Einer der erfolgreichsten Filme des Jahres 1994 war The Flintstones – Die Familie Feuerstein. Landete der Film im US-Ranking noch auf Platz 5, so wollten die Zuschauer in Deutschland nur Der König der Löwen noch lieber sehen. Dieses Verhältnis ist erstaunlich, denn obschon die Cartoon Serie Familie Feuerstein bereits 1966 im Programm der ARD debüttierte, so war sie doch bis zum Riesenboom um Die Simpsons in den USA die erfolgreichste gezeichnete Prime Time Show aller Zeiten.
Dabei war am ersten April 1966 allerdings schon wieder Schluß auf ABC für die Steinzeit Sitcom, die mit der nun zu sehr auf ein junges Publikum zugeschnittenen Serie keine den Erwartungen entsprechende Quote mehr machte. Es folgten noch TV Specials und kurzlebige Experimente, die sich über den Erfolg der sechs Staffeln mit ihren 166 Episoden nicht erheben konnten.
Was das Interesse an The Flintstones – Die Familie Feuerstein gerade in Deutschland angeheizt haben könnte, das war neben der Dinomanie durch die Blockbuster Sensation Jurassic Park aus dem Vorjahr auch die erneute Ausstrahlung der Familie Feuerstein seit den 80er Jahren auf dem Privatsender Sat.1. Hierfür erfuhren die Folgen bei der Arena Synchron eine typische Frischzellenkur durch Thomas Keck und z.B. Fred Feuerstein wurde nun von Heinz Theo Branding gesprochen.
Die Familie Feuerstein lief in Deutschland rauf und runter. Bis in die 90er hinein wurden weitere Feuerstein-Ableger bearbeitet, so daß ein wesentlich zeitaktuelleres Bewusstsein für das Franchise möglich ist.
Das Erfolgsrezept der Familie Feuerstein entstand aus dem Vorhaben der Hanna-Barbera, endlich wieder ein Zeichentrickformat zu schaffen, welches nicht nur Kinder, sondern auch die Eltern ansprach. Dieses Prinzip empfand man als Basis für die Tom und Jerry Cartoons, die als Maßstab galten.
Nachdem man unterschiedliche Szenarien durchgespielt hatte, in denen sich eine Sitcom nach dem Vorbild der Fernsehserie The Honeymooners umsetzen ließ, entschied man sich gegen Hillbillies, Römer oder Indianer für Steinzeitmenschen, die mit Dinosauriern zusammen leben.
Das Ergebnis The Flintstones (Die Feuersteins) spricht für sich, wie die oft anstelle zeitgenössischer Apparate eingesetzten Tiere, wenn sie die vierte Wand durchbrechen und sich an den Zuschauer wenden. Modernes Leben prähistorisch nachgespielt ist eine Mordsgaudi, wenn als Würze die erprobten Mechanismen einer Sitcom beigefügt werden.
Bereits Tex Avery hatte mit seinem Cartoon Der erste Bösewicht aus dem prähistorischen Texas berichtet, wo Dinosaur Dan als Ganove sein Unwesen trieb. Die möglichen Einflüsse auf die Familie Feuerstein gehen sogar noch weiter zurück.
Auch die Fleischer Studios hatten in den 40er Jahren ein dutzend Cartoons produziert, in denen modernes Verhalten in eine steinzeitliche Umgebung versetzt wurde.
Der frühesten Vorgänger des Konzeptes findet sich wohlmöglich in Willis H. O’Briens R.F.D. 10,000 B.C.: A Mannikin Comedy, ein Trickfilm von 1916, bei dem der Stop-Motion-Pionier seinen Postboten mit einem Sauriergespann zum Dienst schickt und dieser das Liebesleben der Empfänger gehörig aufmischt.
Damals war auch für Hanna-Barbera vollkommen klar, daß das Format aufgrund des Settings nur als Trickfilm möglich ist, weshalb die Show zu einem einmaligen Erlebnis werden konnte. Doch hatte sich dies inzwischen so sehr verändert, daß The Flintstones – Die Familie Feuerstein ohne Abstriche als Realfilm in die Kinos gelangen konnte?
Schon 1985 hatten die Produzenten Keith Barish und Joel Silver die Rechte an den Flintstones erworben. Im Gespräch für die Regie war Richard Donner, für die Rolle des Fred Feuerstein James Belushi. Drehbücher von Steven E. de Souza oder Mitch Markowitz führten jedoch zu keinem gewünschten Ergebis, so daß The Flintstones – Die Familie Feuerstein brach lag, bis Steven Spielberg mit seiner Amblin Entertainment schließlich zuschlug und die Rolle des Fred Feuerstein unweigerlich an John Goodman ging, den man schon als Dan Conner in der Sitcom Roseanne immer wieder schmunzelnd mit dieser Schablone vergleichen musste. Statt dem verhinderten Danny DeVito übernahm Rick Moranis den Barney Geröllheimer.
Brian Levant, zunächst Autor für Mork vom Ork und Happy Days, erst spät Regisseur für Ein Satansbraten kommt selten allein und Ein Hund namens Beethoven, wird im Making Of dann als Heilsbringer gehalten, da er durchweg Flintstones Fan sei und mit seinem Wohnzimmer voll Merchandise die nötige Überzeugung geleistet habe.
Dabei ist er als Co-Autor aber auch Mitgewinner der Goldenen Himbeere für das schlechteste Drehbuch 1994 geworden, Rosie O’Donnell wurde mit diesem Anti-Preis für die schlechteste Nebenrolle ausgezeichnet, die damit Elizabeth Taylor ausstach die ebenfalls für The Flintstones – Die Familie Feuerstein nominiert war und eine Himbeere für das schlechteste Remake wäre auch fast drin gewesen. Dabei handelt es sich ganz sicher um Früchte der Kritik, bei der insbesondere die Geschichte im Gegensatz zu den tollen Effekten sehr schlecht wegkam.
Mit vielen modernisierten Show Tunes unter anderem durch die hier als BC-52′s auftretende Band The B-52′s orientiert sich The Flintstones – Die Familie Feuerstein extrem nah an der Fernsehserie – so nah, daß die New York Times seinerzeit vorwarf, die “über 30 Autoren” hätten sich zu sehr um eine Authentizität des 60er Originals gekümmert, so daß zu wenig zeitgenössische Gags ihren Platz gefunden hätten. Gespart hat man weder bei den Effekten noch der Ausstattung, die film-dienst wie Los Angeles Times als kongenial feierten, angesichts der Handlung jedoch als verschenkt ansahen.
Davon ahnt man während des Vorspanns, der das Zeichentrick Original bis ins Detail nachempfindet, natürlich nichts. Alles sieht flott aus. Unzählige mobile Fahrzeuge wurden für den Fußantrieb konstruiert. Ganze Siedlungen wurden für The Flintstones – Die Familie Feuerstein aus Styropor und Zement errichtet. Dank der dosierten Computereffekte von Industrial Light & Magic und mittels der Hilfe von Jim Henson’s Creature Shop, der unzählige animierte Puppen zur Darstellung prähistorisch-moderner Utensilien lieferte, entsteht die perfekte Illusion eines lebendigen Bedrocks. An nichts wurde gespart. Was sollte also schief gehen?
Vielleicht ist es eine späte Erkenntnis über den Gehalt der ursprünglichen Fernsehserie Familie Feuerstein, die oftmals von ihren originellen Einfällen zehrte. Von den Werbeplatzierungen der Zigarettenmarke Winston, dem Sponsor der ersten beiden Staffeln, bis zu unzähligen weiteren Kooperationen und Fanartikeln reicht hingegen die kommerzielle Seite, die sich in der RocDonalds Kampagne wiederspiegelt, welche The Flintstones – Die Familie Feuerstein und die Gestaltung der Fast-Food Restaurants zum Kinostart verband.
Der Kinofilm setzt innerhalb der vierten Staffel der Zeichentrickserie Familie Feuerstein an und greift die Adoption von Bamm-Bamm durch die Geröllheimers auf.
Nachdem die Serie als erstes Zeichentrickformat mit Fred und Wilma Feuerstein ein Pärchen gezeigt hatte, welches im selben Bett schläft und in der dritten Staffel konsequent die Schwangerschaft mit Pebbles einen zentralen Handlungsbogen beschrieb, hatten Hanna-Barbera seinerzeit auch mit dem Thema Unfruchtbarkeit Neuland betreten.
The Flintstones – Die Familie Feuerstein schließt damit in der Handlung aber auch an eine Zeit an, zu der die Inhalte begannen, weniger an ein erwachsenes Publikum gerichtet zu sein. Auch wenn es ungewöhnlich für eine Realverfilmung ist, den Plot nicht an den Wurzeln der Story zu suchen, so muß man doch zu Gute halten, daß auf diese Art viele beliebte Figuren zusammen kommen.
Was dann jedoch folgt ist vom Umfang nicht viel mehr, als man in eine herkömmliche Sitcom-Folge bei entsprechend höherem Tempo und besserer Gag-Dichte ballen würde. Am Rande tritt Freds Schwiegermutter (Elizabeth Taylor) auf, die ihn für einen Versager hält. Dies ist Motivation genug, sich an einem Eignungstest für einen Führungsposten des Steinbruchs zu bewerben, bei dem sein Kollege Barney die steinernen Fragebögen aus Verbindlichkeit vertauscht, da Fred Feuerstein ihn bei der Adoption finanziell unterstützt hat. Als Konsequenz fliegt nicht nur der arme Geröllheimer wegen des schlechtesten Ergebnisses aus dem Betrieb, sondern Fred wird vom fiesen Cliff Vandercave (Kyle MacLachlan) als Strohmann mißbraucht, um die Struktur der Firma umzukrempeln. Während die Geröllheimers am Hungertuch nagen, entwickelt sich Fred Feuerstein, bezirzt von seiner Privatsekräterin Sharon Stone (Halle Berry), zum Snob und muß erst auf die Nase fallen, bevor er alles wieder ins Lot bringen will.
Ja, und das war es dann auch schon. Ich erinnere mich noch gut, wie ich im Kino saß und ein bisschen mehr erwartet hatte. Als erstes fiel wohl die Synchro auf, bei der einzig Wilma mit Christel Merian ihre Sprecherin aus der Fernsehserie Familie Feuerstein behalten hatte. Mit Helmut Krauss als Fred Feuerstein oder Norbert Gescher als Dictabird hat Dr. Michael Nowka, der neben Regie und Buch für die Synchronisation auch die Rolle des Barney Geröllheimer übernommen hat, für die Berliner Synchron GmbH Wenzel Lüdecke zwar keine Fehlgriffe getan, aber man gewöhnt sich eben über die Jahre an seine Figuren.
Diesbezüglich fällt ins Gewicht, daß die Übersetzung sich einige Freiheiten nimmt, die weniger ein Problem wären, würden nicht Running Gags von dem abweichen, wie sie in der Zeichentrickserie adaptiert worden sind. So sitzt der Fan im Kinosessel, weiß was eigentlich kommen müsste, aber die Leinwandhelden sagen etwas ganz anderes.
Zum Glück wirkt The Flintstones – Die Familie Feuerstein im Originalton da lebendiger. Gerade Rosie O’Donnell, die sich mit ihrem ausgeprägten Betty-Giggle für die Rolle der Frau Geröllheimer empfahl, wirkt so nachvollziehbarer besetzt. Die englische Sprachfassung kann jedoch nichts daran ändern, wie der Gehalt des Films wie ein stockender Honigtopf immer weiter den Fluß der Süßigkeit bindet, bis dann die gelungene Umsetzung des Schlußgags und die fetzige Abspannmusik doch wieder ein kleines Lächeln auf die Gesichter der Zuschauer zaubern können.
The Flintstones – Die Familie Feuerstein fällt somit in eine Reihe von nicht ganz perfekten Umsetzungen alter Formate wie den hauptsächlich stimmungsvollen Film Addams Family und Casper, den ich heute in Anbetracht des jüngeren Zielpublikums als wirklich ausgewogen bezeichnen würde.
Genau mit seinem versuchten Spagat gerät The Flintstones – Die Familie Feuerstein ins Straucheln, denn ist das Thema von Arbeit, Ausbeutung und Industrialisierung eigentlich mehr den Erwachsenen zugänglich, so wird versucht, dies nicht zu sehr zu vertiefen, um junge Zuschauer nicht zu verlieren. Leider geschieht dies zu dem Zeitpunkt, als sich die grandiose Gestaltung abgenutzt hat und der Bogen erzählerisch geschlagen oder zumindest mit bahnbrechend anderen Reizen gefüllt werden müsste.
Hier zeigt sich der Unterschied zu einer Fernsehepisode sehr deutlich, denn konnte man dort für das große Publikum auf beiden Hochzeiten tanzen, so hätte ein knapp 90-minütiger Kinofilm etwas mehr Finesse erfordert. Selbst die junge Halle Berry, in die sich manch einer schon verguckt hat, als er in Boomerang auf den neuen Eddie Murphy Hit wartete, versprüht ihren Sexappeal an zu früher Stelle.
Man kann über diese Mängel hinwegsehen und bekommt dann einen knalligen Real-Cartoon um die Augen geschlagen, der insbesondere effekttechnisch am Ende einer Ära steht, zu der man wirklich alles machen konnte. The Flintstones – Die Familie Feuerstein stellt hervorragend unter Beweis, wie richtig der Einsatz von CGI sein kann, wenn etwa Dino sein Herrchen Fred Feuerstein wieder einmal umwirft und abschleckt. Hierbei kommen zwar eine gehörige Menge Computereffekte zum Einsatz, werden jedoch in schnellen Schnitten immer wieder durch Puppenteile ergänzt, wegen denen die Szene echter, physischer wirkt.
Die Entscheidung viele der Kulissen oder Puppen dennoch bauen zu lassen zeugt von einer Sensibilität für das Detail, die bei heutigen Filmen oftmals vergessen oder vom Budget verdrängt wird. Denn während die Kinder dieser Tage in einem Glauben an Hyperrealität vor dem Greenscreen aufwachsen gerät die Effektkunst in Vergessenheit; unter dem Strich auch, weil es aufwändig und teuer ist.
Für die Schauspieler jedoch ist es ein El Dorado der Kreativität, aus dem sie ihre Ressourcen im Spiel beziehen können. Es ist einfach etwas anderes, in einer realen Kulisse vor einer realen Puppe zu stehen, als in einem grünen Raum mit einem Stock als Platzhalter zu agieren. Es wirkt auch für den Zuschauer anders.
So merkt man dem Cast von The Flintstones – Die Familie Feuerstein die Spielfreude förmlich an. Alle scheinen so richtig Bock zu haben, sich nach Bedrock und in ihre Figuren zu versetzen und jedem scheint es ein Strahlen ins Gesicht zu zaubern, wenn er oder sie zeichentrickgerechte Alltagshandlungen der Steinzeit vollführen darf.