So, so... das soll also der große Russenhammer sein, der westlichen Fantasy-Spektakeln a'la "Herr der Ringe", "Harry Potter", "Stars Wars" und Konsorten zeigen soll, wo in Sachen Fantasy-Action und -Horror besagter Hammer hängen soll. Wirklich schlecht ist "Nochnoi Dozor" ja auch nicht und einen Freibrief in die cineastische Hölle hat er auch noch nicht verdient. Doch den Hype, der um den Film gemacht wurde, ist mir nicht verständlich. Sicher, für den russischen Film mag dies einer Revolution gleichkommen, doch ich persönlich konnte nicht allzu viel anfangen mit "Nochnoi Dozor". Zwar hat er gewisse Aspekte, die mir gefallen, aber irgendwie hat man die ganze Chose schon mal woanders, und teilweise auch besser, serviert bekommen.
Russland: Zwischen den Mächten des Lichts und der Dunkelheit tobte ein ewiger Kampf ohne Sieger. Die Mächtigen beschlossen einen Waffenstillstand, der nun schon seit Jahrhunderten währt. Seitdem herrschen die Licht-Mächte über den Tag, die Kräfte der Dunkelheit über die Nacht. Für die Einhaltung des Waffenstillstands sorgen die "Wächter". Sie entstammen den jeweils "Anderen": Formwandlern, Vampiren, Dämonen und Hexen, die die ahnungslose Menschheit vor dem Zugriff der jeweils gegnerischen Kräfte beschützen. Doch es gibt eine alte Prophezeiung: Durch einen Auserwählten werde dereinst das Gleichgewicht zerstört und eine Seite wird den entgültigen Sieg davon tragen! Als Anton (Konstantin Khabensky), ein Wächter der Nacht in Moskaus albtraumhafter Kulisse, einen Vampir vernichtet und damit eine Lawine des Grauens lostritt, scheint die Prophezeiung wahr zu werden. Der gnadenlose Krieg um Anton und das Schicksal der Welt hat begonnen...
Konstantin Khabensky (The Goddess) wirkt ständig wie eine russische Variante von Clive Owen, ohne jedoch dessen Charisma zu besitzen. Schauspielerisch agiert er ganz solide, kann aber wie der restliche Cast nicht vollends überzeugen.
In vielerlei Hinsicht erinnert "Nochnoi Dozor" an westliche Kinoprodukte. Ein wenig hat man das Gefühl eine unausgegorene Mischung aus "God's Army" und "Constantin" zu sehen, während die Handlung um den sich zwischen zwei Seiten entscheidenden Auserwählten deutliche Parallelen zu Anakin aus der "Star Wars"-Prequel-Trilogie aufweißt. Zwar fällt das hier noch nicht ganz so drastische aus, dass der Auserwählte hier gleich zum abgrundtief bösen Warlord der Marke Darth Vader mutiert, doch kommt man im Endeffekt nicht um diesen Vergleich herum. Ansonsten sind noch diverse Anleihen an "The Matrix", "Der Pakt der Wölfe", "Herr der Ringe" und "Underworld" zu erkennen. Bezüglich der Action hat der Streifen ein paar nette Konfrontationen zu bieten. Hier hat man die Kalashinkov gleich daheim gelassen, weshalb keinerlei Schusswaffengebrauch stattfindet, sondern mit Schneidwerkzeugen und Licht gearbeitet wird. Die eine oder andere blaue Bohne hätte dem Film aber gewiss nicht geschadet. Somit sind die Duelle zwar stets nett anzusehen, doch wird das oftmals durch den schon fast dokumentarischen Filmstil von Regisseur Timur Bekmambetov (Wächter des Tages) zunichte gemacht, weshalb "Nochnoi Dozor" bei den Kämpfen Vergleiche mit "Blade", "Underworld" oder "Constantin" nicht stand halten kann. Was die CGI-Effekte angeht, so sind diese stets schön anzuschauen, dienen im Endeffekt aber nur zur puren Dekoration der Storyline. Eine saltoschlagender Spezial-Bus wirkt darum auch einfach nur lächerlich und unnötig, während die Masken, Kostüme und Kulissen immerhin überzeugen können. Besonders gefallen hat mir hier die Idee mit dem Wirbelsäulenschwert im Showdown und die Aufmachung der Krieger im Prolog. Als Kulisse dient hier natürlich Moskau, wobei Welt aus schmutzugen Autos, schlechten Häusern und hungrigen Mäulern eine willkommene Abwechslung zu den bekannten Skylineaufnahmen von New York, Los Angeles oder London sind. Somit muss man Bekmambetov auch zugute halten, dass er Moskau in keinster Weise glorifiziert und eine stylische Maske verpasst hat, um über die bittere Realität hinwegzutäuschen. In US-Produktion ist das ja bekanntlich häufiger der Fall. Doch abseits der tollen Kulissen, Kostüme und Masken konnte mich "Nochnoi Dozor" wenig überzeugen. Zum einen wird die auf einer Romanvorlage beruhende Handlung zu überladen und streckenweise auch zu wirr erzählt, als dass man logische Schlüsse ziehen könnte. Zwar werden einige Verknüpfungen gegen Filmende klarer (z.B. Anton ist der Vater des Auserwählten usw.), doch werden weitere Erläuterungen größtenteils zum Wohle der Schauwerte geopfert. Ein weiterer Minuspunkt mag auch der sein, dass einem die Darsteller kaum bis gar nicht bekannt ist (was eigentlich nicht allzu schlimm ist), und man sich recht wenig mit den Figuren identifizieren kann oder irgendwelche Sympathien für sie empfindet. Und der Showdown sowie das Ende ist einfach nur langweilig, da man ähnlich gelagerte Szenarien bereits kennt. Im musikalischen Bereich beschränkt man sich in der EU-Fassung mit englischsprachigem Rock, während im russischen Original harter Russen-Metal vorherrscht. Mir gefallen beide Optionen, wenngleich ich eher zum Euro/US-Rock tendieren würde. Russische Mucke war eh noch nie mein Ding, was letzendlich natürlich Geschmackssache ist.
Alles in allem ein eher enttäuschendes Erlebniss, da man sich ja oftmals von einem so hoch gepushten Werk mehr erwartet. Nix gegen den russischen Film, aber ich ziehe eindeutig Ware aus dem Heimatland, England, Frankreich und Amerika Beiträgen wie "Nochnoi Dozor" vor. Nun wird es allerdings auch Zeit, dass hierzulande ein Film aus dem Boden gestampft wird, der im Ausland für ähnliche Furore sorgen kann. Und bitte nicht wieder irgendwelche Filme über Teeniedraman, Pseudo-Komödien, den zweiten Weltkrieg oder die Nachkriegsgeschichte. Das hatten wir schon und konnten damit im Ausland punkten. Jetzt wird es doch mal höchste Zeit für unsere Horror-, Action- und Fantasy-Werke, mit denen man wirklich mit englischsprachigen Formaten konkurrieren kann. Doch anscheinend hat man hier nicht die Eier zu so was...