Review

Wenn wir mal ehrlich mit uns sind, dann müssen wir schon zugeben, dass die Filme, die wir uns ansehen, eigentlich immer aus so ziemlich den gleichen Ländern kommen. Hauptlieferant dürfte dabei wohl für die meisten Amerika sein, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, aber auch das Land dem so langsam die Ideen ausgehen. Dann hätten wir noch die fünf großen europäischen Länder, wobei Deutschland, Großbritannien und Frankreich wohl noch am ehesten mit Mainstream hervorstechen, während Spanien und Italien hauptsächlich auf dem Horror-Markt anzufinden sind. Dann noch ein wenig vom asiatischen Filmboom mitgenommen und dem ein oder anderen mag auch der Bollywood-Schmonsens zusagen. Aber sonst? Filme aus kleineren Ländern sind im Vergleich doch eher weniger angesagt. Oder könntet ihr mir aus dem Stehgreif 10 reinrussische Filme nennen, die ihr kennt? Sicher nicht. Doch ein russischer Streifen sollte sich zu einem Riesenerfolg mausern: "Nochnoy dozor". Vom amerikanischen Studio Fox Searchlight in alle herren Länder vertrieben, kommt nun "Wächter der Nacht" auch zu uns. Beim Anblick des Films muss man dann aber leider feststellen, dass der große Erfolg kaum nach zu vollziehen ist. Denn der Streifen ist leider nicht viel mehr als purer Blödsinn, der aber (nur) mit einer wunderbaren Inszenierung punkten kann.

Was nämlich Story und Handlung angeht, ist "Nochnoy dozor" wirklich ziemlicher Schrott und vielleicht noch dünner und Innovationsloser, als das was uns Hollywood derzeit so vorgaukelt. Im Grunde geht es um den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, dem Kampf zwischen dem Licht und der Dunkelheit, dem Kampf der Wächter der Nacht gegen die Kreaturen der Nacht. Gut, die Grundidee mag noch ganz nett klingen, doch leider fehlt es dem Film an so ziemlich allen, was einen guten Filminhalt ausmacht. Es gibt weder eine nachvollziehbare Handlung, noch auch nur ansatzweise gut gezeichnete Charaktere, noch irgendwelche Szenarien, die auch nur im entferntesten eine gewisse Spannung erzeugen können. Im Grunde wird einem nur ein vollkommen wirres und schnell aneinander gepapptes Grusel-Szenario geboten, was an allen Ecken nur so krankt, keinerlei Logik besitzt und sich wirklich überhaupt nicht die Mühe macht, dem Zuschauer auch nur Ansatzweise eine interessante Storyline zu bieten. Die Handlungen der Figuren sind an den meisten Stellen einfach nur dämlich oder wirken überheblich und werden meist auch überhaupt nicht erklärt, obwohl der Zuschauer es einfach nicht nachvollziehen kann, warum z. Bsp. der Kleintransporter der "Wächter der Nacht" urplötzlich von jemanden in die Luft erhoben wird, eine Drehung macht und dann vollkommen unbeschadet wieder auf dem Boden aufkommt. Es ist wirklich in jedem Moment spürbar, dass Regisseur Timur Bekmambetov und seine Drehbuchschreiber einzig und allein auf ein galaktisches Effekt-Spektakel auswaren und auf eine düstere Atmosphäre. Inhaltlich ist das aber dann einfach zu wenig, zumal sich das Ganze manchmal auch mächtig in die Länge zieht, wenn es gerade einmal nicht Effekte gewittert!

Gut, wenn wir es schaffen die wirre Handlung mal beiseite zu schieben und uns auf die Inszenierung zu konzentrieren, dann kann uns "Wächter der Nacht" dennoch ganz annehmbar unterhalten. Denn für das schmale Budget, welches Bekmambetov nur zur Verfügung stand, sieht der Film absolut lecker aus. Die Spezial Effekte können sich wirklich durchgehend sehen lassen und bieten mitunter wunderbar düstere Leckereien fürs Auge. Dazu der Einsatz von so manch subherben Farbfilter, der die gruseligen Kulissen in eine herrlich dreckige, tief atmosphärische Umgebung verwandelt. Dazu kommen dann noch die perfekte Ausleuchtung der Sets, der schnelle aber gekonnte Schnitt des Films und einige der wildesten Kamerafahrten, die man je in so einem Streifen erblicken konnte. Abgeschlossen wird das Ganze dann noch mit einer grandiosen Musikuntermahlung, die wirklich zu jedem Zeitpunkt das Geschehen optimal unterstreicht. Somit dürften wenigstens Freunde des gepflegten Aug- und Ohrenschmaus und mit dem Hang zu guter Grusel-Atmosphäre, auf ihre Kosten kommen.

Was die Darsteller angeht, so dürften die Erwartungen wohl bei den meisten hier vergleichsweise gering gewesen sein, da man die Schauspieler eigentlich allesamt nicht wirklich kennt. Ich für meinen Teil bin jedenfalls mit den Leistungen der Darsteller eigentlich rundum zufrieden, auch wenn es ihnen eh nicht allzu schwer gefallen sein dürfte, ihre dünnen, blassen Figuren darzustellen. Jedenfalls haben wir es hier durchaus mit einem talentierten Schlag guter Darsteller zu tun, die vielleicht auch mal in Hollywood Fuß fassen könnten. Na mal sehen.

Fazit: Inszenierung Top, Inhaltlich Flop, so könnte man am besten diesen megaerfolgreichen Russland-Import beschreiben. Was die Story und vor allem die Handlung anbelangt, wird leider ein unglaubliches Desaster geboten, was nicht einmal Hollywood leicht toppen kann. Mit einer völlig aus den Fugen geratenen Handlung, blassen Figuren und nicht wenigstens auch nur ein Fünkchen an Logik oder Verstand, wird einem hier eine Geschichte geboten, die anscheinend nur im tiefsten Suff oder völlig zugekifft entstanden sein kann. Doch wer es schafft, den Inhalt auch mal beiseite zu schieben und sich dafür an einer astreinen Inszenierung erfreuen kann, die sowohl fürs Auge als auch fürs Ohr absolute Freudentänze bereithält und dabei auch eine gekonnt knisternde Atmosphäre aufbauen kann, den dürfte "Nochnoy dozor" trotzdem recht gut unterhalten. Hoffen wir mal, dass die Drehbuchschreiber, für die kommenden Teile 2 + 3 noch etwas dazu lernen, dann sind die Chancen, für zwei "gute" Filme durchaus gegeben. Beim ersten Streifen bleibt es aber erst einmal beim Mittelmaß!

Wertung: 5/10 Punkte

Details
Ähnliche Filme