Review

Nach dem eher mißglückten "Troja" gibt sich mit Oliver Stones "Alexander" der zweite Historienfilm des Jahres 2004 die Ehre - und macht seine Sache gleich bedeutend besser als Petersens Achilles-Gekröse.
Trotz stattlicher Lauflänge von beinahe drei Stunden versteht es "Alexander" geschickt, beim Zuschauer zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommen zu lassen. Dies gelingt ihm zum einen durch seine tolle, detaillverliebte Optik und einen stimmungsvollen, hintergründigen Score (Aufpassen Troja!), sowie durch eine recht fesselnd wenn auch zu Beginn actionarm erzählte Geschichte.
Trotz einer gewissen Anlaufzeit bleibt Oliver Stones Heldenepos spannend. Die Charaktere sind recht ansprechend gelungen und die zentrale Figur des Streifens wurde mit Shooting-Star Colin Farrell (Phone Booth, der Einsatz) sehr passend besetzt.
Angelina Jolie bleibt zwar im Part von Alexanders undurchsichtiger Mutter stets etwas im Hintergrund, dennoch ist sie wie eh und je ein netter Blickfang. Störend fällt einzig auf, daß sich die im Film primär behandelte Zeitspanne von etwa 20 Jahren alterungstechnisch in ihr kaum niederschlägt. Kein Beinbruch aber es fällt trotzdem etwas unangenehm auf, ebenso wie das ständige Hantieren mit allerlei glitschigem Schlangengetier.
Erzählt wird die Geschichte in Form eines großen Rückblicks von Anthony Hopkins, der als Ptolemy Alexander auf seinen spektakulären Feldzügen vor vielen Jahren begleitete (dort verkörpert durch Robert Earley). Ein recht gutes Stilmittel, daß den Film von seinen Konkurrenten Troja und co im positiven Sinne abhebt.

Sowohl in darstellerischer als auch in technischer Hinsicht habe ich an Oliver Stones Mammutwerk nichts auszusetzen, jedoch hat auch "Alexander" seine kleinen Schwächen. Gerne hätte man zumindest ein Stück weit den Fokus ein wenig von Alexander weg zu globaleren, historischen Perspektiven verlagern können, um dem Film eine noch größere Authenzität und Tiefe verleihen zu können. Gerade im ersten Filmdrittel wäre problemlos die ein oder andere Minute mit Alexander und verschiedenartigem Gefolge auf mit anderen Inhalten umsetzbar gewesen (zB Szenen aus persischer Sicht), ohne daß es dem Film geschadet hätte.
Der Atmosphäre etwas abträglich sind desweiteren kleine Patzer wie englische Schrift auf Kartenmaterial und Briefen. So etwas sollte sich ein Film mit zumindest plakativem historischem Anspruch eigentlich nicht erlauben..
Für solch mehr oder minder kleine Ausrutscher entschädigen jedoch die phänomenal inszenierten Schlachten, auch wenn es nur ganze zwei an der Zahl sind. Unmengen von Statisten, blutige Kampfszenen a la Braveheart und epische Bildkompositionen sorgen dafür, daß man in Sachen "Alexander" durchaus von technischer Referenzklasse sprechen kann. Insbesondere die große Schlacht gegen König Darius etwa zur Filmmitte sei in diesem Zusammenhang genannt, einfach großartig!

Wenn auch insgesamt vielleicht etwas oberflächlich geraten und auf reine Glorifizierung Alexander des Großen bei gleichzeitiger Zurückstellung anderer Parteien bedacht, so hat Oliver Stone mit seinem 170-Minuten-Epos doch ein verdammt blutig-unterhaltsames, optisch und akustisch faszinierendes Stück Zelloloid abgeliefert, das seinen Eintritt in jedem Falle wert ist.

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