Nachdem Lewis Teagues „Alligator“ zum beliebten Echsenhorror avancierte, bastelte man 11 Jahre später eine Fortsetzung unter der Regie des B-Filmers Jon Hess („Excessive Force“, „Watchers“).
Eine vernünftige Exposition, wie sie das Original besaß, leistet sich „Alligator II“ allerdings nicht und fliegt regelrecht durch die Szenen: Giftmüllabladen zu Beginn, anschließend das Verknurpsen zweier spanischstämmiger Nachtfischer durch das Kroketier, das anscheinend schon vorher in der Kanalisation lebte, aber dann nachher durch die Gift-Kloake so richtig geboostet wurde. Genau geklärt wird das freilich nicht, auch später im Film bleiben solche Fragen unbeantwortet, Hauptsache es geht hurtig weiter im Text.
Dann also die Hauptfigur, wieder ein Cop, wieder ein harter Hund, in diesem Falle heißt er David Hodges (Joseph Bologna), verheiratet ist er mit der Biologin Christine (Dee Wallace), damit man auch schnell zu den richtigen Untersuchungsergebnissen kommt. Also ist schon nach den ersten Leichen(teil)funden klar: Da schnappert sich doch tatsächlich ein Riesenkroko durch die Kanalisation und den örtlichen See. Damit ist der harte Cop dann außer sich, wobei er außer seinen behaupteten und seltenen bewiesenen Toughness so gut wie keine Eigenschaften mitbringt.
Der Bürgermeister, kontrolliert von dem schmierigen Immobilienmagnaten Vincent ‘Vinnie‘ Brown (Steve Railsback) denkt aber nicht daran das geplante Fest am See abzusagen und engagiert lieber Großwildjäger, die aber nicht wissen, worauf sie sich einlassen. Dementsprechend ist bald die Kacke am Dampfen…
An das von „Der weiße Hai“ aufgestellte Muster des Tierhorrors halten sich viele Genrefilme, gerade das nicht abgesagte Event als Schauplatz des blutigen Höhepunkts ist da eine ganz beliebte Konvention, und auch der erste „Alligator“ folgte diesem Muster auf wissend-ironische Weise. „Alligator II“ hingegen kopiert es und vor allem den Vorgänger nur noch dumpf, nahezu jedes Handlungsdetail ist aus Teagues Film abgepaust, nur minimal variiert (anstelle der Straße durchbricht der Alligator eine Wand, die Jäger sind keine Weltenbummler, sondern Rednecks) und ohne dessen Ironie umgesetzt, da sich „Alligator II“ unschön ernst nimmt.
Die Figuren sind meist auf eine klischeehafte Eigenschaft runtergebrochen: Der Cop ist stoisch hart, die Ehefrau blitzgescheit, der neue Kollege unsicher, der Polizeichef autoritär und der Immobilienhai führt sich stets als latent aggressives Rumpelstilzchen mit Gangsterallüren auf. Dabei kommt der Plot trotz rasend schnell abgefrühstückter Exposition nicht von der Stelle, geizt mit Kroko-Attacken, Glaubwürdigkeit und Budget: Wenn zwei Autos einander rammen, dann hört man das nur, während die Karren nah beieinander fahren, anscheinend gab es keine weiteren Stuntautos mehr, da ist man fast schon überrascht, dass eines der Teile am Ende der besagten Szene tatsächlich geschrottet wird (vermutlich wurde es da nicht mehr für weitere Drehtage gebraucht).
Joseph Bolognese, ähh, Bologna zimmert dem Kroko-Sequel dann noch einen weiteren Sargnagel ein, denn der uncharismatische Holzklotz ist die denkbar schlechteste Wahl für einen Hauptdarsteller, wobei Steve Railsback als Fiesling im Overacting-Modus auch schon reichlich den Trashfaktor hebt. Dee Wallace darf als Frauchen bloß treudoof danebenstehen, Holly Gagnier als pseudo-aufmüpfige Bürgermeistertochter hat es da kaum besser getroffen, ist doch nur als Love Interest für Bolognas farblosen Sidekick Woody Brown da, womit gleich zu saftlos abgefrühstückte Pärchengeschichten Einzug in das Script gefunden haben. Einziger Lichtblick: Richard Lynch als harte Großwildjägersau, der zwar kein so amüsanter Popanz wie sein Vorgänger Henry Silva ist, dafür aber mehr Screentime bekommt und mehr tatsächliche Bad-Ass-Qualitäten zeigen darf.
Diese natürlich im Kampf gegen den Alligator, der dank Chemie-Boost weitestgehend kugel- und explosionssicher ist – man frage nicht warum. Der bewegt sich allerdings mit der Geschwindigkeit eines Trabis ohne Motor und wirkt fast genauso bedrohlich, der Schwanz des Biests peitscht mit gefühlten 0,2 km/h, doch die Opfer fliegen wie vom Affen gebissen durch die Gegend und die Größe des Viehs variiert auch von Einstellung zu Einstellung. Das liegt unter anderem an der Kombo von realen Kroko-Aufnahmen, einen mechanischen Biest und den in die Kamera gehalten Einzelbauteilen (Schnauze, Schwanz), die nicht so richtig aufeinander gestimmt sind und es auch im Endschnitt nicht wurden. Noch dazu werden kaum Leute verknurpst, selbst bei der Attacke auf das Fest rennt die Panzerechse nur rum, verbreitet Panik und frisst kaum jemanden. Dass ihm zu Anfang arme Latinos und Obdachlose zum Opfer fallen, kann mit viel Wohlwollen als sozialen Kommentar lesen oder als die pure Genre-Konvention erkennen, welche „Alligator II“ hier genauso bedient wie in seinen harmlosen Fressszenen, in denen ein wenig rotes Wasser oder durchs Wasser treibendes Latexbein schon das Gewagteste sind.
Hin und wieder machen die handgemachten Effekte Laune und Richard Lynch darf als Großwildjäger so richtig vom Leder ziehen, das spricht immerhin für „Alligator II“. Ansonsten ist der holprig geschriebene, unspektakulär inszenierte und im Endeffekt einfach langweilige Alligatorenhorror aber schlicht und einfach vergessenswerte Genrekost, bei der man den Witz und das inszenatorische Geschick des kultigen Vorgängers vergeblich sucht.