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Die Leiden der jungen Simone

In dem polarisierenden (und aus heutiger Sicht recht zahmen) deutschen Skandalklassiker "Der Fan" folgen wir der obsessiven Simone, die sich vollkommen auf ihren Popstarschwarm "R" einschießt. Ihr ganzes Leben dreht sich nur um den aufsteigenden Sänger. Völlig apathisch und emotionslos wird alles abseits ihrer Obsession. Doch als sich die beiden endlich treffen und sich sogar etwas anbahnt, nimmt die Sache eine blutige, beunruhigende Wendung... Vor allem durch die Nacktszenen der zum Drehzeitpunkt noch nicht ganz volljährigen Desiree Nosbusch schlug dieser tückisch einlullende Thriller in der damals noch ach so züchtigen Bundesrepublik Wellen. Aus heutiger Sicht mal wieder eher zum Schmunzeln und Kopfschütteln, doch einen waschechten Skandalfilm nimmt man ja immer gerne mit. Erst recht, wenn er derart interessant und atmosphärisch, trocken und schwer zu schlucken ist...

Die neonleuchtenden 80er verbergen oft genug unter ihrer glänzenden Oberfläche einen modernden Geruch - in "Der Fan" kann man diesen aber auch ohne Riech-TV quasi schmecken. Mit einer traumwandlerischen Aura ausgestattet, schlürft die besessene Simone durch eine Welt ohne Hoffnung, ohne Interesse, ohne Wärme. Blass und grau, emotionslos und schmerzresistent. Von der extralahmen Sprechweise der Menschen über einen hypnotischen Rheingold-Soundtrack bis hin zur unschuldigen, fehlgeleiteten Schönheit selbst - "Der Fan" hat eine Atmosphäre und ein Flair, wie es nur wenige weitere deutsche Werke hatten. Zu dieser Zeit, vorher und seitdem. Ein fesselnder und fast böse einschläfernder Film, der Nicolas Winding Refn gefallen würde. An Handlung ist nicht viel und einige Passagen zehren heftig an der Geduld und wollen einfach nicht vorankommen - doch guckt man dann endlich den Abspann an, merkt man einen bleibenden Eindruck. Ein Unwohlsein, eine seltsame Leere, mit der man sich angesteckt haben könnte. Unangenehm. Von solchen Querschlägern zeugt der deutsche Film heutzutage viel zu wenige.

Fazit: eine trostlose Studie der Obsession - über den Verlust der Lust am Leben. Auf eine fanatische Art, wie man sie selten gesehen hat und die dem Wort "Fan" eine ganz neue Bedeutung gibt. Die Nosbusch spielt noch besser als sie aussieht und der Trip ist eine Geduldsprobe, die sich lohnt. Lässt man sich denn fallen. Ansonsten drohen Sekundenschlaf-Stakkato und Ratlosigkeit.

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