Die Flut an Monumentalschinken will kein Ende nehmen, dieses Mal ist es Alexander der Große der im Mittelpunkt steht. Beim Publikum konnte Oliver Stone (JFK) mit seinem epochalen Beitrag nicht punkten, die Frage also ob der Film besser ist als sein Ruf?
Nach Rom, Ägypten und Troja werden wir dieses Mal in die Zeit des antiken Makedoniens versetzt. Rund 300 Jahre vor Christus wird der junge Alexander nach dem Mord an seinem Vater König über Griechenland und Makedonien. Seine Eroberungsfeldzüge im Osten führen von Babylon bis ins ferne Indien, an Plätze die nur in Mythen jemals besucht wurden…
Was „Alexander“ mit anderen Historienfilmen verbindet sind die schönen Bilder und epochalen Schlachten. Oliver Stone nimmt den Zuschauer mit auf eine große Reise an historische Schauplätze und unerforschtes Terrain. Die Landschaften sind dabei nicht unbekannt, wirken aber trotzdem fremd und neu. Besonders hervorstechen die gigantischen Bauten in Babylon, die den Eindruck erwecken wirklich real und nicht nachgebaut zu sein.
Die Schlachtszenen sind rar, dafür aber optisch eindrucksvoll. Der Krieg mit den Persern gehört zu den besten Teilen des Films und das nicht nur weil auf eine hektische Schnittweise verzichtet wurde. Sehenswert ist auch der Kampf mit den Elefanten in Indien, da er sich vom üblichen Gemetzel auf originelle Weise abhebt.
Vom Aufwand der betrieben wurde kann man den Machern nur Respekt zollen, leider kann die Handlung bei einer Spieldauer von 169 Minuten dem nicht das Wasser reichen. Die ellenlangen und langatmigen Dialoge dämpfen gehörig den Erzählfluss und bringen den Film kaum vorwärts. Zudem können die hochkarätigen Darsteller von Colin Farell bis Angelina Jolie ihre Rollen nicht ausfüllen, was sich besonders in den Szenen abseits des Schlachtfeldes immer wieder offenbart. Colin Farell, der sonst üblicherweise Actionfilme dreht, sieht mit seiner Löckchenperücke nicht nur albern aus, sondern scheint sich auch so in seiner Rolle unwohl zu fühlen.
Größter Schwachpunkt: Es gibt keine wirklich spannende Rahmenhandlung die mitfiebern lässt, stattdessen eine lahme Biographie im Zeitraffer über 8 Jahre. Hier hätte der Stoff weitaus mehr Potential geboten, bei der langen Laufzeit besonders ärgerlich. Ganz ungerechtfertigt ist die Kritik an Stones Beitrag zur Geschichte daher nicht, wobei ich noch nicht einmal auf die immens störende Liebesbeziehung zwischen Alexander und Hephaistion (Jared Leto) eingegangen bin. Diese ist nicht nur deplatziert, Leto und Farell schaffen es auch nicht die homosexuelle Beziehung glaubhaft darzustellen.
Der Gesamteindruck ist zwiespältig und wird wohl nur Colin Farell Fans und Verfechter des Monumentalepos gänzlich zufrieden stellen. Denn trotz der optischen Bildgewalt, versagt der Film an der wichtigsten Stelle: eine spannende Geschichte zu erzählen. Etwas mehr Schlacht und weniger Dialog bei kürzerer Laufzeit und „Alexander“ wäre ein ordentliches Filmchen geworden, so aber leider nur enttäuschendes Mittelmaß…