Review

"Strangeways" handelt vom Schicksal eines Kleinganoven, der an seine kleingeistigen Werte glaubt, was korrekt ist und was nicht. Leider klappt ständig etwas in seinem Leben nicht und als er nach einem vermassselten Drogendeal eine junge Maklerin als Geisel nimmt, eskaliert die Situation vollends. Es sei hier nicht zuviel verraten, denn das gute Drehbuch von Anke Miksch (die auch die weibliche Hauptrolle spielt) beglückt uns mit ein paar gelungenen Überraschungen. Dabei spielt die Story in sehenswerter Weise mit den vermeintlich Guten und Bösen Charakteren und der eben noch große Töne spuckende Dealer wird zum armen Würstchen, das seine Haut nur schwerlich retten kann. Die guten Schauspieler überzeugen ebenso wie die filmische Umsetzung. Scheinbar haben sich ein paar Filmstudenten zusammengefunden, um ein in der Wirkung erstaunlich fieses Werk zu produzieren. Dabei geht es psychisch und physisch ganz schön gewalttätig zu, die SFX sind gut, arten jedoch nie in amateurtypische Splatterorgien aus. Es ist eher die überraschend deftige Atmosphäre, die aus der Verbindung von Terror und Gewalt Spannung schafft. Regisseur Christian Rzechak lässt einen Großteil des Films in einem Hochhaus spielen, die Gänge und Räume sind meist blau oder grün ausgeleuchtet, das trägt in diesem Fall sinnvoll zur Atmosphäre bei. Die Schnitte verleihen dem Film in Ansätzen eine Musikvideoästhetik und werden von einem gekonnt eingesetzten Score untermalt. Alles in allem kennt man solche überzogenen Streifen eher aus der asiatischen Sickoecke oder von Mike Mendez. Doch auch "Strangeways" kommt nicht humorlos daher, durchbrochen wird das makabere Treiben von Einblendungen der Hauptprotagonisten, in denen sie ihr komödiantisches Ruhrpottschauspiel zum besten geben. Hauptdarsteller Philipp Schiemann scheint darin, ähnlich wie in "Cleaner" besonders geübt aufzugehen. Der Humor macht dieses kleine Filmchen sympathisch und tröstet über kleine Unzulänglichkeiten hinweg. Auch sehenswert für Fans von rabenschwarzen Komödien.

Fazit: Unterm Strich kann man "Strangeways" nur als qualitativ hochwertien Low-Budget-Streifen bezeichnen. Wer etwas mit der künstlerischen Art dieses Thrillers anfangen kann, wird hier über 50 min gut und ungewöhnlich, vor allem aber auch düster bis fies unterhalten. 7/10 Punkten

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