Leichenbestatter Zé Do Caixão (außerhalb Brasiliens besser bekannt als "Coffin Joe") wünscht sich nichts sehnlicher als einen Sohn, damit seine Blutlinie weiter besteht. Da seine Freundin Lenita unfruchtbar zu sein scheint, läßt er sie kurzerhand über die Klinge springen. Zum Objekt seiner Begierde avanciert nun Terezinha, die Verlobte seines Freundes. Um seinen Samen in sie zu pflanzen, geht er über Leichen.
At Midnight I'll Take Your Soul gilt als erster brasilianischer Horrorfilm, und was Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller José Mojica Marins uns hier serviert, ist wahrlich nicht von schlechten Eltern. Der Antagonist Zé Do Caixão ist ein gefühlloser und sadistisch veranlagter Nihilist, besessen von dem Wunsch, einen Sohn zu zeugen. Frauen sind nur der Mittel zum Zweck, um diesen Wunsch zu erfüllen, und sind sie nicht willig, so nimmt er sie mit Gewalt. Die Dorfbewohner tyrannisiert der arrogante Mistkerl erbarmungslos, jeder, der aufmuckt, wird auf grausame Weise in seine Schranken gewiesen. Da werden Finger abgehackt, Augen ausgestochen, und eine Dornenkrone in ein Gesicht gedrückt. Trotz der Schwarzweiß-Optik und der recht primitiven Spezialeffekte kommen die Gewaltszenen sehr hart und unangenehm rüber, auch mehr als 45 Jahre nach Entstehen des Filmes. Sadistischer Höhepunkt des regen Treibens ist die Szene, in der Zé eine große Giftspinne über eine gefesselte Frau krabbeln läßt, bis sie gebissen wird, um sie auf diese Weise zu töten. Die hilflose Frau kann nicht einmal schreien, da er ihr den Mund zugeklebt hat, und Zé saugt ihr Entsetzen genußvoll in sich auf. José Mojica Marins geht dermaßen in seine Rolle auf, daß ich vermutlich Angst bekommen würde, würde ich ihm mal gegenüberstehen. At Midnight I'll Take Your Soul genießt in gewissen Kreisen zurecht Kultstatus und überraschte mich als atmosphärisch dichter Horrorfilm weit abseits des Mainstreams. Das einzige, was ein wenig stört, sind die zum Teil zu gestelzten Dia- bzw. Monologe und das hemmungslose Overacting des Leichenbestatters in einigen wenigen Szenen.