Nach "At Midnight I'll take your Soul" ließ José Mojica Marins seinen Kultcharakter Zé Do Caixão 3 Jahre warten, bis der im englischen "Coffin Joe" gerufene Totengräber wieder auf die Leinwand durfte. "This Night I'll possess your Corpse" ist die direkte Fortsetzung von dem verstörenden Erstling. Dem Film ist auch der Erfolg des Vorgängers anzusehen. "This Night I'll possess your Corpse" hat mehr Blut, mehr Gewalt, mehr Sex - einfach mehr Budget.
Marins hatte mehr Geld zur Verfügung - Das merkt man deutlich daran, dass seine Locations nun öfter variiert werden. Zwar geht dadurch der untergründige Charme von "At Midnight I'll take your Soul", der prinzipiell nur drei verschiedene Schauplätze zu bieten hatte, verloren, dafür punktet dieses Sequel an anderen Stellen. So kann man Marins durchaus attestieren, seit dem Erfolg des ersten brasilianischen Horrorfilmes an Erfahrung mit dem Medium Film gewonnen zu haben. Vieles geht ihm nun leichter von der Hand: Szenenübergänge, Strukturierung und Erzählweise scheinen gereifter und ausgefeilter zu sein, als bei seinem noch arg rauen ersten "Zé Do Caixão"-Film.
Dabei gibt es kaum Neuland bei der grundlegenden Geschichte. Nach den Ereignissen von Teil 1 überlebt Zé auf unglaubliche Weise und setzt seine Suche nach einer passenden Mutter für sein unmenschliches Überkind, das den Grundstein für eine neue Menschenrasse darstellen soll. Allerdings hat sich einiges an der Figur des Zé Do Caixão geändert. Aus dem kaputten, diabolischen Jungwitwer aus dem Erstling, wird hier ein verschrobener, atheistischer Lebemann, dessen Behausung überraschend beachtlich ist. Plötzlich ist Zé Do Caixão ein Comic-Charakter ohne jene allumfassende Düsternis, sondern eine Art brasilianische "Frankenstein"-Ikone.
Wie oben schon angedeutet, ist schon die, in "At Midnight I'll take your Soul" gar nicht erwähnte Wohnung, die nun alles hat, was ein psychopathischer Mörder in Horrorfilmen aus den 60ern braucht: Ein Harem mit exakt der Anzahl von luxuriösen Betten, wie auch weibliche Opfer entstehen, und einem Guckloch für voyeuristische Impulse; eine Folterkammer, in der Apparate herumstehen, die selbst Dr. Frankenstein das Wasser in die Augen treiben würden (natürlich ist ein buckeliger, entstellter, beschränkter Butler mit inbegriffen); und natürlich die obligatorische Schlangengrube... Zé hat anscheinend alle Tipps aus "Schöner wohnen" beachtet.
Das Highlight in diesem Sequel ist jedoch die extreme Alptraumsequenz kurz vor dem Showdown. Zunächst wird Zé von einem konturlosen Schemen, einer Nachtkreatur aus dem Bett neben seiner Liebsten Laura gezerrt, und auf den Friedhof gebracht. Hier strecken die Untoten ihre Gliedmaßen aus der Erde und ziehen Zé dann hinunter in die Unterwelt - in die Hölle. Und in dem Moment, wo sich Zé umringt von Satans Schergen, die mit ihren Dreizacks die Verdammten foltern, deren Köpfe und Gliedmaßen aus Decken und Wänden herausbrechen, sieht, wechselt der Film für wenige Minuten von Schwarzweiß in ein schrilles, psychedelisches, überkoloriertes Farbinferno irgendwo zwischen Popartmentalität und Kinderbuchnaivität.
Doch auch ohne diesen Bruch mit dem restlichen Look des Films, ist "This Night I'll possess your Corpse" der beste Film aus Marins unvollendeter "Zé Do Caixão"-Trilogie. Marins entwickelte seine Figur weiter, überzeichnete sie leicht, und machte sie damit amüsanter und unterhaltsamer, ohne die abgrundtiefen Bösartigkeiten die Zé vollbringt außer Acht zu lassen. Es entsteht einfach eine zündende Balance aus unterhaltsamen Comic und philosophischem Horror. Der wohl beste, exemplarische Beweis dafür, was für ein aufregender, innovativer José Mojica Morins an jenen Tagen war!