Viel zur Erklärung der Geschichte des Films muss nicht
gesagt werden. „7 Zwerge" ist eine neumodische Adaption des berühmten Märchens
„Schneewittchen", in dem die schöne Königstochter Schneewittchen von ihrer
bösen Stiefmutter, getrieben von ihrer Besessenheit „die Schönste im ganzen
Land" zu sein, aus dem Weg geräumt wird. Durch das Mitleid des Jägers, der das
hübsche Mädchen zur Strecke bringen soll, bzw. in diesem Film durch dessen
Unvermögen, entkommt Schneewittchen ihrem Schicksal und findet Unterschlupf bei
den sieben Zwergen. Soweit deckt sich die Handlung des Films mehr oder weniger
mit der Märchenvorlage der Gebrüder Grimm. Damit ist der Stoff keineswegs neu;
so auch das komödiantische Element der Geschichte. Vor allem das Klischee der
sieben allein im Wald hausenden Männer wurde das eine oder andere mal von mehr
oder weniger komischen Zeitgenossen benutzt und wirkt aus diesem Grunde ein
wenig abgeschmackt. Diese Umstände sind natürlich kein guter Ausgangspunkt für
eine gelungene Komödie, jedoch könnte man sich vorstellen, die Geschichte mit
Hilfe ordentlicher Gags und einiger Überraschungselemente ein wenig
aufzupäppeln. Doch gerade daran mangelt es in diesem Film erheblich: Die eigens
für diesen Streifen angelegten Verwicklungen und Beziehungsverflechtungen
werden vom Betrachter auf Anhieb durchschaut (Bsp.: Chefzwerg ist König und
gleichzeitig Vater von Schneewittchen), die Charakterisierung der einzelnen
Figuren und ihrer Beweggründe geschieht nur flüchtig und kommt sehr lieblos daher
und das von der Märchenvorlage komplett abweichende Ende wirkt so dermaßen
dahingerotzt, sodass ich mich als Kinogänger oder Käufer der DVD zwangsläufig
verarscht vorkomme. Die Story von „7 Zwerge" ist trotz der traditionsreichen
Vorlage ein Totalausfall.
Die Ausstattung des Films, besonders die Kulissen, ist
zwar hübsch anzusehen, wirkt jedoch enorm plastisch und unecht. Auch wenn eine
solch surreale Umsetzung der Schauplätze ideal zum Märchenambiente passt, hätte
man sich die Realisierung durchaus gelungener vorstellen können. Ansonsten
besticht der Film durch knallige, bunte Bilder, die im Kontext des Themas
sicherlich angemessen erscheinen. Filmtechnische Raffinessen waren ohnehin
nicht zu erwarten, nicht eine einzige Kameraeinstellung erzeugt überraschende
Momente, kein stilistisches Mittel bringt den Zuschauer aus der Ruhe. Aber das
soll der Film „7 Zwerge" ja nicht, denn schließlich dient er der geradlinigen
Unterhaltungen eines breiten Publikums und nicht der Befriedung
avantgardistischer Kunstfilmliebhaber
Ähnliches wie zum Bild lässt sich auch zur musikalischen
Untermalung des Films sagen: Sie erscheint dem Zweck nach angemessen, erfindet
dementsprechend aber auch das Rad nicht neu. Selbst nach wiederholtem Sehen von
„7 Zwerge" bleibt kein Musikstück des Soundtracks im Gehör, letztendlich
scheint er genauso mau wie die Handlung an sich daher zu dümpeln. Einzig und
allein das Zwergenlied, ein neuzeitliche, vom Hip-Hop inspirierte Version von
Disneys „Hey-Ho", die noch beim ersten Hören ein mitleidiges Schmunzeln
verursacht, schlängelt sich wie ein unliebsamer Ohrwurm durch den Gehörsinn des
Betrachters.
Die Kategorie „Besetzung" ist wohl die einzige Kategorie
in der der Film „7 Zwerge" wirklich Punkte gutmachen könnte, denn in diesem
Streifen ist so ziemlich jeder vertreten, der in der deutschen
Comedy-Landschaft Rang und Namen besitzt. Doch leider können nicht alle mit
gutem Rang und Namen eine halbwegs passable Leistung abrufen, was die Analyse
der Besetzung zu einer Gradwanderung zwischen Licht und Schatten verkommen
lässt.
Die sieben Hauptrollen der sieben
Zwerge wurden mit folgenden Personen besetzt: Otto Waalkes, Heinz Hoenig, Mirco
Nontschew, Boris Aljinovic, Markus Majowski, Ralf Schmitz und Martin „Maddin"
Schneider. Otto Waalkes, Blödel-Barde, Mitproduzent und heimlicher Star des
Films liefert als idiotischer Zwerg Bubi sowie als Co-Drehbuchautor eine debile
Darbietung ab, die nur als verzweifelter Versuch, Bully Herbig mit seinen
Kinoerfolgen nachzueifern, abgetan werden kann. Mit dieser lächerlichen
Leistung hat sich der einstige Comedy-Monopolist endgültig ins Abseits
gestellt. Heinz Hoenig, einer der wenigen ernstzunehmenden Schauspieler am Set,
wirkt wie im falschen Film. Die Akteure Markus Majowski, einer von den
„Dreisten Drei" und „Werbeikone" für Bratbruzzler, sowie Boris Aljinovic, bei
dem ich mich frage, wo man den überhaupt ausgegraben hat, würden wohl im jedem
Film falsch wirken. Mirco Nontschew hat hingegen seinen Ruf weiter gefestigt -
als alberner Clown wohlgemerkt. In der Rolle des Zwerges überzeugen lediglich
Martin „Maddin" Schneider, der als Zwerg Speedy zwar seine Masche als lahmender
Denker ausspielt, aber immerhin noch witzige Glanzmomente aufweisen kann und
Ralf Schmitz, Cordulas verkappter Verehrer aus der „Schillerstraße", der
weniger durch sein komödiantisches Talent als durch sein zwergenähnliches
Äußeres auffällt. Ein noch größerer Reinfall als die ohnehin schon miesen
schauspielerischen Leistungen einiger Zwergendarsteller ist die Fehlbesetzung
des Schneewittchens mit der jungen Cosma Shiva Hagen. Äußerlich kann sie
vielleicht annähernd der Märchenvorlage das Wasser reichen, doch mit ihre
emotions- und lustlose Darbietung sowie bloßes Textaufsagen verleihen ihr nicht
einmal einen Anflug von märchenhaftem Flair. Umso besser gelungener ist die
Besetzung der bösen Stiefmutter mit Cosma Shivas Mutter, der Punk-Röhre Nina
Hagen. Ihr schrilles Aussehen und ihr aufgesetztes Verhalten, dass sie auch
privat an den Tag legt, passen wunderbar ins Bild der schrulligen, neurotischen
Königin, die von ihrem eigenen Schönheitsideal besessen ist. Die beste
Darbietung im gesamten Film stammt wohl von Hans Werner Olm, der Spliss, den
Handlager vom Dienst mimt. Sein Charakter erinnert stark an Frank `N` Furters
außerirdischen Spießgesellen und Butler Riff Raff aus der „Rocky Horror Picture
Show" und hat großen Anteil an den spärlich gesäten, guten Gags im Film.
Besonders erfrischend sind die
hochkarätig besetzten Neben- und Kleinstrollen, die den ansonsten eher trägen
Schauspielerfluss deutlich auflockern. So sind U. a. Hilmi Sözer und Tom
Gerhardt als Schlosswachen, Christian Tramitz als Jäger, Atze Schröder als
Hofnarr, Rüdiger Hoffmann als um den Brei redender Spiegel, Helge Schneider als
„weißer Helge" (als Anspielung auf Gandalf den Weißen) und Harald Schmidt als
Mitbewerber um den frei gewordenen Platz als Hofnarr zu bestaunen. Teilweise
bleiben auch ihre Auftritte hinter ihren sonstigen Leistungen, für die sie
sonst gewürdigt werden, zurück, aber wie bereits erwähnt, beleben sie den Film
immens.
Der Unterhaltungswert von „7 Zwerge" ist eine glatte Katastrophe. Eine
derart unwitzige Komödie ist mir selten unter die Augen gekommen. Vor allem
wenn ich bedenke, dass Deutschlands Comedy-Elite in diesem Film mitwirkt,
versinke ich vor Scham im Erdboden und sehne mich nach gutem schwarzen,
britischen Humor, auch wenn der sich seit Monty Python nicht viel weiter
entwickelt hat. Die guten Gags, die ein oder zwei Lacher wert sind, lassen sich
an einer, maximal an zwei Händen abzählen, die restlichen „Scherze" setzen sich
aus infantilen Albereien, plumpen Kalauern und grottenschlechtem Slapstick, der
selbst zu Zeiten von Dick und Doof peinlich gewesen wäre, zusammen. Ich kann z.
B. nicht darüber lachen, wenn die sieben Zwerge „Brettspiele" spielen und sich
dabei Holzlatten vor ihren hirnverbrannten Schädel schmettern. Genauso wenig
witzig finde ich Fäkalhumor, der bei jedem 08/15-Teeniefilm seine Verwendung
findet. Oh, Zwerg Speedy, stellt sein Kotkatapult zum Schutz vor ungebeteten
Gästen vor - oh graus, überraschender Weise löst es sich rein zufällig von
selbst aus und pfeffert den Zwergen sämtlichen Unrat entgegen...Selten so
gelacht. Mindestens genauso durchschaubar wie die seichten Gags ist der Rest
der Story. Wen wundert's noch nach der ersten Begegnung zwischen Schneewittchen
und Chefzwerg Heinz Hoenig, dass er ihr Vater und der rechtmäßige König ist??
Mich nicht...Seltsamer Weise stehe ich mit meiner Meinung alleine auf weiter Flur
- oder wie ist sonst der Erfolg von „7 Zwerge" an den Kinokassen zu erklären?
Hat sich Kinodeutschland von dem vermeintlichen Staraufgebot blenden lassen
oder ist das Land der Dichter und Denker humoristisch auf Steinzeitniveau
verkümmert?
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