Review

Im Jahre 1970 drehte José Mojica Marins seinen kontroversesten Film. "Awakening of the Beast" wurde in Brasilien für 20 Jahre verboten, und wurde erst in den letzten Jahren wirklich im Kino gezeigt. Jedoch erwartet den Zuschauer kein überzogenes Schlachtfest, das mit Gore und Sex ausgestattet ist, sondern eher ein persönlicher Experimentalfilm, der sowohl die Exploitation-Wurzeln Marins' abdeckt, wie auch einen cleveren Kommentar zur Gesellschaft in Brasilien abgibt.

Wow, was Regisseur Marins hier abliefert ist wirklich schwer in Worte zu fassen. Das Erwachen der Bestie hat mit herkömmlichen Erzählkino nämlich mal rein gar nichts gemeinsam, vielmehr ist der ganze Film mehr oder weniger ein zelluloider Drogenrausch im Episodenstil. Ein durchgängige Handlung ist nicht vorhanden, sondern der Film besteht in der ersten Hälfte aus ziemlich unzusammenhängenden Kurzgeschichten im schwarz weiß Format rund um Drogen und Sex, ohne jedoch in Exploitation auszuarten.
Stattdessen gibt es eine wüste Aneinanderreihung von diversen Perversionen, da sammeln sich Männer um einer bekifften Dame beim Kacken zuzuschauen, einer anderen wird mit einem Stock vaginal das lebenslicht ausgeblasen und natürlich gibts auch den geilen Agenturbesitzer der einen auf Regisseur macht um eine hübsche Bewerberin in die Kiste zu kriegen. Definitiv kein Film für Feministinnen.
Die zweite Hälfte besteht aus einem Experiment, in dem vier Teilnehmer der vorherigen Geschichten mittels LSD ein bunten Trip erleben, nur um am ende fest zu stellen, das die vermeintlichen Drogen nur destilliertes Wasser waren und ihre Erlebnisse lediglich Auto Suggestive Erfahrungen waren. Hier wird dann sogar mit Farben gearbeitet im Quietschbuntstil, um durch die Farben den Zustand seiner Probanten zu dokumentieren.
Allerdings bleibt es ein wenig rätselhaft was Coffin Joe (wie sich Marins im Film selbst nennt) mit dieser verworrenen Nummer eigentlich genau sagen will. Es wird Drogenmißbrauch angesprochen, ein wenig Gesellschaftskritik und Gewaltpotential ist auch noch mit dabei, aber ein schlüssiges Ganzes ergibt sich daraus nicht wirklich. Also mein Ding wars nicht unbedingt, obwohl man eine gewisse Anziehungskraft nicht abstreiten kann.
4/10 

Details