Wer mal wieder einen Film sucht, den man sich am besten nachts alleine in einem dunklen Zimmer anschaut, der sollte am besten zu "At Midnight I´ll Take Your Soul" greifen. (Okay, manche Leute sollten es vielleicht auch besser bleiben lassen...). Denn der Streifen von Regisseur José Mojica Marins hat heute noch das Zeugs dazu, einem einen kalten Schauer über den Rücken zu jagen: Expressionistischer Noir-Horror, mit einpaar surrealen, teils sehr verstörenden Passagen.
Während zum Beispiel das amerikanische Kino gerade daran war, mit "Blood Feast" von Herschell Gordon Lewis den Splatter salonfähig zu machen oder in Nudistenfilmen die ersten Nudies über die Leinwand hüpfen, boten ausgerechnet die Brasilianer einen der radikalsten Filme seiner Zeit. So ist "At Midnight I Will Take Your Soul" eine Mischung aus düsterem Comic-Strip und cineastischem Experiment. Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist Zé Do Caixao, ein sadistischer Totengräber, der sich mit den verlogenen Kleinbürgern und Proleten seiner Gemeinde anlegt, gleichzeitig nach einer Jungfrau sucht, mit der ein Kind zeugen kann...
Marin´s Film ist wirklich ein Ausnahmeprodukt seiner Zeit. Teilweise sind die expressionistischen Bilder faszinierend, teilweise surreal, teilweise ist "At Midnight..." eines der extremsten cineastischen Produkte, die in den Sechzigern hervorgebracht wurde. Nicht nur, dass sich der Streifen gegen jede Form von religiöser Verwirrung richtet, auch einige Szenen sind für die damalige Epoche ungewöhnlich heftig, ohne viel Blut zu vergießen. Der dargebotene Surrealismus erinnert nicht selten an die Werke von Luis Bunuel, mitunter schlägt Marins jedoch sehr stark in die Fantasy-Kerbe. In seinen besten Momenten wird "At Midnight..." zu einem cineastischen Rauscherlebnis, das mit Worten gar nicht mehr zu beschreiben ist.
Fazit: Absoluter Mindfuck aus Brasilien. Abgrundtief böse und doch gleichzeitig von unbändiger Faszination. Wer Kino der etwas anderen Art mag ist hier komfortabel bedient. Starke 8 von 10 Punkten.