Review

"Der Fan" von Eckhart Schmidt galt bei seiner Premiere 1982 als Skandalfilm und hat heute den Ruf als unbekannter Kultfilm, der bei Erscheinen von der Kritik verrissen wurde. Nun Ja, beides ist irgendwie verständlich. Die einen Leute waren geschockt nachdem sie mit ansehen mussten worin der Film, entgegen des Erwarteten, letztendlich gipfelte. Die Anderen waren von den formalen Mängeln des Films abgeschreckt und stellten ihn daraufhin in die Dilettantenecke. Meine persönliche Meinung liegt irgendwo zwischen diesen beiden Polen.

Zur Handlung [Achtung: Spoiler!]: Hauptfigur ist Simone (Désirée Nosbusch), ein Mädchen aus einer normalen Kleinfamilie, wahrscheinlich 16 oder 17. Wie viele Mädchen in ihrem Alter ist sie großer Fan des NDW-Stars "R". Dass ihre Zuneigung das normale Level übersteigt und bereits in krankhafte Verehrung übergetreten ist, wird hier wirkungsvoll durch ein direktes Erleben von Simones Gedankengängen ermöglicht. Man hört ihre Tagträumereien und Wünsche als Off-Kommentar. Im Vordergrund steht hier die Sehnsucht nach einer baldigen Antwort auf ihre Fanbriefe, bzw. die Angst, dass die Briefe von der Post oder "R"´s eifersüchtiger Sekretärin unterschlagen wurden. Auch die Umwelt leidet unter Simones abwegigen Fantasien: Sie streitet mit den Eltern, schwänzt die Schule und nervt täglich den Briefträger, was sogar letztendlich in Handgreiflichkeiten endet. Schnell fällt dem Zuschauer allerdings auch der erste Schwachpunkt von "Der Fan" auf: Nosbuschs fehlende, schauspielerische Erfahrung. Sie spielt zwar die Rolle der Simone, ist jedoch nicht fähig ihr irgendwelche charakterlichen Züge zu geben. Die kühle, gefühllose Spielweise bezweckt dann letztendlich, dass die emotionale Distanz zur Figur, die durch die subjektive Erzählweise versucht wurde aufzuheben, wieder zwischen Simone und dem Zuschauer steht. Trotzdem ist das erste Drittel des Films immer noch interessant und weckt Neugier auf das weitere Verlaufen der Geschichte. Simone setzt sich nun eine Frist von einer Woche. Hat sie bis dahin noch keinen Brief erhalten, holt sie sich ihren Star auf eigene Faust. Natürlich kommt es, wie es kommen muss: Nichts kommt und sie macht sich per Anhalter auf den Weg nach München, wo sie auch, unterbrochen von einer beinahen Vergewaltigung, ankommt.

In München angekommen wird man von den Kommentaren aus dem Off verlassen und bekommt, auf Grund einer wirklich naiven Plotwendung, Zweifel daran ob die Macher wirklich eine ernsthafte Geschichte erzählen wollten. Die Erwartung, dass Simones jugendlicher Leichtsinn von der Realtität eingeholt wird erfüllt sich nicht. Tatsächlich trifft sie "R" (Bodo Steiger, seineszeichens Sänger der Band "Rheingold", die hier auch für den Soundtrack verantwortlich war). Genauso wie bei Nosbusch kann auch Steiger, dessen Qualitäten eher in der Musik liegen, nicht so recht überzeugen. Jedenfalls begegnen sich die beiden vor einem Fernsehstudio, dass bereits von hysterischen Teenies überrannt ist. In dem Gewirr sticht Simone für den Sänger allerdings irgendwie heraus und wird von ihm sogar mit hinter die Bühne genommen, wo die beiden sich, unwahrscheinlich schnell, näher kommen, wobei man merkt, dass es "R" hier eher um ein Abenteuer geht. Zwar ist dieses zweite Drittel wichtig für das weitere Geschehen des Films, aber was unter dem naiven und unrealistischen Drehbuch zu leiden hat, ist die Glaubhaftigkeit des Films als Drama, dass die Schattenseiten der Bravogeneration zeigen will.

Im letzten Drittel kommt dann alles, weswegen der Film seinen Status besitzt: Die Beiden fahren zusammen in ein leeres Haus, normalerweise bewohnt von "R"´s Freunden und kommen sich dort näher als je zuvor. Es folgt eine Sexszene mit unerwartet expliziten Aufnahmen. Diese Szene und die Tatsache, dass Nosbusch zur Drehzeit noch minderjährig war sind sicher einer der Hauptgründe für den Skandal an der Kinokasse. Es sei mal dahingestellt, ob dies verwerflich ist oder nicht. "R" beschließt allerdings sich nun wieder mehr auf seine Karriere zu konzentrieren und will Simone während dieser Zeit allein lassen. Diese, sich um ihr verdientes Glück betrogen fühlend, handelt auf drastische Weise: Sie rammt ihm eine Statue in den Schädel und verhindert somit, dass ihr Star je wieder irgendjemand anderem gehören wird. Hier ändert sich die Richtung des Films schlagartig und treibt es bis auf die Spitze: Simone, die ganze Zeit über nackt, beginnt nun die Leiche zu zerteilen und in die Kühltruhe zu werfen. Zwar wird das Auseinandernehmen nur angedeutet, jedoch wird alles in so einer quälenden Langsamkeit gezeigt, dass der Zuschauer auch ohne übermäßige, graphische Gewalt verwundert und verstört ist. Zu guter Letzt, verzehrt sie ihr Idol und verarbeitet seine Knochen zu Mehl, welches sie im Freien verstreut. Der Film endet mit der Heimkehr von Simone, die sich, wahrscheinlich aus Schuld, kahl geschoren hat. Im letzten Off- Kommentar erfährt man, dass sie wahrscheinlich schwanger geworden ist. Ende.

Was kann man nun zusammenfassend zu "Der Fan" sagen: Was man sicher nicht hat ist eine umfassende Analyse von jugendlicher Fankultur. Auch wird man das Gefühl nicht los, dass der Film letztendlich nur auf die skandalösen Bilder im letzten Drittel hinarbeitet, ohne den Realismus und die Authänzitat zu berücksichtigen. Was man letztendlich hat ist ein streckenweise interessant gestalteter Film, der zwar die Auswirkungen der Starverehrung nur dürftig beleuchtet, aber dafür mit einem, für den deutschen Film dieser Zeit, untypischen und extremen Finale, welches Zuschauererwartungen und Sehgewohnheiten wirkungsvoll über Bord wirft, daherkommt.

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