig und nachdenklich vor sich hinschauen (darunter ein endloser Rückwärtszoom, während sie ihre liebsten „Assets“ in der Badewanne dekorativ präsentiert), bis es nach über einer Stunde Laufzeit dann endlich zu einer Reaktion kommt.

So erklärt sich dann schon die mittelprächtige Wertung, denn mit etwas mehr Plot, mehr Fieslingen oder zumindest mehr Tiefe hätte sich aus „Savage Streets“ ein schöner Exploiter hätte basteln lassen, der aus allen Türritzen dampft, aber Steinmann und DeSimone lassen die Maschine immer wieder leer laufen. Dabei bieten die Damen für Freunde der aufwändig festgeschweißten Zwei-Stunden-Pornofrisuren zum tiefen Ausschnitt wirklich ausreichend Qualitäten, aber irgendwie muss man ja auch noch das Drama vom Ausmaß einer EastofWestside-Story darin unterbringen, inclusive James-Dean-Reminiszensen an schnieke Schul-Rebellen.

Die Revenge zum Rape kommt also ganz am Schluss und da geht der Film dann auch wieder in die Vollen, wobei es schon beachtlich ist, die Kämpferin gegen den Endgegner wieder in die Dauerdefensive zu schicken, aber Robert Dryer ist auch ein hinreißend widerliches Arschloch.

Wie gesagt, der Film will beides sein, ein Street-Drama und gleichzeitig eine Mopsparade mit Gewaltspitzen und beides zusammen hebt sich gegenseitig ein wenig auf. Nicht zuletzt, wenn eine brachiale Beschallung mit härtesten Klischee-Rockriffs (John Farnham!!!) dauerhaft den Reiz verbreitet, man müsste seine Hair-Metal-Sammlung mal wieder aus dem Keller holen.
„Savage Streets“ hat wunderbare Augenblicke und Blair und Co hängen sich richtig rein und das macht den Film so quietschvergnügt ehrlich im Absurden, ohne zur Gänze platt zu werden. Darüber hinaus sind die Production Values zu geschmackssicher geschmacklos inszeniert, dass man kaum seine Augen davon abwenden kann.
Ein klein wenig mehr Tempo und ich hätte einen neuen Silk-Trash-Lieblingsfilm gehabt, aber ich freu mich auch so über 6,5/10.

Details
Ähnliche Filme