Wie formuliert es US-Kritikerpapst Roger Ebert, mit dem ich eigentlich nur selten einer Meinung bin, so treffend in seinem Review zu Resident Evil 2 (sinngemäß): der einzige Grund, Resident Evil 2 zu produzieren, ist Geld zu verdienen, und der einzige Grund, sich den Film anzuschauen, ist Geld auszugeben.
Am ersten Resident-Evil-Film scheiden sich schon die Geister: die einen sehen darin einen netten Popcorn-Action-/Horrorfilm; die anderen (zu denen ich mich zähle) halten Resident Evil für ein verzichtbares und weitgehend reizloses Kommerzprodukt, das lediglich das Nicht-Talent von Regisseur Paul Anderson, dem Ed Wood des modernen SF-Kinos, zur Schau stellte. Nun, beim zweiten Teil führt nicht mehr Paul Anderson Regie, sondern ein gewisser Alexander Witt – da müsste es doch theoretisch bergauf gehen, oder?!
Ich würde jetzt ja ganz gerne ausführlich auf den Plot von Resident Evil 2 zu sprechen kommen, doch leider verfügt der Film über keine ersichtliche Handlung. Die Ausgangssituation ist immerhin folgende: Alice (Milla Jovovich) hat irgendwie übersinnliche Kräfte bei einem Experiment der bösen Umbrella-Corporation abbekommen und versucht als eine Art drittklassige Mischung aus Ripley (Alien) und Snake Plissken (Die Klapperschlange) die Tochter eines Wissenschaftlers aus Racoon City zu befreien, einer Stadt, in der es von Zombies nur so wimmelt. Dort findet sie ein Grüppchen Überlebende und macht mit ihnen gemeinsame Sache. Zwischendurch muss sie schnell noch gegen ihre Nemesis antreten (ein weiteres Experiment der Umbrella-Corporation), die praktischerweise auf den einfallsreichen Namen „Nemesis“ hört. Der Rest ist eine Aneinanderkettung von ausgesucht sinnlosen und dümmlichen Over-the-top-Action-Szenen.
Resident Evil 2 ist temporeicher und sogar noch hohler als sein Vorgänger. Die Actionszenen wirken dabei aber befremdlicherweise ziemlich veraltet. Was nicht von Matrix geklaut wurde (z.B. der unvermeidliche Bullet-Time-Effekt), wirkt wie aus einem B-Actionfilm der 80er Jahre – nur ohne den nötigen Charme vieler dieser Filme. Die Art, in der die Actionszenen aneinandermontiert wurden, erweckt den Eindruck, als hätte man es nicht mit einem Spielfilm, sondern einem 90minütigem Demo eines Ego-Shooters zu tun. Völlig verhunzt wird das Sehvergnügen durch den extrem hektischen Schnitt, der jeden Anflug von Unterhaltung bereits im Keim erstickt.
Was gibt es zu den Charakteren des Films zu sagen? Leider gar nichts. Der Film nimmt sich keine Sekunde Zeit, seine Personen ordentlich einzuführen. Charakterentwicklung gibt es ohnehin keine (hat auch niemand erwartet), dafür nerven einige der Personen in ihrer lächerlich überzogenen Art schon erheblich, z.B. der Bösewicht oder das Mädel mit dem Lara-Croft-Lookalike-Kostüm. Richtige Dialoge gibt es kaum – meist beschränken sich „Gespräche“ auf gebrüllte bzw. gerufene Anweisungen und Befehle wie z.B.: „Move!“ oder „Keep moving!“. Und das ist sogar von Vorteil, denn wenn doch einmal die Zeit ist, dass einige Personen ein paar normal gesprochene Sätze miteinander austauschen können, dann wird es richtig peinlich. Unnötig zu erwähnen, dass sämtliche Darsteller (inklusive Milla Jovovich) auf absolutem Knallchargen-Niveau agieren und der Film so gravierende Logikmängel aufweist, dass als Folge davon normalerweise erhebliche Hirnschädigungen beim Zuschauer zu befürchten wären. Nur als Beispiel: warum schießt eigentlich niemand Nemesis in den Kopf wie den anderen Zombies, sondern immer nur auf den Brustpanzer? Zum Glück kann das menschliche Gehirn (zumindest meins) nicht mindestens 20 Schnitte pro Sekunde verarbeiten und schaltet bereits nach wenigen Minuten in den Standby-Modus, eine Art automatischer Selbstschutz vor akuter Verdummungsgefahr.
Zum Herz eines jeden Zombiefilms, nämlich den Zombies und den Make-Up-Effekten. Auch darüber lässt sich nur sehr wenig berichten, weil man sie fast nie richtig zu sehen bekommt. Sobald sich doch mal ein Zombie der Kamera nähert, bricht gleich wieder ein derartiges Schnitt-Inferno aus, dass es nahezu unmöglich wird, irgendwelche Einzelheiten auszumachen. Bei den zahlreichen Kopfschüssen u.ä. das Gleiche...
Hm, was kann man zusammenfassend über dieses Machwerk schreiben? Normalerweise gilt ja die simple Formel: viel Action = unterhaltsam. Davon kann bei Resident Evil 2 nun wirklich keine Rede sein. Es fehlt dem Film an Atmosphäre, guten Einfällen, interessanten Charakteren und Spannung. Oder wenigstens einem gewissen Charme wie bei so vielen anderen eigentlich schlechten B-Movies (und genau das ist Resident Evil 2 trotz seines Budgets von 45 Millionen Dollar!), die trotzdem Spaß machen. Resident Evil 2 begeht einen Kapitalfehler: er nimmt sich todernst und verkauft den Zuschauer zusätzlich noch für völlig strunzdumm – und hat damit leider wieder Erfolg, so dass ich mir in zwei Jahren wohl einen neuen Verriss für Resident Evil 3 aus den Fingern saugen kann. Na, vielen Dank im Voraus dafür!! 3/10