Review

Nach dem kreativen und finanziellen Desaster mit "Apocalypse Now" ist Francis Ford Coppola als Regisseur nie wieder richtig auf die Beine gekommen, auch wenn ihm hier und da noch ein guter Film gelungen ist (Outsiders, Rumble Fish, Dracula), überwiegen doch die teueren Flops beträchtlich.
Auch Peggy Sue schleppt den Makel einer gut gemeinten, aber überproduzierten Literaturverfilmung mit sich herum, die nur dank ihrer hervorragenden Besetzung nicht völlig in Vergessenheit geraten ist.

Auf dem Papier liest sich das Sujet der (komatösen) Zeitreise in die 60er Jahre zurück, um dort die Zukunft zu ändern, die sich nicht gerade als angenehm bewährt hat, sicher sehr interessant. Im fertigen Film jedoch versanden die Ideen relativ schnell, wenn der Ausgangsgedanke erst einmal etabliert ist.

Im Zentrum steht unsere Zeitspringerin Peggy Sue, die mit ihrem Mann und ehemaligen Schulschwarm Charlie eben nicht mehr zufrieden ist und deswegen ihre Fühler auch noch in zwei andere Richtungen ausstreckt, zu einem Beatnik-Rebellen und einem IQ-Nerd. Doch anstatt hier in Gewissensnöte zu kommen, beeinflußt sie zwar deren Lebens- und Laufbahn, doch in amurösen Nöte kommt sie nur mit Charlie, den sie mal will, mal nicht, mal ändern will, mal nicht. Der, und das ist die größte inhaltliche Schwäche, kraucht ihr ehrerbietig hinterher, um ihr als moderner junger Mann seine Reife und seine Fähigkeiten zu beweisen und keiner versteht, wo das Problem mit diesem handzahmen Musiker ist.

Tatsächlich scheint auch nach ihrem Erwachen kein wirklicher Grund erkennbar, was Charlie denn nun falsch gemacht hat über all die Jahre, er wirkt so knuddelig wie eh und je. Also nur die Träume über verflossene Träume einer frustrierten Ehefrau? Wohl kaum. Denn der Film jongliert ständig mit der Frage nach der Abänderbarkeit der Zukunft, tritt jedoch immer damit auf der Stelle und findet letztendlich auch keine Antwort auf die Frage.

So bleibt das Ganze lediglich ein amüsanter Ausflug in die Golden Sixties, die in all ihrer Pracht wiederauferstehen. Allerdings muß man auch hier Coppola zur Last legen, es mit der Opulenz ein wenig übertrieben zu haben. Zwar mag man die Kleidungs- und Einrichtungsdetails aus der Vergangenheit übernommen haben, doch eine derartige Ansammlung von Rock'n Roll-Ära-Kitsch und klinisch reiner Pettycoat-Fröhlichkeit hat die Welt noch nicht gesehen. "Back to the Future" war da zurückhaltender und dadurch überzeugender. Vor allem Peggy Sue's altes Kinderzimmer verursacht einen geschmacklichen Zuckerschock.

Wie schon erwähnt, ist die Darstellerriege erlesen, doch hat auch hier Coppola mit einem Zeitreiseproblem zu kämpfen, daß sich durch die Filmgeschichte zieht: man kann ein Vierteljahrhundert für einen Schauspieler maskentechnisch nicht so einfach aus dem Hut zaubern. Daß Kathleen Turner in der Vergangenheit immer noch genauso aussieht, ist im filmischen Kontext okay, doch ansonsten wirken die Masken an beiden Ufern der Zeit bisweilen lächerlich. Barry Miller etwa sieht als 40jähriger Erfinder so auffällig maskiert aus, daß es wie eine Amateurproduktion wirkt. Joan Allen dagegen spielt in der Gegenwart ihrem Alter entsprechend, während sie für 1960 deutlich zu alt wirkt.

Ansonsten ist der Cast sehr gut aufgelegt (wobei ein noch junger Jim Carrey grimassierend bereits ordentlich von Leder zieht), leider Gottes bis auf Nicholas Cage. Die Einfühlung in die Rolle lebe zwar hoch, aber Cage eröffnet hier neue Dimensionen des Overactings, die die deutsche Synchro von Rolf Zacher auch noch in absolute Fistelhöhen treibt. Seine nervtötenden Selbstanalysen versanden im ständigen Jammern und der Nervfaktor steigt mit seiner übertriebenen Frisur und seiner grauenhaften Garderobe. (Ist perfekt gemacht, sieht aber scheiße aus.)

Letztendlich verweigert der Film dann auch noch einen kontroversen, aber wenigstens unterhaltsamen Höhepunkt, denn Peggy Sue entzieht sich dem Problem schließlich, anstelle sich ihm zu stellen und muß daraufhin zweimal von Charlie (in der Vergangenheit und in der Realität) überzeugt werden, daß er sie liebt. Das ist schon fast Betrug am Zuschauer, letzteres wissen wir aber schon über die volle Laufzeit. Außerdem versinkt der Film da in genau dem Zuckerkitsch, von dem die Figuren schon die ganze Zeit umgeben sind.

Also kann man Peggy Sue auch heute noch als nostalgischen Blick zurück genießen, doch da der Film nie auf den Punkt kommt, bleibt stets das flaue Gefühl einer vertanen Chance zurück. Und das verzeihen Zuschauer nur selten. (5/10)

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