Review

Prinzipiell müßte ja jetzt zunächst mal ein mehr oder weniger gelungener Zwergengag voranstehen, aber nachdem man sich als wackerer Kinogänger jetzt durch drei deutsche, großangelegte Chaos-Komödien ohne wenn und aber gearbeitet hat, vermeide ich jeglichen Aufriß, sondern möchte lediglich zusammenfaselnd fortpflanzen:

Also: die Schlangen waren mal wieder extrem lang vor den Kinos, die Meckerer waren am lautesten und dennoch klettern die Besucherzahlen nördlich von fünf Millionen, sicheres Indiz dafür, daß ein extrem kindischer, aber doch irgendwie befriedigender Film seine Kreise zieht.
Kalkofes „Wixxer“ litt ja noch deutlich an der Unentschiedenheit der beigefügten Comedystile, die sich einfach nicht miteinander verbinden konnten und legten die Berge und Täler im filmischen Comedy-Talent ziemlich offen, wobei ausgerechnet Kalkofe selbst schlecht bei weg kam. Bullys „Traumschiff“ profitierte von der Überpopularität der Bullyparade-Figuren, dem entsprechendne Tam-Tam und dem für Deutschland ungewohnt internationalen Look, wobei nicht übersehen werden sollte, daß das Trio in dem Versuch, sich selbst an Witzigkeit zu übertreffen, manchmal vollkommen außer Tritt geriet und die Parodie bisweilen zum unoriginellen Selbstzitat wurde.

„7 Zwerge“ nun ist der anspruchsloseste von den drei Filmen, der zwar ein Märchen als Blaupause nimmt, jedoch nie ein gesetztes Ziel erkennen läßt, außer eine Horde von gegensätzlichen Comedians in einem Film zu versammeln und jedem sein Set Piece zukommen zu lassen. Normalerweise zieht so ein Film unheimlich schnell Wasser und geht unter wie ein Stein, doch duch glückliche Fügung des Schicksals, ist dieses deutsche Märchen tatsächlich zu einer charmanten, wenn auch albern-kindischen Angelegenheit geworden.
Ich hab mich zur besseren Rezeption selbst in den Zustand eines 14jährigen zurückzusetzen versucht (was zur Folge hatte, daß einen die kichernden Schulklassen um einen herum nicht mehr so stören) und siehe da, der Film funktioniert, wenn auch auf der Basis erfreuten Gegniggers und auf Kosten des Wiedererkennungseffekt der jeweiligen Lach-Promis.

Ergo ist „7 Zwerge“ dann auch mehr ein Suchspiel, denn eine echte Parodie auf Männerkommunen und Märchenbücher, aber eins, mit dem sich Spaß haben läßt.
Erfreulich, daß Otto selbst einen Schritt zurückgetreten ist und den Film nicht an sich reißt, im Gegenteil, er tendiert zum Retro-Stil und kehrt zurück zur Infantilität des Kindes, womit er durchaus noch Sympathien gewinnen kann. Positiv zu vermerken sind sicherlich Nina Hagen (die ich persönlich nicht ausstehen kann), die überraschendes Comedy-Timing beweist; H.W. Olm, der beweist, daß er ein überaus vielseitiger komischer Darsteller sein kann; Rüdiger Hoffmann gehört sicherlich als magischer Spiegel zu den wenigen komischen Juwelen, während die Schneiders (Martin und Helge) zumindest ihrem Stil gerecht werden.
Nicht ganz gerecht werden kann der Film den Talenten von Harald Schmidt (der immerhin Selbstironie beweist), Christian Tramitz (der in Bullyparade einfach besseres Material hatte), Tom Gerhardt (dito) und sicherlich dem Comedy-Talent Ralf Schmitz, dessen lispelnder Sunny einfach zu nah am Debilen war.

Selbstverständlich produzieren sie alle nur eine Sketchparade nach gewohnten Ablaufschemata, die aber gut funktionieren und nah am Märchen bleiben, auch wenn es an einer großen Schlußpointe fehlt und der Film nicht mit einem Bang endet, sondern mehr mit einem Flüstern. Das Problem bleiben sicherlich auch hier überhöhte Erwartungen und eben der Anspruch, das kindlich Infantile in sich zu erwecken. Und das funktioniert übrigens auch gut mal ohne Körperflüssigkeiten, Tierquälerei oder das Vögeln unschuldiger Backwaren.

In sich der noch reizenste und charmanteste der drei und auch der, der am geschlossensten wirkte. Alle miteinander keine Sternstunden, aber hier kehrte ich dem Saal am zufriedensten den Rücken. Und so nahm dann doch alles ein gutes Ende. (7/10)

Details
Ähnliche Filme