Nach welchem Film konnte man schon mal behaupten, dass Val Kilmer sie alle an die Wand gespielt hat? Ja, Alexander ist das befürchtete Desaster geworden. Man möchte fast Gnade vor Recht walten lassen, wenn man die aufwändigen Kulissen, die Tausenden Statisten, die perfekte Optik und den hochkarätigen Cast sieht. Aber nein, Alexander ist einfach nur missglückt.
Gezeigt werden die wichtigsten Stationen im Leben von Alexander dem Großen. Aufwachsen beim König von Mazedonien, erzogen von seiner Mutter und in dem Glauben, dass nur große Taten große Männer produzieren begibt er sich Anfang 20 auf einen Feldzug, bei dessen Ende er die Hälfte der damals bekannten Welt erobert hatte.
„Alexander – Sein Name ist Geschichte. Seine Taten sind unvorstellbar“ prangt auf dem Kinoplakat. Geht es eigentlich noch ein wenig unverbindlicher? Diese Aussage könnte man auf jede historische Figur anwenden - vom wahnsinnigen Massenmörder bis zum Helden. Man kann diesen Untertitel als Indiz dafür werten, wie hilflos und ratlos die findigen Filmvermarkter waren, als sie zum ersten den sperrigen, teils konfusen Historienschinken zu Gesicht bekamen.
Welches Bild des mazedonischen Eroberers bleibt nach dem Schluss des Films? Alexander wird vor allem als Rastloser, als Getriebener dargestellt. Er kämpft nicht für irgendeine gute Sache, er kämpft einfach nur für Ruhm und Ehre und immer mehr Macht. Dabei zeigt Stone durchaus, mit welcher Grausamkeit Alexander diese Ziele verfolgt, legitimiert so manchen Massenmord oder Gräueltat jedoch durch ein lapidares: „Das war nicht unüblich in dieser Zeit“.
Aufgesagt werden solche Aufreger, von einem unterforderten Sir Anthony Hopkins, der als Erzähler durch die Handlung führt.
Sicherlich hat Stone seine Version des Alexanders bewusst ambivalent angelegt.Der mazedonische Eroberer ist hin- und hergerissen zwischen Mutter und Vater, zwischen Männern und Frauen. Das sind aber nur Nebenschauplätze, die viel zu oft wiederholt werten und dadurch den Film unnötig in die Länge ziehen. Während sich Stone für die Einführung und Kindheit seines Alexanders sperrige 50 Minuten Zeit lässt, geht es fortan im Galopp durch die wichtigsten Schlachten des Feldherren. Dabei macht der Film teilweise dermaßen große Sprünge, dass ein roter Handlungsfaden alsbald kaum noch auszumachen ist. Dafür muss zum Einen ein symbolschwangerer Adler herhalten, der für Alexanders Sehnsüchte und seinen Freigeist steht. Hier kopiert sich Stone selbst mit dem Unterschied, dass der Adler in seinen früheren Filmen ein Indianer war. Zum anderen darf Sir Anthony Hopkins als Erklärbär, die größten Handlungslöcher stopfen und wirkt dabei dermaßen unmotiviert lustlos und undankbar, dass man den Eindruck nicht loswird er sei erst nachträglich als hochkarätiger Flickenschusterer engagiert worden. Ein weiteres Ärgernis ist die Besetzung von Colin Farell als titelgebender Historienheld. Die Alexandersandalen sind ihm in jeder Szene mindestens eine Nummer zu groß. Sein Co-Star Jared Leto wirkt wesentlich charismatischer als der Ire.
Typische Elemente wie der Stonescher Holzhammer werden auch bei Alexander mehr als einmal bemüht. Angelina Jolie ist wirklich in jeder Szene mit einer Schlange behangen, so dass auch keinem die Metapher entgeht. Die anfangs schöne Idee, die Frau Alexanders als Blaupause seiner Mutter anzulegen, wird dem Zuschauer dermaßen penetrant ins Gesicht gehängt, dass man schon nach kurzer Zeit schreien will: „Ich habe es kapiert, verdammt noch eins“. Bei der Inszenierung hält sich Stone hingegen wohltuend zurück. Erst gegen Ende operiert er mit Farbverfälschungen, Fieberfantasien und grobkörnigen Kameraaufnahmen. Angesichts des enormen Budgets sicherlich ein Zugeständnis an die Produzenten. Am meisten beeindrucken am Ende leider lediglich die Schlachten, die mit einer solchen Wucht und physischen Härte inszeniert worden sind, wie man es seit „Braveheart“ (1994) nicht mehr erlebt hat. Hier wurde erfreulicherweise mit CGI gekleckert und mit Komparsen geklotzt. Letzten Endes heroisiert Stone –und das ist umso ärgerlicher- seinen Helden, verklärt ihn als mutigen Kämpfer, weitsichtigen Staatsmann, Visionär und Rebellen. Das geschieht dermaßen zuschauerunfreundlich, dass am Ende für mich nur folgendes hängen geblieben ist: Ich weiß jetzt, dass der Nachname von Colin Farell mit “a” und nicht mit “e” geschrieben wird.
Daran werde ich mich noch lange erinnern:
Die zunehmende Vernarbung aller Akteure.