New York, New York...
Und wieder ist ein Jahr rum. Mensch, die Zeit vergeht. Es hat sich allerdings auch nicht viel getan. Jason liegt offenbar wirklich tot auf dem Grund des Crystal Lakes unter ein paar Trümmern. Auf das bescheuerte Ende des Vorgängers komm ich nicht zusprechen. Wie auch immer, in den ersten Minuten riecht alles gefährlich nach einem weiteren, langweiligen Film, der nur wieder am See spielt und routiniert die Liste abstreicht. Doch für Jasons achten Streich haben sich alle Beteiligten mal was besonderes ausgedacht. Nichts bahnbrechendes, aber für die "Friday"-Reihe kann man das schon als Erfolg verbuchen. Jason zieht es nämlich zum Big Apple.
Doch die ersten zehn Minuten gehören noch Crystal Lake und einem kleinen Schiffchen, dass ausgerechnet vor dem alten Lager vor Anker geht. Auf dem Schiff befinden sich zwei heitere Teenager (was auch sonst?), die ihren Abschluss feiern. Womit? Klar, bumsen.
Aus Gründen, die ich einfach nicht näher beschreiben kann, stößt der Anker aber auf eine Stromleitung (wer hat die denn da hingelegt?) und beschädigt sie offenbar. Welch Zufall, dass Jason keinen Meter weit entfernt modert. Ein weiterer Stromschlag fließt durch seinen Körper, und der gute Mann erwacht erneut zum Leben. Erster Anlaufpunkt: Schiff, zwecks Ermordung der beiden Teenies. Wie dankbar.
Daraufhin lernen wir fröhliche Schulabgänger kennen, die mitsamt zweier Lehrer per Schiff nach New York fahren. Der weibliche Lehrer schenkt der Hauptperson (Name vergessen) einen Füllfederhalter, den Stephen King in der Schule benutzt haben soll. Wer's glaubt. Jason lässt aber auch nicht lange auf sich warten, zieht sich aus dem Wasser und besteigt zufällig das Schiff eben benannter Teenies. Sobald der Kreuzer ablegt und es ein bisschen dunkel geworden ist, geht Jason auch schon wieder auf seine altbewährte Jagd. Den Passagier, der Unheil heraufbeschwört, gibt es auch wieder. Wo nehmen die nur all die Bekloppten her?
Die Episode auf dem Schiff geht volle fünfzig Minuten, erst dann entschließt man sich, die Rettungsboote zu benutzen und auf eigene Faust nach New York zu paddeln; das Schiff mit Jason war einfach zu gefährlich, außerdem drohte es unterzugehen. Kommt mir bekannt vor. Moment, ich wusste doch, dass Jason bestimmt auch auf der Titanic war. (Schlechter Witz, ich weiß)
Man erreicht dann tatsächlich per Gummiboot New York (erkennbar an der Freiheitsstatue, die ihnen entgegenleuchtet), geht an Land und sucht sofort nach Hilfe. Jason zieht sich wenige Sekunden später am selben Dock auch aus dem Wasser. Der Junge hat Timing.
Unsere "Helden" werden fünf Minuten nach Ankunft von zwei Halbstarken überfallen, die allen Geld klauen und dann unser Final-Girl entführen. Zuerst werden ihr Drogen gespritzt, dann steht auch die Vergewaltigung an. Jason rappelt sich hierbei zum Helden auf und meuchelt die beiden Unruhestifter nieder. Danach verfolgt er die letzten Überlebenden des Schiffes, bringt fast alle um, bli bla blub, Schnitt zur Kanalisation. Dort flüchten sich unsere beiden letzten Personen hin und treffen zufällig einen Kanalarbeiter, der ihnen mitteilt, dass der Kanal gleich überflutet wird. Jason teitl seine Missgunst mit, indem er aus einer Ecke schießt und dem Arbeiter den Kopf zerhackt. Doch ätzende Säure und die nahe Flut sind trotzdem Jasons Todesurteile.
Wer jetzt denkt, der Film spielt wegen des Titels nur in New York, irrt sich gewaltig. Zehn Minuten Crystal Lake, fünfzig Minuten Schiff, dreißig Minuten Manhatten. Und dann sieht man fast nur dreckige Hinterhöfe. Die wenigen Einstellungen vom bunten, lebhaften New York zünden auch nicht so richtig. Da hat am Ende einfach das Geld nicht gereicht, man musste ja soviel auf dem Schiff drehen. Egal, auf jeden Fall ist trotzderm alles relativ schön in Szene gesetzt, das Schiff ist ein netter Handlungsort für Jason und auch der Aufenthalt in New York ist (obgleich der wenigen Szenen, die Big-Apple-Luft atmen) abwechslungsreich. Nach sieben Filmen nonstop Wald mit See wäre mir wahrscheinlich auch Sachsen als zentraler Handlungsort lieb gewesen.
Wo "Jason im Blutrausch" sich leider wieder selbst viel zu ernst nahm, überzeugt "Todesfalle Manhatten" vor allem in den letzten Szenen mit sehr viel schönen Humor. Beispiele: Jason sieht eine riesige Reklame mit einer großen Eishockey-Maske und fragt sich wohl völlig berechtigt, was denn nun los sei. Meine Lieblingsszene im ganzen Film ist aber folgende: Jason verfolgt seine beiden Opfer und tritt angepisst das lärmende Radio einer Bande kaputt. Die rufen ihm erstmal hinterher ("Hey, Arschloch!"), worauf Jason sich umdreht und seine Maske hebt. Die Bande wird plötzlich recht feige und läuft davon. Herrlich.
Ohne Kritik kommt aber auch Nummer Acht nicht davon. Jason wird hier nun sehr oft als Kind gezeigt, meist wie er gerade im See ertrinkt. Leider scheint man hierfür immer einen anderen Bengel genommen zu haben. Mal sieht er völlig normal und gesund aus, in der nächsten Vision hat er den unschönen Verkehrsunfall im Gesicht, mit dem man ihn noch vom Ende des allerersten "Friday"-Films in Erinnerung hat. So richtig schlau geworden bin ich jetzt nicht draus. Leider wird auch nicht erklärt, seit wann Jason sich teleportieren kann. Immer steht er seinem Opfern im Weg und ist von Null auf Hundert an völlig anderen Stellen.
Insgesamt bin ich aber zufrieden. Zwar kriegt auch dieses Sequel keinen Oscar von mir, aber zumindest hat man sich endlich vom schrecklichen See gelöst, und die Jagd und Flucht auf dem Schiff ist sogar relativ unterhaltsam, bei Manhatten am Ende vergehen die Minuten gar wie im Flug. Auf die Charaktere sollte man aber nicht achten. Manchen wird Tiefe gegeben, die sie gar nicht brauchen. Konflikte bahnen sich an und verlaufen sich, da fast alle sofort sterben. Die Morde dagegen sind nett - ein heißer Stein wird in den Brustkorb gebrannt, ein Kopf wird mit einem einzigen Faustschlag vom Hals gepfeffert, ein anderer wird in grüne, ungesunde Brühe getaucht. Ja, das ist der magische Stoff, aus dem sinnlose Slasher bestehen.
Fazit
Doch recht gelungene Fortsetzung mit einer Schnitzeljagd auf einem Dampfer, den dunklen Gassen Manhattans und schließlich der Kanalisation. Doch die alten bis neuen Schwächen vermiesen auch diesmal den mitunter guten Eindruck. Schade.
5/10