Mit „O Ritual dos Sadicos“ hat Jose Mojica Marins einen Film abgeliefert, mit dem viele Zuschauer gar nichts anfangen dürften, da es eigentlich gar kein wirklich Film ist, sondern mehr eine fiktive Dokumentation über den Drogenmissbrauch in Brasilien.
Eine wirkliche Handlung gibt es nicht, wir erleben eine Gruppe von Psychiatern, die sich gegenseitig kleine Kurzgeschichten über den Effekt von Drogen in allen sozialen Schichten erzählen.
Diese Kurzgeschichten bekommt dann auch der Zuschauer zu sehen, die alle miteinander eigentlich so gut wie gar nichts zu tun haben.
Schon hier fällt es schwer zu unterscheiden, was ist Realität und was ist Fiktion?
Und wer Zé do Caixão aka Jose Mojica Marins kennt, der weiß, was einen teilweise erwartet.
Natürlich ist der Film aus den 70ern, doch das hinderte Marins nicht daran, doch diverse Szenen einzubauen, die zumindest in den 70ern ganz schön harter Tobak waren. Von Sex, Gewalt und Sadismus ist eigentlich alles dabei, was man sich so vorstellen kann. Teilweise nur angedeutet, aber vieles spielt sich auch im Kopf des Zuschauers ab.
Und sobald man sich die Eingangmusik angehört hat, braucht man sich schon gar keinen Illusionen machen, dass man hier einen positiven Film vorgesetzt bekommt. Mit dem anfangslied schließt Marins das schon völlig aus.
Da wundert es einen kaum, dass dieser Marins-Film 18 Jahre lang in Brasilien verboten war, da es der damaligen Zensurbehörde wohl etwas zu viel des Guten war, was man da zu sehen bekam. In einem Interview bestätigte Marins, dass nach der Prüfung des Film eigentlich nur der Vorspann übrig geblieben war.
Marins beschert und aber auch einige deftige Bilder. Man nehme z.B. die Vergewaltigung einer Jungfrau. Dann schwenkt die Kamera auf ein unscharfes Bild an der Wand und während die Frau noch weiter vergewaltigt wird, wird das Bild immer schärfer, auf dem ein Spruch steht, den man wohl kaum böser in die Situation einbringen kann.
Höhepunkt des Film ist aber eine lange Farbsequenz. Einer der Psychiater will seine Theorie noch weiter untermauern und hat sich dazu vier Drogenabhängige aus allen sozialen Schichten zusammengesucht. Mit diesen will er ein Experiment wagen, wie die vier betroffenen unter LSD reagieren. Und wie schon in „This Night, I will...“ wird man in eine überbunte Farbwelt gezogen, die völlig konträr zum eigentlichen s/w-Film der Zé do Caixão Reihe. Unter dem Einfluss eben dieses Zé do Caixão erleben die vier Testpersonen jede ihr eigenes Abenteuer in der Welt des Zé do Caixão. Und wie so oft in Marins Filmen, kommen die Frauen teilweise nicht wirklich gut weg. Das beweist Marins auch öfter in seinen philosophischen Ansprachen an den Zuschauer.
Das Ende des Experiments soll hier nicht verraten werden, doch wie immer bei Marins erwartet uns auch hier eine Überraschung.
Fazit: tja, wie soll man diese Art der Dokumentation bewerten? Sicherlich hat man so was in der Art noch nicht gesehen, aber das ist eben Marins. Sicherlich werden viele Leute schon nach einigen Minuten abschalten, denn man muss erst mal ertragen, was uns hier dargeboten wird. Von scheinbar lächerlichen bis zu unglaublich brutalen Szenen ist alles dabei und man fragt sich immer wieder, was ist davon echt und was soll man davon halten? Wenn es nur teilweise so ist wie im Film dargestellt (einige Hinweise gibt Marins in einem Interview, was teilweise echt ist und was er persönlich gesehen hat), weiß ich ganz genau, warum ich nie Drogen genommen habe.