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Als Anfang der 80er Jahre in der Musikszene die Synthesizer-Welle ausbrach und in Deutschland die „Neue Deutsche Welle“ den Generationenunterschied ausmachte wie einst die Stones es schafften, wagte es die Firma „Barbara Moorse Workshop Produktion“ unter der Regie von Eckhart Schmidt einen deutschen Film zu produzieren, der mit vermeintlichem Skandalpotential ungewohnt für hiesige Verhältnisse war. Der Skandal trat dann auch ein, doch verursachte ihn weniger der Film an sich als das Verhalten der Hauptdarstellerin Désirée Nosbusch, die sich nach Drehende und Begutachtung des fertigen Films von einigen Nacktszenen distanzierte und sie aus dem fertig gestellten Film herausschneiden lassen wollte. Das Gericht entschied aber gegen sie, so dass „Der Fan“ schließlich ungeschnitten in die Kinos kam, und durch diese Vorgeschichte mit reichlich Publicity starten konnte.

Für damalige Zeiten sicherlich etwas gewagt aber keinesfalls pornographisch oder gewaltverherrlichend, kann man den Film aus heutiger Sicht -rund 20 Jahre später- nur als lauen, kleinen Dokuthriller bezeichnen, der es eigentlich gar nicht verdient hatte, so sehr ins Gespräch zu kommen. Die Regie arbeitet wenig inspiriert und Fräulein Nosbusch wirkt in ihrer Darstellung wie eine Christiane F. für Arme. Was zunächst noch einen besonderen Stil verspricht -kalte Farben, Monologe, statische Kameraarbeit- kann mit der Filmdauer nicht mehr fesseln, und man wartet sehnsüchtig auf den Moment, an dem die Hauptdarstellerin austickt. Aber auch das geschieht mehr oder weniger beiläufig, so dass man ihr die Verzweiflungstat einfach nicht abnimmt. Ein etwas versierterer Regisseur hätte bei mehr Mut dem Ganzen durchaus den nötigen Drive geben können, um aus dem Thema eine wirkliche Anklage gegen Führerkult und Abhängigkeit zu machen. So aber bleibt als wirklich positives Erlebnis an dem Film lediglich die Musik von „Rheingold“ in Erinnerung, die dermaßen typisch das Freizeitgefühl der frühen 80er Jahre repräsentiert, dass es eine sentimentale Freude ist, dem Soundtrack zuzuhören, zumindest für all´ diejenigen, die in der Zeit aufwuchsen und einen Faible für diese Musik haben bzw. bewahrt haben.

Als eines der wenigen Beispiele eines Films aus deutschen Landen mit skandalöser Vergangenheit (die Marketing-Video-Fassung des Films war übrigens noch bis März 2003 indiziert!) lohnt es sich von daher, sich das alte Video zuzulegen oder die neu aufgelegte DVD des Streifens zu kaufen. Filminhalt und -ausführung sind aber eher enttäuschend.

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