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Die Schülerin Simone ist der größte Fan vom Sänger R, mit teeniesker Naivität verrennt sie sich in die Idee einer Liebesbeziehung zum Idol. Ihr Leben wird bestimmt von seiner Musik, Tag für Tag wartet sie auf eine Antwort auf ihren Brief an ihn. Aus Fan wird Fanatismus, schließlich schmeißt sie die Schule, geht auf Trebe und lernt tatsächlich ihren Traummann R kennen. Die Ernüchterung aufgrund seines abgeklärten Starverhaltens, mit dem er sie zu einem Groupie degradiert, müsste eigentlich groß sein, doch sei es drum. Dargestellt wird schließlich die totale Verblendung eines Fans, die in diesem Fall umschlägt zu einer destruktiven Liebe wie bei Stalkern. Aus dem Liebesdrama wird ein Psychothriller mit Erotiktouch, die freizügigen Nacktszenen sorgten damals für einen medienträchtigen Skandal, der mit Abstand betrachtet wie kalkulierte Werbung wirkt, doch was soll's. In Verbindung mit der Gewalt des Fanatismus wird der Kontrast vom naiven NDW-Drama hin zum morbiden Thriller verstärkt und wirkt urplötzlich erstaunlich herbe. Das Tranchieren des Angebeteten ist atmosphärisch sehr gelungen, wenn Désirée Nosbusch unter blauem Neonlicht sein Blut vom Elektromesser leckt. Deftige Splattereffekte vermeidet diese Verfilmung wiederum und überlässt den Schrecken der Fantasie des Zuschauers. Kannibalismus hinterlässt für gewöhnlich hierzulande ein mulmiges Gefühl. Die Musik ist von der damaligen NDW-Combo Rheingold oder wie man heute sagen würde: Low-Fi-Electro-Pop. Auf bestenfalls durchschnittlichem, teils unterem Fernsehlevel sind auch diverse Darsteller in Nebenrollen, die heute unfreiwillig komisch wirken. Désirée Nosbusch in der Rolle der Lolita ist für ihre gerade mal 17 Jahre in Ordnung, ebenso Rheingoldsänger Bodo Steiger, der sich als steifer Musikerstar nicht groß verstellen muss. Ein Rolls Royce als Gefährt ist etwas dick aufgetragen, man merkt dieser Produktion manchmal recht deutlich an, wie groß damals der Unterschied zwischen der deutschen und amerikanischen Filmindustrie war. Viel mehr als ein nostalgisches Filmchen ist es heute nicht mehr, allein schon wegen der etwas zähen ersten Hälfte.

Fazit: Deutsches Zeitdokument aus den frühen 80er Jahren. Der unterkühlte NDW-Look gipfelt zumindest auf den letzten Metern in einem Schockthriller. 4/10 Punkten

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