„Achter Teil der „Jason“-Serie, die mit den üblichen blutigen Mitteln die fragwürdigen Unterhaltungswünsche ihrer Fans erfüllt“.
(Lexikon des internationalen Films)
Der auf dem Schiff, dann der in New York.
19 Personen erfüllen fragwürdige Unterhaltungswünsche.
Hmm, New York, das galt es nun also zu schlucken.
Sicher, nach über zehn Stunden Feriencamp war ein wenig Großstadtluft im Grunde das einzig Richtige, aber ein derart radikaler Schauplatzwechsel birgt bei einer Filmserie, die bislang eher dem Geiste Adenauers verpflichtet schien, doch etliche Risiken. So mancher Fan dürfte sich den Kinobesuch seinerzeit mit dem Gedanken versüßt haben, dass es ja auch alles noch viel schlimmer hätte kommen können: „Wenigstens haben sie ihn nicht in den Weltraum geschickt, oder so!“
Und es sollte nicht beim Ortswechsel allein bleiben. Auch an der Hauptfigur wurde ziemlich herumgepfriemelt, mit dem Ergebnis, dass Jason, König aller Nichtschwimmer, nun nicht nur zum Ironman mutiert ist (immerhin folgt er dem Lauf des Crystal-Lake-Stroms bis zur Mündung), scheinbar die Fähigkeit der Teleportation erlangt und darüber hinaus Humor entwickelt hat (Maskenlupfer zwecks Punkerverscheuchung), nein, er rettet, wenn vielleicht auch ungewollt, durch sein mörderisches Eingreifen sogar die weibliche Hauptrolle vor einer Vergewaltigung.
Konnte das überhaupt noch was werden?
Nun ja, das Resultat ist für einen achten Teil zumindest achtbar geraten, wenn auch mit Blick auf das große Ganze von bedenklicher Schräglage.
Eröffnet wird mit Impressionen aus dem Big Apple, bis die Kamera schließlich vor Liberty Island auf Tauchfahrt geht und anschließend im Crystal Lake die Wasseroberfläche durchstößt. Ganz nett, das alles, und auch der See selbst macht in diesen ersten Minuten in den Unterwassersequenzen (Jason hängt schließlich immer noch am versenkten Bootssteg fest) einiges her, da scheint Herr Voorhees mittlerweile die Stadtentwässerung bemüht zu haben, so aquariumklar, wie dieses, in den Vorläuferfilmen immer wie kurz vorm Kippen anmutende Gewässer plötzlich ausschaut. Aber sei es drum, Jason wird flugs reanimiert und schleicht sich gleich mal als blinder Passagier an Bord der „Lazarus“, wo sich mittlerweile auch schon seine Stammkundschaft eingefunden hat. Eines der Mädchen wird schnell noch als final girl etabliert, indem sie von ihrer Lehrerin zum Schulabschluss den Füllfederhalter von Stephen King geschenkt bekommt (und so etwas in einem Horrorfilm, wie schnell geht das ins Auge), dann kann auch schon in See und Körper gestochen werden.
Und es bleibt gewöhnungsbedürftig für die Fanfraktion, wenn aufgrund vorherrschender Moden plötzlich statt zum Joint zu Kokain gegriffen wird, die Disco-Ära jetzt doch noch gestalterisch Einzug hält und die Hauptdarstellerin immer mal wieder unvermittelt Visionen vom kleinen Jason hat, der sein Aussehen dabei nach Lust und Laune zu ändern scheint, wobei ich die Schuld hierfür weniger in seinen Genen als bei einer nachlässig geführten Make-Up-Abteilung suchen würde.
Demnach alles verloren für Nostalgiker? Nicht ganz, denn gänzlich unerwartet belebt der Film einen Typus wieder, der zuletzt im dritten Teil auftrat: Return of the Verdammnisprediger! Ab jetzt wird Hochseedoomerei betrieben, das Ergebnis bleibt traditionsgemäß dasselbe, Jason kann also ungehindert an Bord morden, tut dies aber nur mit gebremster Kreativität (schwere Arme vom Schwimmen?), was der lustigen Truppe letztendlich aber doch soviel Respekt abringt, dass sie sich im Rettungsboot Richtung New York absetzt. Und diese Stadt, dass zumindest scheint mir die einzige Regieanweisung Rob Heddens gewesen zu sein, hat zu dampfen. Aus jeder Pore respektive jedem Gully. An den trockeneisgeschwängerten Schauplätzen des Big Apple wird schlussendlich nicht nur pflichtschuldig die Gruppe dezimiert, ein Boxkampf zur Unterstreichung Jasons beachtlicher Nehmerfähigkeiten veranstaltet und in Gestalt zweier Junkies klargestellt, dass Crystal Lake im direkten Vergleich fast schon so etwas wie ein beschaulicher Kurort ist, sondern auch eine, an allen Ecken und Enden knarzende Erklärung für die Visionen der jungen Frau geliefert. Und allerspätestens, wenn zum Showdown Jasons guter Kern freigewaschen wird, ist man gut beraten, eventuell vorhandenes Restgrübeln über die Zusammenhänge vollends einzustellen. Der Großstadtausflug der Serie ist haarsträubend dahingeschludert, und würde sich, wäre da nicht der fünfte Teil, locker am Bodensatz verankern.
Wagt man hier, zum (vorläufigen, wie wir mittlerweile wissen) Ende der Ära Paramount, eine vorsichtige Rückschau, ist die Kluft zwischen Cunninghams ganz bestimmt nicht intellektuellem Original und seinen neuesten Ablegern, was ihre Stringenz anbelangt, erstaunlich groß. Mit anderen Worten: Da wurden wirklich alle Zügel fahren gelassen, weil die Trashgäule durchgingen. Effektive Abläufe wurden mit undurchdachten Gimmicks unnötig verkompliziert, Spannung wurde zunehmend durch eine Slasher-Nummernrevue-Schablone ersetzt, und die Hauptfigur ist vom Verstoßenen, dem von außen zuschlagenden Suspense-Element zum Star und Mittelpunkt, und damit langweilig geworden. Schrittweise wurde die kleine, schmutzige Lagerfeuergeschichte zum Event umgemodelt, Ausbrüche von Gewalt sollten nicht mehr gefürchtet, sondern beklatscht werden. Dabei erscheint dieser Prozess im Laufe der Serie interessanterweise wie ein Selbstgänger, der nie erzwungen wirkte. Steinchen baute auf Steinchen auf, das Ergebnis aber lässt die einzelnen Teile häufig einander kaum noch zugehörig erscheinen, aber irgendwie funktionierte es dann doch, mit viel Hängen und Würgen (wie sinnig).
Was wohl auch Cunningham auffiel, der die Geschichte unter seiner Obhut schließlich vier Jahre später mit „Jason goes to Hell“ glanzvoll abzuschließen gedachte.