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Man sollte es nicht für möglich halten! Da hat man gerade "Troja" gesehen und war sich sicher, Augenzeuge der übelsten Historienverfilmung aller Zeiten geworden zu sein, und dann kommt "Alexander" daher und führt einem vor Augen, daß es immer noch zwölf Kategorien schlechter geht. Was einem da geboten wird, ist schlichtweg das Unerträglichste, Langweiligste und Groteskeste, was jemals auf Sandalen die Kinoleinwände erreicht hat.
Zunächst schwirrt da ein äußerst schlecht geratenes Hannibal-Lecter-Double ins Bild, glatzköpfig und schätzungsweise eintausend Jahre alt, mimt Ptolemaios, den Stammvater der großen Pharaonendynastie, der auch Liz Taylor entstammt, und gibt sich als Erzähler der Lebensgeschichte des großen Heerführers aus. Dieser alte, klapperige Tattergreis bildet in gewisser Weise schon eine symbolische Vorwegnahme der debilen Handlung, die seinem Auftritt folgen wird.
Als nächstes greift ein Paar aufgespritzter Lippen in das Geschehen ein, und mit ihm das sie umgebende Angelina Jolie. Wie sollte es jemals möglich sein, daß eine solche künstliche Hollywood-Fratze glaubwürdig eine vom Leben gezeichnete antike Fürstin darstellt? Ich weiß es nicht. Egal ob Glück, Leidenschaft, Stolz, Wut oder Verzweiflung, bei Frau Jolie wird alles mit ein und demselben Gesichtsausdruck dargestellt. Jede hauptberufliche Büroangestellte, die in ihrer Freizeit beim Hunrücker Mundart-Volkstheater mitspielt, hätte das noch tausendmal besser hinbekommen. Abgesehen von Pornofilmen sind zwei dicke Möpse eben noch lange kein Garant für einen erfolgreichen Auftritt.
Welch eine Erfüllung, daß dieser untalentierten Barbie-Puppe wenigstens ein äußerst beeindruckender Widerpart entgegenstellt wird, ja geradezu eine Antizipierung aller miserablen schauspielerischen Leistungen, die man in der bisherigen kurzen Zeit des Films ertragen mußte. Denn wie ein nordischer Donnergott platzt ein vernarbter, einäugiger Val Kilmer in der Rolle des Philipp von Makedonien in die Handlung. Er tobt und poltert durch die darauffolgenden Ereignisse und gibt dem Zuschauer die berechtigte Hoffnung, daß aus dieser Hollywood-Großproduktion doch noch ein echtes Historienspektakel wird. Doch eh' man sich versieht, ist Philipp auch schon wieder tot. War halt so damals.
Doch was hat sich der ehemals sensationelle Filme drehende Oliver Stone eigentlich dabei gedacht, die diesem unglaublichen und auch unerwarteten Auftritt von Val Kilmer zwangsläufig folgenden, den Werdegang Alexanders des Großen nachvollziehenden Handlung ausgerechnet mit einer Flachpfeife wie Colin Farrell als Hauptperson zu besetzen? Darüberhinaus ist das Problem nicht allein, daß Colin Farrell diese Rolle spielt, sondern vor allem auch wie er sie spielt. Da wird Alexander doch tatsächlich zur blasierten Megatunte mit Tonnen von Schminke im Gesicht degradiert. Zugegeben, Historiker vermuten schon seit langen, daß zwischen Alexander und seinem Gefolgsmann Hephaistion mehr als nur eine Freundschaft bestand. Aber deshalb muß man die beiden noch lange nicht aufgebrezelt wie Drag-Queens bei der Pride-Parade durch den Orient schicken. Wenn der Oliver Stone schon meint, er müßte diese Homo-Thematik dermaßen in den Vordergrund stellen, warum zeigt ein Regisseur seines Formats dann nicht wenigstens den Mut, dem ganzen schwuchteligen Geseihere auch mal Taten folgen zu lassen und läßt das Makedonen-Pärchen nicht mal ordentlich pimpern? Stattdessen bleibt es bei übertrieben offensichtlichen Andeutungen und braven Umarmungen. Und quasi als Rechtfertigung, daß Alexander eben doch keine von diesen "ekelhaften" Tunten war, seine vorübergehende Homo-Krankheit überwunden hat und ganz gewaltig die Frauen knattern konnte, wird ihm schließlich die schöne Prinzessin Roxane alias Rosario Dawson zur Seite gestellt. So ist die Welt wieder schön amerikanisch sauber und normal.
Miss Dawson dürfte einigen noch als Teenie-Laiendarstellerin aus dem Independent-Streifen "Kids" in Erinnerung sein. Seither haben sich ihre Brüste wirklich enorm vergrößert, das muß man schon sagen. Dennoch kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß sie einzig und allein deshalb für diese Rolle engagiert wurde.
Neben diesem nicht enden wollenden Beziehungs-Blabla werden nebenbei noch einige Schlachten ausgefochten. Offenbar hat der Regisseur hierbei allerdings alle Möglichkeiten der modernen Digitaltechnik konsequent ignoriert und präsentiert beispielsweise die historische Schlacht von Gaugamela, als hätte man Playmobil-Männchen durch einen Sandkasten geschoben und Wind dazu gemacht. Selbst im allerschlechtesten Film kann man heutzutage wenigstens noch den Spezialeffekten einigermaßen etwas abgewinnen. Wenn aber selbst das schiefgeht, dann ist das ganze Ding nicht mehr zu retten.
Und so stellen sich auch bald die unvermeidlichen geschichtlichen Verdrehungen ein, die man nur zu oft in Historienfilmen aus Hollywood findet. So wird aus dem erbarmungslosen und möglicherweise auch vollkommen durchgeknallten Welteroberer Alexander ein braver Tourist, der sich im Laufe seines Feldzuges in den asiatischen Kontinent verliebt. Konsequent wird verschwiegen, wie er die vermeintlich überlegene griechische Lebensweise über die Völker des Ostens bringen wollte, und daß jeder, der sich dem verweigerte, mit dem Leben dafür bezahlte. Er hat nicht nur den persischen Großkönig Dareios in der Schlacht besiegt und ihn hernach verfolgt, um ihn schließlich tot neben seinem Streitwagen vorzufinden. Er hat auch haßerfüllt dessen Hauptstadt Persepolis in Schutt und Asche gelegt und auf den Trümmern hämisch ein reichhaltiges Gelage abgehalten. Ein klarer Widerspruch zur Darstellung eines toleranten Eroberers. Es ist daher nicht überraschend, daß genau diese Episode im Film nicht vorkommt. Am Ende möchte man, wenn es möglich wäre, gleich mehr als zwei Hände über dem Kopf zusammenschlagen, als Alexander dem im Sterben liegenden Hephaistion die großen Pläne aufzählt, die sie beide noch in die Tat umsetzen würden. Die Völker des Westens und des Ostens würden in Frieden unter seiner Herrschaft glücklich werden, die "dunklen Wälder im Norden", also Deutschland, würden sie erkunden und ihre Botschaft des Heils dort hineintragen. Wenn man halbwegs politisch informiert ist, zwängen sich unwillkürlich Parallelen zur derzeitigen amerikanischen Außenpolitik auf. Wird da nicht auch "die Frohe Botschaft" in die Welt, vor allem in den Orient hinausgetragen, ob der Orient das will oder nicht? Wird dort nicht auch nur Krieg unter dem Deckmantel der Friedensstiftung geführt? Wenn der Film nun umgekehrt genau deswegen ein kritischer Seitenhieb auf die aktuelle Politik sein soll, so ist das gründlichst mißlungen. Vielleicht sehe ich aber auch nur Gespenster.
Was ich aber ganz sicher sehe ist, daß "Alexander" mit Abstand das Übelste war, was ich seit langem an Film ertragen mußte. Permanent ist man kurz davor, vor lauter Langeweile einzunicken. Vorspulen möchte man, und wenn es geht gleich bis zum nächsten Film.
Wegen Val Kilmer 2/10

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