Review

Nach dem ohnehin schon eher mittelmäßigen ersten Teil der Resident Evil-Filmreihe dachte man sich wohl: "Da geht noch weniger!" Und siehe da – Apocalypse liefert. Was hier als Fortsetzung verkauft wird, ist in Wahrheit ein lauter, konfuser, substanzloser Action-Krawall, der mit der Vorlage der Spiele eigentlich nichts mehr zu tun hat – außer den bekannten Namen.

Die Handlung? Kaum der Rede wert. Raccoon City ist von der Umbrella Corporation komplett abgeschottet worden, das T-Virus hat die Bevölkerung in Zombies verwandelt, und Alice (Milla Jovovich), die inzwischen genetisch modifiziert und zur One-Woman-Armee hochgezüchtet wurde, kämpft sich durch die Trümmer, als wäre sie in einem Musikvideo von Linkin Park gelandet – nur ohne Musik und ohne Verstand.

Statt Horror gibt’s Dauergeballer. Statt Spannung gibt’s Explosionen. Und statt Atmosphäre wird man mit Schnittgewitter und billigen visuellen Effekten bombardiert, bei denen man sich fragt, ob das Budget für den Greenscreen bei eBay ersteigert wurde. Die Stadt sieht aus wie ein Pappmaché-Fernsehstudio, jede Szene wirkt wie aus einem anderen Film zusammengeschnipselt – als hätte jemand zu viele Energy Drinks getrunken und sich dann ans Schneidepult gesetzt.

Der „große“ Fan-Service: Nemesis. Ein legendärer Gegner aus dem Spiel – hier aber eine armselige Lachnummer. Weder furchteinflößend noch imposant, sondern eher eine steif animierte Schaufensterpuppe auf Steroiden. Sobald er sich bewegt, möchte man am liebsten die Augen schließen. Das hätte selbst ein Cosplayer auf einer Dorf-Convention besser hinbekommen. Und seine „Charakterentwicklung“? Ein schlechter Witz. Nemesis mit Gefühlen? Mit Mitleid? Come on.

Die Dialoge sind ein Desaster für sich. Platt, klischeehaft und so überzeichnet cool, dass man sich fremdschämt. Jeder Satz wirkt wie ein peinlicher Spruch aus einem billigen Videospiel der 90er – nur ohne Ironie. Man erwartet fast, dass Alice nach jedem One-Liner eine Sonnenbrille aufsetzt, obwohl gerade Nacht ist.

Und damit wären wir beim größten Problem: Die völlige Selbstverliebtheit dieser Produktion. Paul W.S. Anderson, der Regisseur und Ehemann von Milla Jovovich, scheint diesen Film einzig und allein dafür gemacht zu haben, seine Frau wie einen übermenschlichen Messias in Szene zu setzen. Alles dreht sich um Alice. Alles andere – Story, Nebenfiguren, Atmosphäre, sogar der Titel „Resident Evil“ – wird nur als lose Fassade benutzt. Figuren wie Jill Valentine oder Carlos Oliveira werden halbherzig reingeworfen, optisch leicht ans Spiel angelehnt, aber ohne jede Relevanz. Kein Tiefgang, kein Charakter, keine glaubwürdige Entwicklung.

Dabei behauptet Anderson in Interviews regelmäßig, er sei ein großer Fan der Spiele. Wenn das stimmt, dann muss er über sie ausschließlich auf Wikipedia gelesen haben. Denn nichts – absolut nichts – fühlt sich in diesem Film so an wie die beklemmende, bedrohliche Stimmung der Videospielreihe. Stattdessen gibt’s alberne Superhelden-Eskapaden, dämliche One-Liner und einen Overkill an schlechten CGI-Mutanten.

Weitere Minuspunkte gefällig?

– Logiklöcher, so groß wie Umbrella's Ego.

– Charaktere, die nur dazu da sind, im Kugelhagel unterzugehen.

– Kameraarbeit wie bei einem Musikvideoregisseur unter Drogen.

– Null Horror, null Bedrohung, null Cleverness.

– Ein Finale, das aussieht, als wäre es mit einem Playstation-2-Renderprogramm gebaut worden.


Fazit

Resident Evil: Apocalypse ist ein Paradebeispiel dafür, wie man eine eigentlich starke Marke gegen die Wand fährt. Hier stimmt fast nichts: Die Action ist überdreht und seelenlos, die Effekte veraltet, der Horror nur noch eine Karikatur seiner selbst. Statt einer Fortsetzung wirkt der Film wie ein Fanprojekt von jemandem, der keine Ahnung von Horror, aber ein Faible für Zeitlupe und Matrix-Klone hat. Das ist kein Trash mit Charme – das ist Trash mit Genickbruch.

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