Das Jahr 2004, das Jahr der deutschen Comedy-Szene im Kinoformat. Nachdem sich bereits Oliver Kalkofe und Bastian Pastewka im herrlichen "Der Wixxer" ausgetobt haben und auch Bully & Friends mit ihrem "Traumschiff Surprise" keine Bruchlandung hinlegten, sollte nun noch der ungekrönte König aller Blödeleien auf die Leinwand zurückkehren: Otto Waalkes. Zusammen mit einer ganzen Horde von deutschen Top-Comedians bringt er nun, kurz vor Weihnachten, noch seine Märchen-Satire "7 Zwerge - Männer allein im Wald" ins Kino. Und auch hier gibt es wieder viel zu lachen, doch mit seinen Mitstreitern können Otto und Co. dieses mal nicht ganz mithalten.
Denn der Anfang vom ganzen Lied ist erst einmal ziemlich schwach geraten. Nachdem sowohl der erste als auch der zweite Gag wirklich gut funktionierten, verliert sich das Ganze erst einmal in einem ziemlich kindischen Nonsens-Streifen, der vorerst nichts Gutes erahnen lässt. Denn in den ersten 30 Minuten schüttelt man erst einmal den Kopf über die gebotene Blödheit, die man hier präsentiert bekommt. Gags wie das Brettspiel, bei dem sich die Zwerge gegeneinander auf den Kopf hauen, bis einer "Schach" sagt, sind einfach nur bescheuert und können maximal die Kleinstkinder im Publikum zum Lachen bringen. Dazu ein schrecklich dämliches und kindisches Schneewittchen, dass mit 17 Jahren noch mit Barbiepuppen spielt und von Cosma Shiva Hagen einfach nur völlig untalentiert und unglaubwürdig herüber gebracht wird. Am liebsten würde man schon fast das Kino verlassen wollen, da man der Meinung ist, in einem völligen Flopp gelandet zu sein.
Wer dann aber doch sitzen bleibt kann sich freuen, denn nach einiger Zeit steigert sich die Gag-Rate dann doch in einige unerwartete Höhen. Das liegt vor allem daran, dass sich die Komiker hier allesamt so austoben dürfen, wie man es aus ihren sonstigen Rollen kennt. Am meisten hervorzuheben ist dabei u.a. Hyperprimus Mirco Nontschew, der einmal mehr als hyperaktives Hampelmännchen überzeugen kann. Seine grenzenlosen Zappelattacken, gepaart mit süperbsten Geräuschen, die er allesamt mit seinem Sprechorgan vollführt, bringen einen immer wieder zum Schreien. Dazu ein großartiger Martin Schneider, der sich mit seinem typisch hessischen Akzent und seinem schneckenartigen Supertempo, voll und ganz in seine Rolle des "Blitzmerkers" Speedy einlebt und ihm dadurch eine ganz besondere Note verleiht. Otto ist natürlich, wie immer, das kindliche Gemüt des Trupps, doch kann er es erst in der zweiten Hälfte des Films zu manchem Brüller bringen. In den ersten Minuten geht er einem eher tierisch auf die Nerven, mit seinen angestaubten und teils arg recycelten Witzen. Heinz Hoenig und die anderen Zwerge wirken dagegen allerdings blass und verschenkt. Vor allem Ralf Schmitz ist unter aller Kanone!
Außerhalb der Zwergenkolonie tummeln sich ebenfalls ein paar Größen, von denen aber auch nicht jeder überzeugen kann. Am hervorragendsten ist da noch Rüdiger Hoffmann. Hoffmann als Zauberspiegel, der nicht auf den Punkt kommt, dürfte man wohl definitiv als die beste Idee des ganzen Films bezeichnen. Sein Part bietet absolute Brüller-Garantie und schon wenn er sein berühmtes "Ja Hallo erstmal - Ich weiß gar nicht ob sie es wussten" säuselt, bebt der Saal vor Lachen. Aber auch der große Hans Werner Olm (ein, in meinen Augen, sehr unterschätzter Komiker) bringt seinen Part, als vom Pech verfolgter Butler der bösen Königin, optimal zur Geltung. Nina Hagen geht einem dagegen wieder mächtig auf den Senkel. Schauspielern konnte sie ja noch nie, und ihr mörderisches Gekreische, was sie hier nicht nur einmal an den Tag legt, vermag einem mehr Kopfschmerzen bereiten als alles andere. Dazu gibt es noch einige mehr oder wenige lustige Cameos von Helge Schneider (Witzig, aber viel zu kurz), Christian Tramitz (verschenkt) Hilmi Sözer (Brüller), Tom Gerhardt (ebenfalls ein Brüller) und Harald Schmidt (völlig verschenkt). Alles in allem ein bunter Haufen mit einigen wirklichen Höhepunkten, aber auch manchem Trauerspiel!
In punkto Gag-Rate ist, wie schon erwähnt, nur die zweite Hälfte des Films wirklich zu gebrauchen. Am Anfang dümpelt noch alles vor sich hin, später gibt es einige Schmunzler zu verzeichnen und danach wird es doch noch richtig witzig. Höhepunkte sind dabei unter anderem die Rammbock-Szene und die Narrencasting-Szene. In der Letztgenannteren dürfen sich die Stars der Zwergenbande nämlich alle mal einzeln zu Schau stellen. Und auch hier geht die Witzekrone an Martin Schneider, der mit seinem Versuch einen Witz möglichst gut zu erzählen und dabei länger braucht als alle anderen Zwerge zusammen, einfach grandios ist. Solche Szenen hätte es wirklich öfter gebraucht.
Was die Inszenierung des Ganzen angeht, kann man zudem sehr zufrieden sein. Wie schon Bully mit seinen Traumschiff, so haben auch Otto und Regisseur Sven Unterwaldt Jr. weder Kosten noch Mühen gescheut, um ihre Komödie opulent und mit Liebe zum Detail zu inszenieren. Und das obwohl man nur in zwei unterschiedlichen Studios gedreht hat. Vor allem die Kulisse des Zwergenhauses ist wunderbar geworden. Dazu das mächtig ausgestattete Schloss der Königin und manch anderer visueller Schmaus. Viele Mühe steckt hier drin, damit so mancher Blindgänger übertüncht werden kann. Mal funktionierts, mal funktionierts nicht!
Fazit: Aufwändig inszenierte Märchensatire, gespickt mit einigen Filmverarschungen alla "Der Herr der Ringe", die nach einem äußerst müden Start doch einiges zum Lachen anbieten kann und dabei eigentlich niemals langweilig wird. Zwar ist hier auch die Blindgänger-Rate nicht gerade dünn, doch wirkliche Brüller sind auch nicht unbedingt selten. Gepaart mit einer Mischung aus manch grandiosem, manch verschenkten Comedian-Auftritt, bleibt am Ende eine Comedy übrig, bei der sich die Fans dieser Comedians manchmal durchaus auf die Schenkel klopfen können, alle anderen aber sicher kalt läßt. Definitiv der schwächste Streifen der drei großen deutschen Comedy-Streifen im Jahre 2004, aber trotzdem kein schlechter Film!
Wertung: 6,5/10 Punkte