Review

Ich bin ja nicht so affin, was den spanischen Horror-Output vor 1995 anbetrifft, speziell den Kokolores, den sich die Filmschaffenden in den letzten Jahren der Franco-Diktatur ausdachten, mal von den leichenden Reitern abgesehen, aber ich kann mir halt was Griffigeres vorstellen als Filme mit Paul Naschy oder von Leon Klimovsky oder wie das Tier heißt.

Aber hübsch sind sie ja dann doch, es gibt häufig schöne Mädels und wahnsinnig schlechte Day-for-Night-Aufnahmen, die den Blaufiltern so richtig Zucker geben und hier und da lugt ein Vampir oder Werwolf in die Nacht, holladihö.

„Horrortrip“, der passender im Englischen mit „Curse of the Vampyre“ betitelt ist, ist auch so eine knorke Produktion, die ihre Horrorthemen nur auf dem kurzen Kleide trägt, um ausgiebigst ein Quartett von mehr oder weniger talentierten, aber für 1971/72 eben sagenhaft reizvollen Mägdeleins abzufilmen.

Verantwortlich dafür war Jose Maria Elorietta, der ein produktives Kerlchen war und neben ein paar Western eben auch auf den Horrorzug aufsprang, ehe er drei Jahre später leider verfrüht mit 53 Jahren ablebte.

Besonders talentiert ist er nicht gewesen, denn die Produktion will zwar hipp und innovativ aussehen – und natürlich sexy – wirkt aber eher unbeholfen, gerade in der Erzählweise und im Schnitt.

Worum es denn so ungefähr geht: irgendwo in der Provinz ist der Arzt verstorben und nun hat man einen neuen gesucht und gefunden. Der ist eine Die und hat blonde Haare und ordentlich Holz vor der Hütten und eine brünette Assistentin. Ich erwähne das mit den Haarfarben, weil die Holden alle so unsäglich nichtssagend charakterisiert sind, dass man sie kaum auseinander halten kann. Später kommt dann auch noch eine Blutanalystin hinzu und die hat dann rote Haare. Damit wäre jeder Fetisch abgedeckt aus dieser Kategorie.

Auf jeden Fall ist der Baron von Rysselburg krank und seine Bediensteten halten den Laden am Laufen, was nicht so ganz einfach ist, denn wie uns ziemlich wirr eingefügte Rückblenden informieren, gab es da wohl mal einen Vampirangriff von so einem Pornoschnauzbart und dann knabberten sich erst eine gewisse Margaret und dann auch noch Thronfolger Karl gegenseitig an, so dass hier eine relativ hohe Vampirdichte herrscht.

Wenn auch wenig Aktivität, denn mit diesen Vampiren hat es eine spezielle Besonderheit: sind laufen fancy im Sonnenlicht rum, aber falls dann mal Vollmond ist, wachsen ihnen prachtvolle Plastikhauer und geheult wird auch mal. Das führt dann zu allerlei Grimassen und einer wunderbaren Szene, in der eine Figur im Spiegel zu sehen ist und sich dann pünktlich zum Mondaufgang per Stoptrick aus dem Bild beamt.

Tja, und weil irgendwer (ich glaube, die Angestellten waren es) Margaret gepfählt hat und Erbe Karl erstmal auf Swinging Sixties Charming Boy macht, passiert so bald nicht viel. Nicholas Ney, der als Karl angeblich seine einzige Performance vor einer Kamera gab, trägt eine Fransenfrise, die mit „explodiertes Opossum“ am ehesten beschrieben ist und rutscht dann zu Mondenschein in ein freundliches Grimassieren und Augenrollen aus der Muppetshow ab. Außerdem trägt er permanent Blut im Mundwinkel, offenbar knabbert er sich mit seinen lächerlichen Hauern selbst an, denn so regelmäßig kommt er gar nicht zum Biss.

Ansonsten lässt die wirre Schnittfolge nur wenig Plot zu, es geht treppauf und treppab, es werden Minikleider vorgeführt und Nachtwäsche, eine europäische Fassung hat auch mal Nippelalarm und Lesbenaction (was rückwirkend wohl Aufsehen erregte, denn da schmusen nackt die Schwestern Topar im wirklichen Leben), aber bis jemand zum Schlagaderbiss ansetzt sind auch schon gut 60 von 80 Minuten rum.

Ganz zum Schluss greift dann der künftige Graf endlich an (ein wenig wie Ilja Richter wirkend) und es wird ekstatisch und kreischend rumgepoltert, bevor eine knorke Pointe aus der Mottenkiste den Käse auflöst.

Ich für meinen Teil hab im letzten Drittel die größten Schwierigkeiten mit der werten Doktorin (Diana Sorel) und der plötzlich ohne Pfahl wieder rumrennenden und dann plötzlich doch wieder sterbenden Margaret (Loreta Tovar), denn die beiden sehen unter Blaufiltern zum Verwechseln blond aus.

Es gibt ja Liebhaber für diese Art vor Sommerurlaub samt Dreharbeiten, aber alles in allem ist mir das dann doch zu wirr und öde geworden, zu viel Handwerk und zu wenig eigener Stil. Aber wer sich den ganzen Eurosleaze-Horror reingezogen hat, kann den hier auf den nächsten Börse genausogut noch kaufen. (2,5/10)













Details
Ähnliche Filme